Islamische Theologie als reguläres zweites Lehramtsfach an der Uni Osnabrück

Zum WS 2012/13 Start der Studiengänge Islamische Theologie und Islamische Religion

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OSNABRÜCK, 18. Juli 2012 (ZENIT.org). – Erstmalig in Deutschland wird zum Wintersemester 2012/2013 an der Universität Osnabrück „Islamische Theologie“  als Monofach und „Islamische Religion“ als reguläres zweites Lehramtsfach angeboten.

Nachdem in Niedersachsen islamischer Religionsunterricht nach den Vorgaben des Grundgesetztes eingeführt werden soll und der theologische Beirat aus den Vertretern der Landesverbände „Schura Niedersachsen“ und „Ditib Niedersachsen“ gegründet wurde, bietet als erste Universität in Deutschland die Universität Osnabrück Lehramtsstudenten die Möglichkeit, das Unterrichtsfach Islamische Religion (Bildung, Erziehung, Unterricht) als reguläres zweites Unterrichtsfach zu studieren. Bisher wurde nur Islamische Religionspädagogik als Master-Erweiterungsfach angeboten. Diese Entscheidung dient dazu, muslimischen Schülerinnen und Schülern ihren grundgesetzlich garantierten Anspruch (Artikel 7, Abs.3) auf bekenntnisorientierten Unterricht zukommen zu lassen.

Das im Aufbau befindliche Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück wird mit sieben Professuren das größte seiner Art in Deutschland sein.

Folgende Themenschwerpunkte stehen unter anderem im Mittelpunkt des Studiums der islamischen Theologie: Koranwissenschaft, Koranexegese und zeitgemäße Lesart des Korans;
Prophetische Tradition (Sunna), Hadithwissenschaft und Hadithexegese; Islamische Geschichte; Arabische Sprache und andere relevante Sprachen (z.B. Türkisch, Persisch); Religionssoziologie und –psychologie; Einführung in andere Theologien, vor allem in christliche und jüdische Theologie.

Das Studium wird in ein Bachelor- und Masterstudiengang gegliedert.

Seit dem Wintersemester 07/08 bietet die Universität Osnabrück bereits für die Zielgruppe Studierende bzw. Absolventen des Lehramts den Studiengang „Islamische Religionspädagogik"im Erweiterungsfach an. In einem viersemestrigen Studium werden hier wichtige Inhalte der Islamischen Fachwissenschaften, Fachdidaktik sowie auf die Bedürfnisse der Islamischen Religionspädagogik abgestimmte Kompetenzen des Arabischen vermittelt. Auch für den Dialog der Religionen und den gesellschaftlichen Austausch wichtige Bezugswissenschaften gehören zum Curriculum des neuen Studiengangs.

Vor kurzem hat die Universitätsbibliothek ebenfalls eine bedeutende Sammlung klassischer Werke auf dem Gebiet der Islamischen Theologie erworben. Es handelt sich um 5000 Bände islamisch-theologischer Literatur.

Prof. Dr. Bülent Ucar, Direktor des Zentrums für Interkulturelle Islamstudien, erklärte laut der Website der Universität über diesen Erwerb aus Privatbesitz: „Nach erster Begutachtung und Aussage von ausgewiesenen Experten ist diese Bibliothek deutschlandweit eine der wichtigsten Sammlungen klassischer Werke auf dem Gebiet der Islamischen Theologie. Damit werden wir hervorragende inhaltliche Voraussetzungen für Studium, Lehre und Forschung schaffen. Die Bände müssen nun zunächst in den Bibliotheksbestand aufgenommen werden. Dazu bedarf es arabischsprachiger Bibliotheksfachkräfte. In etwa einem Jahr sollen sie öffentlich zugänglich sein.“

Unter den erworbenen Bänden befänden sich Schriften zu Koran- und Hadithwissenschaften, islamischer Glaubenslehre, Mystik und Philosophie genauso wie philologische und historische Werke.

„Diese Bibliothek steigert ganz wesentlich das Image Osnabrücks als Hochschulstandort für Islamische Theologie und macht ihn attraktiv für Studierende, Lehrende und Gastwissenschaftler“, so Prof. Rauf Ceylan. Die Bibliothek sei aus Berufungsmitteln der Professoren finanziert worden.[jb]