Islam-Vertreter schreiben Papst Benedikt XVI.

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ROM, 12. Oktober 2007 (ZENIT.org).- 138 muslimische Intellektuelle und Muftis haben an Papst Benedikt XVI. und andere christliche Religionsoberhäupter einen offenen Brief gerichtet, um die Bedeutung einer besseren Verständigung zwischen Christen und Muslimen zu unterstreichen. Der Brief ist auf den morgigen 13. Oktober datiert, an dem der Fastenmonat Ramadan seinen Abschluss findet.



Bereits vor einem Jahr hatten 38 muslimische Intellektuelle und führende Vertreter des Islam ein ähnliches Schreiben an den Papst gerichtet. Damals reagierten die islamischen Religionsführer auf die Regensburger Rede des Papstes über das Verhältnis von Glaube und Vernunft vom 12. September 2006.

In ihrem diesjährigen 29 Seiten umfassenden Brief heben die muslimischen Gelehrten hervor, dass Christen und Muslime mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung bilden. Ohne Frieden und Gerechtigkeit zwischen diesen Religionsgemeinschaften könne es keinen wirklichen Frieden auf der Welt geben. „Die Zukunft der Welt hängt vom Frieden zwischen Muslimen und Christen ab“, betonen sie.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören die Großmuftis von Bosnien-Herzegowina, Russland, Kroatien, Kosovo, Syrien und Istanbul. Letzter hatte mit Papst Benedikt während dessen Türkeiaufenthalts die Blaue Moschee betreten, wo beide im Stillen ein Gebet sprachen.

Der Brief richtet sich nicht nur an den Papst, sondern auch an den Patriarchen von Moskau und ganz Russland, Alexeij II., an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., an den Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, und an Samuel Kobia, Generalsekretär des Weltkirchenrates.

Nach einer heute veröffentlichten Presseerklärung ist das Schreiben in den Augen von Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Lois Tauran, ein ermutigendes Zeichen. Es handle sich um ein sehr interessantes Dokument, das sich durch seine Neuheit auszeichne, insofern es sowohl von Sunniten als auch von Schiiten unterzeichnet worden ist. „Es ist kein polemisches Dokument, mit zahlreichen Zitaten sowohl aus dem Alten als auch dem Neuen Testament.“

Um das Zusammengehen von Gewalt und Religion zu vermeiden, ist es nach Worten des Kurienkardinals notwendig, die Gläubigen des Islams dazu aufzufordern, die drei Überzeugungen, die im Brief festgehalten werden, zu teilen: Gott ist einer; Gott liebt uns, und deshalb müssen auch wir Gott lieben; Gott fordert uns auf, den Nächsten zu lieben.

„Muslime und Christen müssen auf eine einzige Frage Antwort geben“, schreibt Kardinal Tauran. „Ist Gott für dich in deinem Leben wirklich der einzige Gott?“