Irischer Bischof warnt vor „Privatisierung“ der Religion

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LIMERICK, Irland, 3. Oktober 2004 (ZENIT.org) – In Irland verbreitet sich die zersetzende Idee, dass Religion eine rein private Angelegenheit sei, warnt der Bischof von Limerick, Donal Murray.



In einem Hirtenbrief anlässlich des 25. Jahrestages des Besuches von Johannes Paul II. in Limerick, im Oktober 1979, zeichnete der irische Bischof ein ernüchterndes Bild des Landes.

„Das Leben von heute ist voller Aktivitäten, Bilder, Geräusche und Informationen“, schrieb der Bischof. „Ein Großteil von dem, was auf uns einströmt, scheint mit unserem Bemühen, Christus nachzufolgen, wenig zu tun zu haben. Wir fühlen uns oft überflutet und haben keine Zeit für Entspannung, Reflexion oder tiefere Fragen. Sie werden von der Last der Informationsflut erdrückt.“

„Wir leben einen Großteil unseres Leben in einem Kontext, in dem Gott ‚is missing but not missed“ – wie es jemand ausgedrückt hat: Er fehlt, wird aber nicht vermisst“, erklärte er.

„Wir, die Menschen dieser Generation, müssen den Schöpfer und Erlöser in diesem neuen Kontext erkennen. Niemand kann das für uns tun“, sagte der Bischof aus Limerick in einem langen Brief, der auch im Internet veröffentlicht wurde (LIMERICKDIOCESE.org).

„Wenn wir, die wir gläubig sind, nicht versuchen, darüber nachzudenken und zu erkennen, wie Gott und seine Verheißung in jedem Aspekt unseres Lebens gegenwärtig sind, warum wundern wir uns dann, wenn die Welt immer säkularisierter wird?“, fragte er.

„Wir haben es hier nicht mit staatlichem Atheismus zu tun, sondern mit der falschen und zerstörerischen Annahme, dass Religion eine rein private Angelegenheit sei“, beklagte Bischof Murray.

„Unser ganzes Leben beruht doch auf unserem Verständnis von Würde, Sinn und Bestimmung des menschlichen Lebens. Wir sind natülich auf eine Weise multikulturell und multikonfessionell, wie das in der Vergangenheit nicht der Fall war“, schrieb er. „Aber Einzelpersonen, Familien und Gruppen beziehen ihre Grundmotivation und ihr Engagement aus ihrer Einstellung gegenüber dem Geheimnis der menschlichen Existenz und dem Mysterium Gottes.“

„Die Inspiration, die aus Menschen gute Staatsbürger macht, kommt aus der tiefen Überzeugung, die meist religiös begründet ist, dass das Leben einen Sinn und ein Ziel hat. Wie soll jemand ein ganzheitliches Leben führen, wenn er keine Vorstellung vom Sinn und Ziel seines Lebens hat?“

Der Bischof brachte seine Hoffnung zum Ausdruck: „Nicht eine isolierte Einzelperson, sondern die gesamte Gemeinschaft der Gläubigen mit ihrer großen Bandbreite an Talenten, die jedem einzelnen vom heiligen Geist geschenkt wurden, (Korinther 1, 12), mischt das Evangelium als Sauerteig unter die Wirklichkeit der Welt, in der sie lebt und arbeitet.“