Italienische Journalisten ehren Märtyrer der Nächstenliebe

Odoardo Focherini (1907-1944) auf dem Weg zur Seligsprechung

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CARPI, 21. März 2007 (ZENIT.org).- Der Verband der katholischen Presse in Italien (UCSI) hat das Lebenswerk des italienischen Journalisten und Widerstandskämpfers Odoardo Focherini (1907-1944) gewürdigt, dessen Seligsprechungsprozess in Gang ist.

Aus Anlass des 100. Geburtstags von Odoardo Focherini am 6. Juni 1907 fand am Samstag eine Gedenkveranstaltung statt. Der aus Carpi stammende Journalist hatte in der Zeit des Nationalsozialismus 105 Juden zur Flucht in die Schweiz verholfen, ehe er für diese Tat in einem Konzentrationslager in Deutschland den Tod fand. Focherini war 37 Jahre alt.

Der Journalist arbeitete vom Jahr 1939 an als Verwaltungsdirektor der italienischen Tageszeitung „Avvenire d'Italia“. Seit 1936 war er Präsident der Katholischen Aktion in Italien. Papst Pius XI. verlieh ihm im 1937 das Kreuz des Sylvesterordens.

Bekannt sind vor allem die eindrucksvollen Briefe Focherinis aus der Lagerhaft. In einem Brief, den er kurz vor seinem Tod diktierte, steht Folgendes: „Ich erkläre, dass ich im reinsten katholischen, apostolischen und römischen Glauben und in vollständiger Unterwerfung unter den Willen Gottes sterbe. Mein Leben will ich als Opfergabe für meine Diözese und die Katholische Aktion, für den Papst und die Wiederherstellung des Friedens auf dieser Welt hingeben.“

Bischof Elio Tinti von Carpi, der die Gedenkveranstaltung eröffnete, erklärte in seiner Laudatio auf den ermordeten Journalisten:„Er war ein Mann, der ins Leben zahlreicher Menschen Freude zu bringen vermochte, besonders in das Leben der 105 Juden, die er retten konnte. Aber er bot immer auch allen, denen er begegnete, ein glänzendes Vorbild von dem, was es heißt, ein Mann der Einfachheit zu sein.“

Die Jüdische Kultusgemeinde in Italien zeichnete den Journalisten 1995 posthum mit der Goldmedaille für besondere Verdienste aus. 1969 wurde Focherini vom Staat Israel zum „Gerechten der Völker“ erklärt. Sein Seligsprechungsprozess wurde am 12. Februar 1996 eröffnet. 1998 konnte die diözesane Phase dieses Untersuchungsverfahrens abgeschlossen werden (vgl. Odoardo Focherini).

Bischof Tinti erwähnte die tiefe Liebe des Journalisten für seine Familie: „sein zärtliches Verhältnis zu seiner geliebten Frau und zu seinen sieben lieben Kindern – tiefe Bande, die sich uns aus den erstaunlichen Briefen offenbaren, die er schrieb; Bande aber, die ihn nicht daran hinderten, sein Leben für andere hinzugeben.“ Der Hirte brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass dieser Mensch bald offiziell als Märtyrer anerkannt werden möge. „Sein Leben ist wirklich ein Loblied auf die Heiligkeit.“

Odoardo Focherini organisierte im von den Nationalsozialisten besetzten Italien ein regelrechtes Hilfs-Netzwerk für Juden. Deswegen wurde er am 11. März 1944 in Bologna verhaftet und in verschiedenen Lagern wie Fossoli und Gries bei Bozen festgehalten. Am 5. September wurde er nach Flossenbürg deportiert, wo er am 27. Dezember 1944 im Außenlager Hersbruck an den Folgen einer Blutvergiftung starb. Schuld war eine unbehandelte Verletzung am Bein.

Sein Tod veranlasste zahlreiche Menschen dazu, ihre Dankbarkeit schriftlich zu bekunden. Der Vizepostulator für den Seligsprechungsprozess von Focherini, P. Claudio Pontiroli, bestätigte, dass mehr als 300 Kondolenzschreiben aufgefunden worden seien. „In 62 wird Odoardo als Märtyrer der Nächstenliebe bezeichnet.“