Islam-Abend mit dem Apostolischen Nuntius in Österreich

Erzbischof Farhat empfing Akademiker und Jugendliche in der Nunituatur

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WIEN, 3. Juli 2007 (ZENIT.org).- Der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Dr. Edmond Farhat, setzt im Hinblick auf das brisante Thema des Verhältnisses von Christentum und Islam seine Hoffnung auf die neue Generation: „Ich hoffe und bete, dass ihr Jugendliche eure Verantwortung ernst nehmt und bewusst nach eurer wahren Identität sucht. Es geht um die Frage: Warum sind wir eigentlich Europäer und warum Christen?“



Erzbischof Farhat, der nicht nur aus dem leidgeprüften Libanon stammt, sondern auch während seiner langen diplomatischen Karriere viel Erfahrung in islamisch geprägten Ländern sammeln konnte, gewährte einer Gruppe junger Menschen Einblick in das Wesen des Islam und seine diesbezüglichen Sorgen und Hoffnungen.

Während der Begegnung mit Mitgliedern der Wiener „Johannesgemeinschaft“ und des „St. Johanns Club“ Ende März in der Apostolische Nuntiatur in der Theresianumgasse 31 wurde rasch klar: Der Islam stellt eine der größten geistigen Herausforderung für Europa dar. Letztendlich wird unsere Zukunft auch davon abhängen, auf welche Weise wir dem Islam begegnen und wie wir die Frage nach der europäischen Identität beantworten können, gab sich der Apostolische Nuntius überzeugt.

„Wir betrachten die Früchte am Baum, aber wir vergessen, dass der Baum tiefe Wurzeln besitzt. Wenn wir diese Wurzeln abschneiden, dann haben wir auch keine Früchte mehr“, sinnierte Erzbischof Farhat, der es liebt, in symbolischen Bildern zu sprechen, und fügte schließlich hinzu: „Das ist es, was man zur Zeit mit der europäischen Verfassung macht. Man meint, dass Europa mit der französischen Revolution begonnen hat. Aber nein: Europas Wurzeln reichen vielmehr bis in die Antike und besonders auch in die Zeit Karl des Großen.“

Erzbischof Farhat, der von 2001 bis 2005 als Apostolischer Nuntius in Ankara stationiert war, sprach auch über die schwierige Lage in der Türkei: „In der Zeit, als Erzbischof Angelo Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., Nuntius in der Türkei war, gab es noch eine halbe Million Christen in Istanbul. Heute sind es bereits nur noch 20 000 Christen, die den unterschiedlichen Riten angehören und über keinerlei Rechte verfügen. Alle Kirchen werden als Eigentum des Staates betrachtet, der sie auch jederzeit anders verwenden kann. So ließ der Staat, zum Beispiel, das Priesterseminar der griechisch-orthodoxen Kirche auf der Insel Chalki vor 30 Jahren schließen, weshalb die Kirche nun mit den Schwierigkeiten eines ausbleibenden Priesternachwuchses kämpft. Inzwischen haben mehr als 3000 türkische Christen eine Klage für ihre Rechte im Europäischen Gerichtshof von Straßburg eingereicht, aber bis jetzt keine Antwort erhalten.“

Auf die Frage eines eventuellen EU-Beitritts der Türkei antwortete der Apostolische Nuntius: „Ich dachte immer, es wird unmöglich sein, dass die Türkei ein Mitglied der EU wird. Aber seitdem ich in Wien bin, musste ich meine Meinung leider revidieren. Ich glaube, dass es passieren wird.“ Der Nuntius erklärte auch, worin seiner Meinung nach die Schwäche Europas liegt: „Im Unterschied zu einer relativistisch geprägten europäischen Einstellung, verfügen die Türken über eine traditionelle Kultur, auf die sie stolz sind. Sie treten mit Überzeugung auf und meinen, dass sie eine Mission haben und einen starken Glauben nach Europa bringen sollen: den Islam. Entweder wird der Islam die Dreifaltigkeit annehmen, oder wir werden alle Moslems werden.“ Deshalb brachte er auch gleich seinen Wunsch für die Europäer zum Ausdruck: „Ich hoffe, dass ihr jedoch noch kultivierter seid und dadurch mit den türkischen Einwanderern freundlich und demokratisch über Euren Glauben diskutieren könnt.“

Problematisch sei, dass der Islam zwar de jure die Menschenrechtsdeklaration der UNO anerkennt, jedoch über eine eigene Deklaration der Menschenrechte verfügt, in der immer nur von den Rechten der Muslime die Rede ist. „Die Muslime sind überzeugt, dass sie ihre Religion im Namen der Menschenrechte nach Europa bringen. Das Wort ,Toleranz‘ existiert jedoch im Koran nicht. Es ist nur von ,Erlaubnis‘ die Rede, und die geht ‚so weit, wie ich will‘“, erklärte Erzbischof Farhat. Seiner Meinung nach beherrschen es die Muslime sehr gut, „mit der modernen Logik und Kultur zu spielen und sie dadurch für ihre eigenen Zwecke umzudeuten: Sie protestieren im Namen der westlichen Demokratie, solange sie in der Minderheit sind, aber wenn sie die Mehrheit erreicht haben, gelten für sie die Regeln der Demokratie nicht mehr, da sie sich als echte Gesandte Gottes verstehen, dessen Willen sie gehorchen müssen.“ Es zeuge von einer gewissen „Naivität“ zu meinen, dass es so etwas wie einen „europäischen Islam“ gebe, denn es gehöre zur Lehre des Islams, dass Allah den Menschen das Gesetz, das heißt die Sharia gegeben hat und man diese auch einführen müsse, wenn man ehrlich zu Gott sein wolle.

Nuntius Farhat erwähnte auch die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs, aber er machte gleichzeitig darauf aufmerksam, dass der Dialog zur Zeit „eine Mode“ geworden sei. Man wolle „einen Dialog führen, einfach nur um miteinander zu sprechen, bei dem jedoch kein Fortschritt gemacht wird“. In diesem Zusammenhang erinnerte er auch an die Worte Pauls VI., der einmal gesagt hat: „Der Dialog ist nicht die Idee, den anderen zu imponieren, sondern sich mit anderen auszutauschen, um zur Wahrheit zu gelangen.“ Die Muslime wüssten viel mehr Bescheid über ihre Tradition und ihren Glauben als viele europäische Christen, die oft verunsichert und ängstlich sind.

Der Apostolische Nuntius erzählte auch von seiner Begegnung mit dem libyschen Präsidenten Ghaddafi, der zum „arabischen Botschafter des Papstes“ einmal anerkennend sagte: „Während die anderen Bomben haben und damit töten, verfügt Ihre Kirche hingegen über das Wort, und das Wort geht hinaus in die Welt und lebt weiter.“ Nuntius Farhat erwähnte diese Begebenheit, um den anwesenden Jugendlichen ins Bewusstsein zu rufen, dass sie über eine viel stärkere Waffe verfügen: „Wir besitzen zwar keine fertige Lösung, aber wir haben das Wort Gottes und sind dadurch ein signum veritatis.“ Er ermutigte daher die „neue Generation junger Christen“ und bestärkte sie in der Überzeugung, dass schließlich „die Wahrheit gewinnt: Wir versuchen unser Bestes, aber wir sind nur Menschen und machen daher auch Fehler. Christus ist während seiner Mission dreimal gestürzt. Er wurde gekreuzigt, aber er ist auferstanden! Wenn wir eine Revolution der Liebe haben, dann brauchen wir keine Angst vor dem Islam zu haben.“ Daher empfahl Nuntius Farhat den anwesenden Jugendlichen: „Vergesst nicht, dass die Liebe am stärksten ist.“