Italien: Kirche und die Ehe zwischen Angehörigen verschiedener Religionen

Hirten raten insbesondere im Fall der katholisch-muslimischen Ehe zu erhöhter Vorsicht

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ROM, 8. Februar 2007 (ZENIT.org).- Nicht Voreingenommenheit, sondern objektive Schwierigkeiten steckten hinter der Empfehlung der katholischen Kirche, bei interreligiösen Eheschließungen Vorsicht walten zu lassen – besonders im Fall einer katholisch-moslemischen Eheschließung.



Aktuelle Zahlen, die vor kurzem vom italienischen Statistischen Zentralamt ISTAT veröffentlicht worden sind, belegen eine Zuwachsrate bei Ehen zwischen einem italienischen Staatsbürger und einem Ausländer von 300 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre und verweisen damit auf die Dringlichkeit, sich dieses Themas anzunehmen.

Bereits im Jahr 2005 hatte die Italienische Bischofskonferenz in ihrer Note „Die Ehen zwischen Katholiken und Muslimen in Italien“ diesbezüglich Unterweisungen veröffentlicht.

Der Vorsitzende der bischöflichen Kommission für die Familie, Bischof Giuseppe Anfossi von Aosta, hat sich diesem Problem erneut gestellt. In der Ausgabe vom 28. Januar der Zeitschrift „Famiglia Cristiana“ (Christliche Familie) wies er darauf hin, dass ein Mann und eine Frau, die zwei „derart unterschiedlichen kulturellen und religiösen Welten“ angehörten und ein gemeinsames Leben planten, „objektiv gesehen sehr weit von einander entfernt“ seien.

Je weiter aber die beiden Ehekandidaten von einander entfernt seien, desto mehr „Verständnis und Liebe“ seien im gemeinsamen Dialog notwendig. Die Empfehlungen der Kirche zu Vorsicht bei Eheschließungen, in denen einer der beiden Ehepartner Moslem ist, gründeten auf den „äußerst verschiedenen Sichtweisen der Ehe“, erörterte der Bischof.

Auf die erwähnte Note verwies am 22. Januar auch Monsignore Domenico Mogavero, Untersekretär der Italienischen Bischofskonferenz. Gegenüber „Radio Vatikan“ erinnerte er daran, dass die „vorsichtige Position“, die im Jahr 2005 von den Bischöfen eingenommen worden sei, im Wesentlichen darin bestehe, von Ehen zwischen Katholiken und Muslimen abzuraten, und er fügte hinzu, dass diese Einstellung auch von den moslemischen religiösen Autoritäten „geteilt“ werde.

Der Grund für diese ablehnende Haltung bestehe darin, dass beide Religionen auf einen Absolutheitsanspruch bestünden. Es handle sich um zwei Heilsreligionen, die jeweils ihr eigenes „Gesetz für die Gegenwart und für die Zukunft“ vorschrieben; diese Richtlinien ließen sich häufig nicht miteinander vereinen.

Um dies mit einem Beispiel zu veranschaulichen, wies Bischof Anfossi in der Zeitschrift „Famiglia Cristiana“ auf den Bereich der Glaubensunterweisung hin. Für den Moslem sei es Vorschrift, dass die Söhne in der „Religion der Väter“ erzogen würden, stellte er fest. Der katholische Ehepartner aber, der um eine Befreiung gebeten und diese erhalten habe, um eine religionsverschiedene Ehe einzugehen, „verpflichte“ sich, nicht nur den eigenen Glauben zu „wahren“, sondern auch alle seine Kinder „katholisch zu erziehen“ und zu „taufen“.

Die Ansprüche der beiden Religionen könnten somit trotz „allen guten Willens“ leicht „Reibungen und Problemen“ verursachen.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Frage der interreligiösen Ehe sei die Tatsache, dass im Islam die Ehe nicht auflöslich sei. Der moslemische Gatte sei daher eingeladen, sich mit diesem Problem zu beschäftigen; wenn die diesbezügliche Erfahrung, die er in seiner ursprünglichen Familie gemacht habe, positiv sei; wenn er diesen Vorschlag vertiefen und seinen Wert begrüßen könne; wenn er die religiöse Welt seiner Gattin kenne und, vor allem, wenn er seine Gattin liebe, dann könne er diese Forderung wahrhaft annehmen, die auch ein „Nein an die Polygamie“ beinhalte, erläuterte Bischof Anfossi.

Statistisch gesehen sei der umgekehrte Fall, bei dem eine muslimische Frau einen katholischen Italiener heirate, seltener; er sei jedoch mit noch schwerwiegenderen Problemen verbunden, da das islamische Recht, das in den verschiedenen Gesetzbüchern der muslimischen Staaten verankert sei, eine solche Ehe „nicht anerkennt“ und die „Bekehrung zum Islam“ des zukünftigen Ehepartners fordere.

Auch das Ursprungsland spiele eine entscheidende Rolle, fügte der Bischof hinzu. So seien ein arabischer, indischer und ein albanischer Moslem kulturell gesehen nicht miteinander vergleichbar.

Neben „kulturellen und historischen Faktoren“ seien natürlich auch die menschlichen Aspekte von großer Bedeutung, etwa die „Offenheit zum Dialog“ oder die „Rechtschaffenheit des Gewissens“. Würden diese Voraussetzungen mit einer „aufrichtigen geistlichen Gesinnung“ vereint, dann könnten sie ein „Wunder“ bewirken und etwas Neues hervorbringen, was nicht nur als „kulturelle Werkstatt“ Gültigkeit habe, sondern auch als „authentischer Dialog zwischen den Religionen“.

Trotz aller Schwierigkeiten habe sich die Kirche in Italien daher entschieden, die „Möglichkeiten“ der einzelnen Paare zu „erwägen“, das unternommene Projekt zu Ende führen zu können. Es sei daher erstrebenswert, dass die Gemeinden auch für diese Paare eine Anlaufstelle darstellten, schloss Bischof Anfossi.