Israel: "Müssen mit Flüchtlingen solidarisch sein"

"Kirche in Not" sprach mit Pater David Neuhaus S.J., Vikar des Lateinischen Patriarchen für die hebräisch-sprachigen Katholiken und zuständig für die Migrantenseelsorge

München, (KIN) | 389 klicks

Der Jerusalemer Jesuitenpater David Neuhaus, Vikar des Lateinischen Patriarchen für die hebräisch-sprachigen Katholiken und zuständig für die Migrantenseelsorge in Israel, hat zur Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen. Insbesondere die staatliche Praxis in Israel kritisierte er dabei im Gespräch mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“: „Unsere Position ist die von Papst Franziskus: Wir müssen aufhören, Migration als Gefahr für die Gesellschaft zu sehen, sondern als Geschenk. Hier in Israel verwenden manche Politiker und Medien eine sehr verletzende Sprache und bezeichnen die Asylsuchenden pauschal als ‚Eindringlinge‘. Wir müssen aber sehen, dass das Menschen sind, die unsere Hilfe benötigen, weil sie geflohen sind, um ihr Leben zu retten. Wir müssen sie als Menschen behandeln und dürfen sie nicht von vornherein kriminalisieren.“

Pater Neuhaus reagierte damit auf Proteste von Migranten gegen die israelische Asylgesetzgebung und die Praxis im Umgang mit Asylantragstellern. In Tel Aviv und vor dem Parlament in Jerusalem demonstrierten deshalb in den vergangenen Tagen Tausende. Das israelische Parlament verabschiedete kürzlich eine Novellierung des sogenannten Anti-Infiltrations-Gesetzes. Danach dürfen Migranten, die illegal nach Israel eingereist sind und nicht sofort abgeschoben werden können, in offenen Auffanglagern untergebracht werden. Im Dezember haben die Behörden mit der Deportierung erster Flüchtlinge in ein Lager in der Negevwüste begonnen. In einer seltenen Stellungnahme hat der in Jerusalem ansässige Vertreter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen deshalb heftige Kritik an der neuen Gesetzgebung und Praxis geübt. Israel sei durch die UN-Flüchtlingskonvention gebunden. Die Internierung Asylsuchender sei nur als letztes Mittel erlaubt. Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben im Dezember vergangenen Jahres gerichtlich Einspruch gegen die neue Gesetzgebung eingelegt. Ein Antrag auf eine Aufhebung des neu verabschiedeten Anti-Infiltrations-Gesetzes wurde indes vom Obersten Gerichtshof abgelehnt. Das Überprüfungsverfahren auf dessen Verfassungskonformität läuft noch.

„Für die meisten Asylanten war Israel nicht die erste Wahl“, betonte Pater Neuhaus. „Vielmehr wollten sie in Europa um Asyl ersuchen. Seit Europa aber seine Grenzen für Flüchtlinge aus Afrika dicht gemacht hat, sind sie nach Israel gekommen. Viele haben auf ihrer Flucht Schreckliches durch Menschenhandel und Folter erlebt und sind traumatisiert. Mittlerweile hat aber auch Israel einen Zaun errichtet, so dass praktisch keine neuen Flüchtlinge mehr ins Land kommen können.“ Pater Neuhaus erklärte weiter, dass die israelische Regierung natürlich das Recht habe, zwischen Asylsuchenden und Wirtschaftsmigranten auf der Suche nach Arbeit zu unterscheiden. „Das geschieht aber nicht. Die Asylanten werden nicht einzeln auf ihre Situation hin eingeordnet, sondern pauschal behandelt. Bei den meisten hat bislang keine Überprüfung stattgefunden, ob sie als Flüchtlinge Anspruch auf Asyl haben.“ Neuhaus kritisierte weiter, dass die eingeleiteten Asylanträge nur schleppend bearbeitet würden und nur in den wenigsten Fällen erfolgreich seien.

Insgesamt halten sich derzeit etwa 53 000 Asylsuchende in Israel auf. Sie stammen meist aus Eritrea und dem Sudan. Etwa 40 000 von ihnen sind Christen, zumeist orthodoxen Glaubens. Der Rest sind Muslime, vor allem aus der Darfur-Region im Sudan. Die katholische Kirche des Heiligen Landes bemüht sich darum, die humanitäre Situation der Asylanten zu verbessern. Besonders die gesundheitliche Versorgung steht dabei im Vordergrund, aber auch die seelsorgliche Betreuung der Flüchtlinge ist ein wichtiges Anliegen.

Von: Oliver Maksan

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Das Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt die Seelsorgearbeit an den Migranten in Israel bereits seit Jahren. Helfen kann man mit einer Online-Spende unter www.spendenhut.de oder an:

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