Italien: Mitte-Links-Politiker suchen die Stimmen der Katholiken

EU-Präsident Romano Prodi schließt Treffen von Camaldoli ab

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Camaldoli, 4. Juli 2001 (ZENIT.org).- Das Kloster Camaldoli nahm am vergangenen Wochenende die wichtigsten katholischen Politiker der Mitte-Links-Lagers auf, das bei den Parlamentswahlen am 13. Mai der Mitte-Rechts-Allianz des Medienmagnaten Silvio Berlusconi unterlegen war.



Die politische Mitte in dem Mitte-Links-Wahlbündnis hatte bei den letzten Wahlen allerdings, vor allem im Vergleich zu ihren Bündnispartnern, ein überraschendes und unerwartet gutes Ergebnis zu verzeichnen. Die neue Partei ("La Margherita") wurde mit 16 Prozent der Stimmen zur drittstärksten politischen Kraft im Lande.

Seit dem Verschwinden der Anfang der 90er Jahre in Korruptionskandalen mitversunkenen Democrazia Cristiana, die bis dahin seit 1948 immer an der Macht gewesen war, hat sich die politische Landschaft Italiens durchgehend gewandelt. Katholiken sind mit verschiedenen Parteien links, in der Mitte und rechts im politischen Spektrum vertreten. Gelegentlich entstehen übergreifende Bündnisse bei prinzipiellen Fragen, wie es beispielsweise bei Gesetzesentwürfen zur Bioethik geschehen ist.

Der wichtigste Politiker beim Treffen der katholischen Mitte-Links-Politiker war Romano Prodi, der jetzige Präsident der EU-Kommission, der bei den Parlamentswahlen 1996 das Ölbaumbündnis ("L´Ulivo") siegreich angeführt hatte und daraufhin Premierminister geworden war. Ebenfalls vertreten war der ehemalige Bürgermeister von Rom, Francesco Rutelli, der gegen Berlusconi bei den vergangenen Wahlen kandidiert hatte und nun Oppositionsführer im Parlament sowie Chef der "Margherita"-Gruppierung ist.

Die katholische Zeitschrift "Il Regno" hatte zu dem Treffen in Camaldoli eingeladen. Das Mutterkloster der Camaldunenser hat sich seit einigen Jahren zu einem Ort entwickelt, wo diese katholischen Politiker der Mitte-Links-Gruppierung auch ihre politische Strategie entwerfen.

Prof. Tommaso Padoa Schioppa, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, sprach von der Globalisierung und ihren Herausforderungen. Er erklärte, dass der Vereinigung der Märkte ein Defizit an Regierungsfähigkeit entgegenstehe und stellte somit "eine Schwäche der Politik" fest.

Für den Professor gibt es drei politische Antworten auf diese Entwicklung, um zu verhindern, dass die Spannungen explodieren: "Stärkung der existierenden internationalen Organisationen, Demokratisierung der Entscheidungsprozesse und Anerkennung der Tatsache einer Pluralität der Regierungsebenen." Die Globalisierung dürfe nicht als "Unterdrückung der lokalen und nationalen Identität angesehen werden, sondern vielmehr als ein Verzicht der nationalen Regierungen auf die Ausübung absoluter Macht".

In diesem Sinne sagte er, dass die EU mit gutem Beispiel vorangeschritten sei. Nun gehe es darum, diesen Weg weiter zu beschreiten, denn "die Globalisierungskrise löst man am besten mit noch mehr Globalisierung", doch müsse die Politik dazu ihre Rolle wieder einnehmen.

Über dieses Thema sprach am Sonntag Romano Prodi zum Abschluss des Treffens. Der EU-Präsident betonte, dass ein "neues Europa" der Völker und Nationen und nicht nur der Märkte geschaffen werden müsse.

Was den G8-Gipfel in Genua anbelange, der vom 18. bis 21. Juli die am meisten industrialisierten Länder versammeln wird, unterstrich Prodi die Notwendigkeit eines Dialogs mit den Demonstranten "über konkrete Punkte und auf akzeptable Weise, denn einerseits darf man der Gewalt nicht nachgeben und anderseits darf die Legitimität des Gipfeltreffens nicht in Frage gestellt werden".