Ja zu Neuevangelisierung und Beheimatung im Glauben - 7. Forum der Deutschen Katholiken 2007

1.700 Teilnehmer in Fulda

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FULDA, 8. Oktober 2007 (ZENIT.org).- „Glaube, der nicht mehr zur Sprache gebracht wird, ist ein sterbender Glaube.“ Dieser Appell durchzog vom 5. bis 7. Oktober in Fulda den siebten Kongress „Freude am Glauben“, der vom Forum Deutscher Katholiken veranstaltet wurde.



Unter dem Leitwort „Die Kirche – unsere Heimat“ stellten sich rund 1.700 Tagungsteilnehmer im Fuldaer Kongreßzentrum „Esperanto“ der Herausforderung, in ihrer Bereitschaft zur Mitarbeit in der Kirche neue Akzente zu setzen, persönlich zu wachsen und für viele Entwurzelte in dieser Gesellschaft Wege der Beheimatung im Glauben zu erschließen.

Beim Eröffnungsgottesdienst am Freitag im Hohen Dom umriss Bischof Heinz Josef Algermissen die Aufforderung zu einem neuen missionarischen Engagement: Es gelte, „Ferment und Sauerteig“ zu sein und auch angesichts der tiefgreifenden strukturellen Veränderungen im gesellschaftlichen Bereich und der innerkirchlichen Umbrüche Jesus Christus und seiner Kirche treu zu bleiben, betonte der Hirte. Jeder sei eingeladen, die Erfahrung, dass der Glaube Stütze und Halt ist, an seine Kinder weiterzugeben: „Glaube, der nicht mehr zur Sprache gebracht wird, ist ein sterbender Glaube, besonders in einer Gesellschaft, die Zeichen einer Kultur des Todes aufweist“, warnte Bischof Algermissen.

„Es freut mich, dass Sie in diesem Jahr in besonderer Weise die Sendung der Kirche in das Zentrum ihres Kongresses stellen“, erklärte seinerseits Karl Kardinal Lehmann in seinem Grußwort an den Vorsitzenden des Forums der Deutschen Katholiken, Professor Hubert Gindert. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ermutigte die Teilnehmer zum Dienst an dem Armen und zum Dialog als Wesensausdruck eines Kirchenverständnisses im Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils.

„Dialog darf nicht als naives Sich-Anpassen missverstanden werden. Er ist auch kein bloßer Meinungsaustausch. Der Dialog dient vielmehr dem Anerkennen der Wahrheit“, so Kardinal Lehmann. Darum gehöre zum Katholischen „eine grundlegende Offenheit für die anderen“.

Bischof Dr. Franjo Komarica (Banja-Luka), der Vorsitzender der Bosnischen Bischofskonferenz, erklärte gegenüber ZENIT, wie wichtig für ihn als Hirte einer mit Gewalt und Verfolgung bedrohten christlichen Gemeinde der empfangene Rückhalt durch die Kongressteilnehmer geworden sei: „Unter den Augen der Weltöffentlichkeit wird hier ein Volk vertrieben und werden unsere Kirchen und Gemeindehäuser zerstört. Wir brauchen unbedingt die Solidarität der Gläubigen aus diesem Land und aus Europa.“

In seiner Predigt am Samstagabend unterstrich der Kroate die Verantwortung aller Christen in Europa und „in ihrem schönen Land, für hunderttausend Entrechtete, Vertriebene und Hilflose, damit diese ein menschenwürdiges Leben in ihrer Heimat führen können“. Rund 95 Prozent der Katholiken seiner Diözese Banja Luca hätten das Land aus Angst vor Terror und Gewalt verlassen, so der Oberhirte.

Auf dem Programm des diesjährigen Kongresses standen mehrere Referate, unter anderem von Bischof Dr. Walter Mixa (Augsburg), Bischof Dr. Friedhelm Hofmann (Würzburg) und Renate Martin (Mitglied des Päpstlichen Rates für die Familie) sowie Podiumsgespräche zu den Themen „Katholische Kirche im Dritten Reich“ und „Aus Feinden Freunde machen – Versöhnung zwischen den Völkern“.

Während des abschließenden Pontifikalhochamts rief Bischof Dr. Josef Clemens, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien, alle Christen dazu auf, ihren Glauben „mit aller Kraft, Liebe und Besonnenheit“ zu bezeugen.

In einem pluralistischen Europa gebe es „absolut keinen Grund für Minderwertigkeitsgefühle gegenüber den großen Weltreligionen oder Weltanschauungen“, erklärte der Kurienbischof – „weder gegenüber ihren Inhalten und Zielen noch gegenüber ihrer gelebten Gegenwart oder ihrer Geschichte“.

Ein starkes geistliches und gesellschaftlich engagiertes Profil wies das Jugendprogramm des Fuldaer Kongresses „Freude am Glauben“ auf. Viele Impulse und Workshops eröffneten die Welt einer jungen, lebendigen und missionarischen Kirche, die oft im Verborgenen unter den Mitgliedern unzähliger geistlicher Gemeinschaften gewachsen ist.

Bunt in ihren verschiedenen Charismen, aber geschlossen in ihrem Bekenntnis zu Christus und seiner Kirche, konnte man in Fulda beim Jugendkongress die Frucht eines Weges des Miteinanders der verschiedenen beteiligten Gemeinschaften und Werke erleben. Am Programm wirkten Mitglieder und Freunde der Aktion „Nightfever“ mit, der Gemeinschaft der Seligpreisungen und Generation Benedikt, Bewegungen wie die Jugend 2000, Regnum Christi, Totus Tuus und Verbum Dei, des Säkularinstitutes „Cruzadas de Santa Maria“ und die Marianische Bewegung Königin der Liebe.

Die Einmütigkeit in aller Verschiedenheit konnte im gemeinsamen Gebet – am Freitagabend versammelten sich mehr als 500 junge Menschen in St. Josef unter dem Motto „more love, more power“ – und auch bei den angebotenen Workshops und Anbetungsstunden, insbesondere dem Prayerfestival der Aktion „Nighfever“ in der vollbesetzten Stadtkirche Fuldas bis nach Mitternacht am Samstagabend, spürbar erlebt werden.

Gegenüber ZENIT erklärten junge Kongressteilnehmer bei einer umfassenden Befragung, dass sie in der Kirche Sicherheit, Glauben und Geborgenheit fänden. Auch wenn sie im Lebensraum Kirche manchmal Mut und Ehrlichkeit vermissten, so wäre es doch bei aller Unsicherheit für sie lohnenswert, sich in Gemeinschaft und Kirche einzubringen. „Trotz allem fühle ich mich in der Kirche wohl“, erklärte etwa ein Student aus Würzburg. „Ich bin bestrebt, mehr in sie hineinzuwachsen.“