Ja zum Leben!

Interview mit Manfred Libner, Geschäftsführer der Stiftung Ja zum Leben [I/II]

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ROM, 29. März 2012 (ZENIT.org). –

[Das Interview führte Britta Dörre]

ZENIT: Was ist das charakteristische Merkmal der „Stiftung Ja zum Leben“?

Manfred Libner: Die Stiftung „Ja zum Leben" dient dem Schutz der ungeborenen Kinder, Ihrer Mütter und der Förderung des Familiengedankens. Soweit sie nicht selbst dafür Projekte ins Leben ruft, fördert und unterstützt sie weitere Initiativen, die sich dieser Aufgabe widmen. Zu unseren Projekten zählen vor allem „1000plus – Hilfe statt Abtreibung", der Schwangerenfonds „Kultur des Lebens“, die Kampagne gegen Spätabtreibung www.Tim-lebt.de  und „Stoppt PID“ gegen die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik. Außerdem wird alle zwei Jahre der Stiftungspreis an Persönlichkeiten und Initiativen verliehen, die sich um den Schutz der ungeborenen Kinder und die Förderung des Familiengedankens verdient gemacht haben. Johanna Gräfin von Westphalen hat die Stiftung 1988 zusammen mit ihrem Sohn gegründet. Der Auslöser war übrigens, die Familienkongresse mit Mutter Teresa besser unterstützen zu können.

ZENIT: §218 StGB sieht die Beratungspflicht bei einem Schwangerschaftsabbruch vor. Die „Stiftung Ja zum Leben“ fördert Beratungsstellen, die eine Schwangere in Anspruch nehmen kann. Worin liegt der Unterschied zu anderen Beratungsstellen?

Libner: Der wichtigste Unterschied ist, dass in den von uns unterstützten Beratungsstellen keine sogennannten Beratungsscheine, die zur straffreien Abtreibung berechtigen, ausgestellt werden. Abtreibung ist für uns keine Alternative, sondern umgekehrt, es müssen zusammen mit der ungewollt Schwangeren individuelle Alternativen zur Abtreibung erarbeitet werden. Die Sorgen und Ängste der Frauen müssen ernst genommen werden. Die alles überlagernde Panik muß erst einmal aufgelöst werden, damit die Frau wieder einen klaren Kopf bekommt. Dafür sind also Zeit notwendig, gute, mit Herzensbildung ausgestattete Beraterinnen und auch die materiellen Mittel, die man zur Problemlösung benötigt.

ZENIT: Wie gelingt es Ihnen, sich mit den Frauen in Verbindung zu setzen?

Libner: Die Stiftung „Ja zum Leben" betreibt zusammen mit den Schwangerenberatungsorganisationen „Pro Femina“ und „Die Birke“ in Heidelberg das Projekt „1000plus – Hilfe statt Abtreibung“. Wir haben festgestellt, dass Frauen, die ungewollt schwanger sind, ganz häufig als erstes im Internet um Hilfe und Rat suchen. Sie schreiben ihre ganze Not und Verzweiflung im Schutz der Anonymität ins Internet und hoffen auf Antworten. Jeden Tag werden die Begriffe „Abtreibung“ und „Schwangerschaftsabbruch“ allein im deutschsprachigen Raum 5.000 – 15.000 mal gegoogelt. Das Internet ist mittlerweile zum größten Kummerkasten der Welt geworden. Und da ist es sehr wichtig, dass wir ganz nah bei den verzweifelten Frauen sind, damit die Schwangeren nicht ausschließlich die Hinweise zur nächsten Abtreibungseinrichtung erhalten. Unser Online-Team nimmt in den einschlägigen Frauen-Foren Kontakt zu den Schwangeren auf, berät, gibt weitergehende Hinweise. Seit über einem Jahr bieten wir auch auf unserem Portal Informationen zum Thema sowie Hilfe und Beratung an. Allein im vergangenen Jahr konnten wir 1.200 Frauen beraten.

ZENIT: Gibt es bestimmte Altersgruppen und soziale Schichten, die Ihre Beratung in Anspruch nehmen?

Libner: Im Internet finden Sie zum Großteil junge Frauen, die zunächst einmal einen entsprechenden Zugang haben, um ungestört posten zu können. Für sie gehört das Medium Internet zum Lebensalltag und sie verfügen jedenfalls über eine gewisse Grundbildung.

ZENIT: Welches ist der am häufigsten genannte Grund für eine geplante Abtreibung?

Libner: Meistens möchte der Partner, Freund oder Ehemann kein Kind. Er fühlt sich beispielsweise noch nicht reif, Vater zu werden. Da die ungewollten Schwangerschaften häufig mit dem Versagen der Verhütung zusammenhängen, sind auch die Männer in einer Art Schockzustand. Sie sind verunsichert. Es ist die Verhütungsmentalität, die auch die Männer plötzlich aus allen Wolken fallen lässt. Sie wollen dann möglichst schnell den unbeschwerten Zustand vor der Schwangerschaft wiederherstellen. Die Angst vor dem Neuen und Ungewohnten vor dem noch „fremden“ eigenen Kind muß erst einmal überwunden werden.

ZENIT: Wie gelingt es Ihnen, eine Gesprächsebene zu der Betroffenen in so kurzer Zeit aufzubauen?

Libner: Wir haben nur die Chance für eine Beratung, wenn die Schwangere es wirklich will. Denn sie kann jederzeit die Kommunikation abbrechen, wenn sie sich nicht verstanden fühlt, wenn es ihr zu lästig ist. Verständnis erzeugt Vertrauen. Eine Beratung kann nur erfolgreich sein, wenn sich die Beraterin auf die Sorgen, Ängste und Probleme der Schwangeren einlässt. Da hinter fast jeder Bereitschaft zur Abtreibung ein ungelöstes Problem steht, muß das erst einmal erkannt werden, damit die Beraterin gemeinsam mit der Schwangeren an eine Lösung gehen können.

[Teil II des Interviews am 30. März 2012]

Kurzbiografie:

Manfred Libner, 1958 geboren, Studium der Politikwissenschaft, neueren Geschichte und Wirtschaftsgeographie in München und Bochum; Abschluß Magister Artium (M.A.) an der Universität München; verheiratet, drei Kinder. Von 1996 bis 2005 Bundesgeschäftsführer der Christdemokraten für das Leben (CDL). Von 2000 bis 2005 Mitglied des Stiftungsvorstandes, seit 2005 Geschäftsführer der Stiftung Ja zum Leben. Seit 2005 Landesvorsitzender der CDL-Bayern. Seit 2007 stellv. Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL). 

Stiftung Ja zum Leben
Haus Laer
59872 Meschede

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