Ist uns die Familie in Deutschland noch heilig?

Bamberger Erzbischof Ludwig Schick fordert finanzielle Entlastung für Familien

Kaufering, (FDK) | 1105 klicks

Rechtzeitig vor dem Fest der Heiligen Familie am 30.12. hatte der Bamberger Erzbischof, Prof. Ludwig Schick, eine finanzielle Entlastung für die Familien gefordert. Mit vollem Recht hat er beklagt, dass bei uns in Deutschland Hundefutter und der Hoteltourismus von der Finanzpolitik eindeutig vor den Familien mit Kindern steuerlich priviligiert werden.

Erzbischof Schick: „Es darf nicht sein, dass Hundefutter oder eine Hotelübernachtung nur mit sieben Prozent besteuert, dagegen Kinderbekleidung und Windeln mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belastet werden.“

Zunächst einmal wirft diese Klage des Erzbischofs ein bezeichnendes Licht auf die Politik und ihre Macher. Haben unsere Abgeordneten und Minister aller Parteien immer noch nicht erkannt, was die Stunde geschlagen hat? Wie blind müssen diese Herrschaften sein. Auf der einen Seite beklagen sie die Kinderlosigkeit und zeigen die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Folgen auf, während sie andererseits die Gründe dafür nicht sehen wollen , weil in allen Parteien die ideologische Bremse das Nachdenken zu behindern scheint.

Sollte denn immer noch nicht klar sein, dass die gesunde Familie mit Vater, Mutter und Kindern die Stammzelle unserer Gesellschaft ist, aus der sich diese erneuert, wo doch heute die Wissenschaft so intensiv über „Stammzellen“ forscht und von ihnen ständig redet? Sollten wir uns nicht endlich um die Stammzelle der Gesellschaft, die Familie, mehr kümmern?

Über die Gründe unserer Armut an Kindern und der Armut von Kindern ist so viel geredet worden, dass für uns Christen und vor allen Dingen für uns Katholiken, die wir hier in Deutschland ein Teil der großen übernationalen Weltkirche sind, nun die Zeit gekommen ist, aus unserem Schlaf aufzuwachen und endlich aktiv zu werden und den Politikern sozusagen auf die Bude rücken.

Dabei haben wir durchaus das Recht zu fragen, wo denn die energische und stetige Aktivivtät der Deutschen Bischofskonferenz und ihrer Beauftragten in der Öffentlichkeit bleibt, damit der Bamberger Erzbischof nicht als ein einzelner Rufer in der Wüste steht.

Auch darf gefragt werden, wo denn die Aktivitäten des Zentralkomitees Deutscher Katholiken (ZDK), in dem Parteipolitiker den Ton angegeben, in dieser Sache bleiben. Es ist nun anhand des von Erzbischof Schick genanntes Beispiels höchste Zeit, laut und deutlich die Öffentlichkeit auf diesen Skandal aufmerksam zu machen. Jedermann sollte doch klar sein, was die Betreuung von Kindern für eine enorme finanzielle Belastung für die Familien ist. Kinder wachsen ständig aus ihren Kleidern und Schuhen heraus und die Familien, die nicht mit Politikerapanagen gesegnet sind, kommen mit den Kosten kaum noch nach.

Wenn hier Hundefutter vor den Kosten für Kinderkleidung von der Finanzpolitik auch einer christdemokratisch geführten Bundesregierung mit einem christdemokratischen Finanzminister so grotesk previligiert wird, dann ist es für uns Christen höchste Zeit, in allen unseren Gremien den notwendigen öffentlichen „Dialog“ mit der Politik mit aller Entschiedenheit aufzunehmen und fortzuführen, statt in Glaubens- und Kirchenstrukturfragen untereinander dilletantisch und fruchtlos herumzudialogisieren.

Das Forum Deutscher Katholiken bittet alle Menschen guten Willens, von den Verantwortlichen unseres Staates endlich eine bessere Förderung der Familien zu verlangen, statt den Familien aus ideolgischen Gründen mit enormen, von den Kommunen nicht zu bewältigenden Kosten und der Gewissheit des fehlenden Personals die Pflicht zu Kindertagesstätten aufoktruieren zu wollen.

Prof. Dr. Hubert Gindert