"Ja, wir Augustiner wollen nach Erfurt"

Augustiner gründen Konvent in Erfurt

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 309 klicks

Wie das Bistum Erfurt berichtet, werden ab Mitte September die Augustiner-Eremiten (Ordo Fratrum Erimitarum Sancti Augustini) eine Wohnung im Pfarrhaus der evangelischen Regler-Gemeinde beziehen.

Die Augustiner können auf eine lange Geschichte zurückblicken, die sie mit Erfurt verbindet. Bereits 1266 hatten die Augustiner sich zum ersten Mal in der Stadt angesiedelt. Nach einer kurzen Vertreibung kehrten sie 1276 nach Erfurt zurück. Schon im darauf folgenden Jahr begannen die Um- und Neubauten der Kirche. Bis zum Jahr 1518 war der Baukomplex erheblich erweitert und verfügte über zahlreiche Gebäude. Dazu zählte auch eine bedeutende Klosterbibliothek.

Von 1505 bis 1511 war hier Martin Luther Mönch; er trat 1522 gemeinsam mit Johannes Lang, dem damaligen Prior, und vielen anderen Brüdern aus dem Kloster aus.

1559 wurde das Kloster säkularisiert. Seit dem 16. Jahrhundert bis 1820 wurden Teile der Gebäude als Schule und zur Unterbringung der Schüler genutzt. Seit 1821 dienten die ehemaligen Klostergebäude dem Marienstift zur Erziehung sittlich verwahrloster Kinder. Die Augustinerkirche, die sich in einem baulich sehr schlechten Zustand befand, musste 1844 geschlossen werden. Doch kurze Zeit später wurde sie renoviert und konnte von 1848 bis 1850 als Tagungshaus für das Unionsparlament zur Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfs genutzt zu werden. 1854 wurde die Kirche neu geweiht.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Klosteranlage am 25. Februar 1945 von Fliegerbomben getroffen und teilweise zerstört. 1960 bezog schließlich nach die Evangelische Predigerschule aus Wittenberg, die bis 1993 dort ihren Sitz hatte, die Räumlichkeiten. In den Jahren 2000 bis 2003 wurden umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt und eine Tagungs- und Begegnungsstätte errichtet, die Lutherstätte-Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt.

An eine Rückkehr nach Erfurt denken die Augustiner seit geraumer Zeit. 2012 wurde endgültig der Konvent in Messelhausen geschlossen und veräußert, und die Augustiner suchten in der Provinz nach einer neuen Lösung.

„Ja, wir Augustiner wollen nach Erfurt und hören, was die Menschen dort brauchen, wie wir uns mit unseren Gaben und Möglichkeiten in der Stadt verorten können“, so Pater Lukas Schmidkunz OSA. „Wenn das Augustinersein in Deutschland immer wieder von Auflösung und Schließung, von Ende und dem ‚Nicht-mehr‘ geprägt wird, dann entsteht eine negative Grundstimmung. Dem sollte ein Hoffnungszeichen entgegengesetzt werden. Im Fokus der Überlegungen stand mit Bezug auf unseren Gründungsauftrag im 13. Jahrhundert ein Neubeginn mit einer kleinen Kommunität im Zentrum einer Stadt. Da leuchtete am Horizont wieder Erfurt auf.“

Konkrete Züge nahm das Projekt im Januar 2013 bei einem Treffen der Provinzleitung mit der Bistumsleitung in Erfurt an. Die Reaktion der Erfurter war äußerst positiv. „Und nicht nur das – das Treffen machte deutlich, dass es in Erfurt ein offenes Ohr und Verständnis dafür gibt, dass wir Augustiner zwar auf die Nöte der Kirche vor Ort schauen – also Aufgaben übernehmen, die das Bistum anbietet – genauso gut aber können und wollen wir in der Mitte dieser Stadt das suchen und entdecken, was wir Augustiner in den Gesamtklang des Ortes mit einbringen können“, wie Pater Lukas Schmidkunz OSA ausführt. 

Drei bis vier Brüder werden sich zunächst auf sechs Jahre beschränkt in der Stadtmitte Erfurts niederlassen und dem Auftrag ihrer Provinzbrüder folgen: „Geht es an. Jetzt!“