Irakischer Premierminister: Tod von Erzbischof Rahho will Bevölkerung spalten

Neue Erkenntnisse über die Forderungen der Entführer

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BAGDAD, 17. März 2008 (ZENIT.org).- Der Tod des Erzbischofs von Mossul der Chaldäer, Msgr. Paulos Faraj Rahho, ziele darauf ab, den Irak zu spalten, betonte der Premierminister des schwer gezeichneten Landes, und ZENIT brachte vor Ort nähere Details über die Forderungen der Entführer des Hirten zutage, den Benedikt XVI. heute während eines Gedenkgottesdienstes in der Kapelle „Redemptoris Mater“ im Apostolischen Palast als „Mann des Friedens und des Dialogs“ würdigte (vgl. Video von h2onews.org).



Nouri al-Maliki übermittelte Kardinal Emmanuel III. Delly, Patriarch von Babylon der Chaldäer, ein Telegramm, um seine „tiefe Trauer“ über die Nachricht des Auftauchens des Leichnams von Erzbischofs Rahho am vergangenen Donnerstag zum Ausdruck zu bringen. Rahho war am 29. Februar nach der Feier der Kreuzwegandacht entführt worden; drei Begleiter, darunter sein Chauffeur, kamen bei dem Angriff ums Leben.

„Wir verurteilen dieses schwere Verbrechen auf das Schärfste. Wir betrachten es als einen Anschlag, der das Ziel hat, unter den Gliedern des irakischen Volkes Trennungen hervorzurufen“, erklärt al-Maliki in seiner Botschaft.

„Wir sind stolz auf die Söhne und Töchter christlicher Religion im Irak, und wir versichern Euch, dass diejenigen, die diesen Anschlag verübt haben, niemals der Gerechtigkeit entkommen werden“, fügt er hinzu. „Das Zweistromland wird dank der Einheit seiner Kinder von den Mördern und Terroristen gereinigt werden“¸ so beendet der irakische Premierminister sein Telegramm.

ZENIT sprach mit einer der Personen, die den Leichnam des Erzbischofs entdeckt haben: Zwei Tage nach der Entführung hätten sich sich die Täter telefonisch beim Sekretär des Erzbischofs gemeldet. Kategorisch forderten sie, innerhalb der nächsten 48 Stunden die Lösegeldsumme von einer Million US-Dollar ausgehändigt zu bekommen. Drei Tage nach Ablauf dieses Ultimatums meldeten sich die Entführer erneut telefonisch; diesmal klangen sie jedoch viel ruhiger und weniger bestimmt, auch wenn sie nun 2,5 Millionen Dollar forderten. Tatsächlich versicherten sie aber keineswegs, dass der Erzbischof nach der Zahlung dieser Summen tatsächlich freigelassen würde. Vielmehr hinterließen sie den Eindruck, es handle sich um eine Form von Zusammenarbeit zwischen Kirche und islamischen Dschihad.

Niemals sei die Möglichkeit angeboten worden, mit dem Bischof telefonisch zu kommunizieren. Wie die Autopsie ergab, starb Erzbischof Rahho mehrere Tage vor der Entdeckung seines Leichnams.

Wie ZENIT von lokalen Informanten erfuhr, ist es wahrscheinlich, dass die Gruppe, die die Lösegeldforderung gestellt hat, der Al Qaeda nahesteht und nicht mit dem Kreis der Entführern identisch ist. Die Entführer hätten demnach Bischof Rahho verkauft.

Mit der Lösegeldforderung hatte die Gruppe allerdings drei Bedingungen verknüpft. Erstens sollte die Kirche Druck auf die kurdischen Behörden ausüben und die Freilassung von zwei arabischen Mudschahedin erwirken. Darüber hinaus sollte das chaldäische Patriarchat hochmoderne Waffen anschaffen und sie in den Kirchen verstecken, damit sie die Mudschahedin bei Bedarf holen und verwenden könnten. Und schließlich wurde gefordert, dass die Christen dazu veranlasst würden, selbst zu Mudschahedins zu werden; bereit, Terroranschläge und Selbstmordattentate zu verüben.

Von Tony Assaf; Übertragung ins Deutsche von Dominik Hartig