Ja zum Leben!

Interview mit Manfred Libner, Geschäftsführer der Stiftung Ja zum Leben [Teil II]

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ROM, 30. März 2012 (ZENIT.org). – [Teil I am 29. März 2012]

[Das Interview führte Britta Dörre]

ZENIT: Gelingt es Ihnen, viele Frauen von ihrem Vorhaben abzubringen?

Libner: Im Internet treffen wir ausschließlich auf Frauen, die zunächst entschlossen sind, abzutreiben. Umso erstaunlicher ist es, und das macht uns wirklich glücklich und dankbar, dass von den über 450 Frauen, von denen wir den Ausgang der Schwangerschaft erfahren haben, 71 Prozent ihr Kind behalten haben. Angesichts von fast 110.000 offiziell gemeldeten Abtreibungen im vergangenen Jahr können Sie sich vorstellen, wie groß das Beratungspotential ist und was in den staatlich anerkannten Beratungsstellen durch die schnelle Scheinvergabe alles unterlassen wird.

ZENIT: Wie sieht anschließend Ihre konkrete Hilfe aus?

Libner: Die wichtigste Hilfe ist es, für die Schwangere da zu sein, ihr zuzuhören, sie ernst zu nehmen, sie zu stärken. Die wichtigste Hilfe ist also die Beratung selbst und es sind die Lösungen, die gemeinsam erarbeitet werden. Menschliche Zuwendung und Zeit sind ja heutzutage genau das, was fehlt. Die Hilfen sind absolut individuell. Es kann sein, dass die Beraterin durch ein Gespräch mit dem Partner oder den Eltern der Schwangeren, die Türen wieder öffnet, die vorher durch Streit zugeschlagen wurden. Dass man Hilfen bei der Wohnungssuche anbietet, oder eine Tagesmutter oder Tagesoma gesucht wird, die sich liebevoll um das Kind kümmern kann, solange die Mutter ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen hat. Die Hilfen sind so vielfältig wie die Probleme, die aus dem Weg geräumt werden müssen.

ZENIT: Sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

Libner: Wir wollen unbedingt noch mehr Frauen helfen. Da wir aber keinerlei öffentliche Förderung erhalten, müssen wir dafür selbst sorgen und sind dabei auf die Mithilfe von vielen Menschen angewiesen, denen es nicht egal ist, wie die Dramen um Leben und Tod ausgehen, die sich jeden Tag ganz in unserer Nähe abspielen.

ZENIT: Haben Sie den Eindruck, dass in unserer Gesellschaft die Kenntnisse über die Abtreibung hinreichend sind, die verschiedenen Methoden sowie vor allem ihre physischen und psychischen Folgen ausreichend bekannt sind und diskutiert werden?

Libner: Abtreibung ist ein Tabuthema, über das weder ausreichend informiert noch diskutiert wird. Die psychischen Folgen der Abtreibung, die ganzen Erscheinungsformen einer post-traumatischen Belastungsstörung, werden in diesem Land wissenschaftlich nicht erforscht, weil die Studien aus anderen Ländern zeigen, wie verheerend sie sind. Sie würden ja darauf hinauslaufen, dass sich hier Politiker rechtfertigen müssten, warum in Deutschland Abtreibungen de facto freigegeben sind und warum sie zu 90 Prozent aus Steuergeldern finanziert werden, wenn sie solch schlimme Folgen für die Frauen haben können.

ZENIT: Welche Rolle spielt Ihr Glaube bei Ihrer Arbeit?

Libner: Der Glaube ist für mich ganz wichtig. Wir brauchen für unsere Arbeit einen sehr langen Atem. Wir dürfen nicht verzweifeln, wenn wir Rückschläge erleiden. Gerade in einer Zeit, in der versucht wird, das Lebensrecht des Menschen vielfältig in Abrede zu stellen und im Falle der Abtreibung ein „Recht“ auf Tötung behauptet und sogar zu einem „Menschenrecht“ umgelogen wird, benötigen wir einen Kompaß und eine Kraftquelle. Und auch immer wieder die Fokussierung auf das Wesentliche. Der Heilige Vater ist für meine Arbeit eine große Stütze und ein echtes Vorbild. Die Wahrheit mit Freude verkünden, dem Zeitgeist standhalten ohne zu verbittern, die modernsten Mittel einsetzen für die Bewahrung und Förderung einer Kultur des Lebens und der Liebe, herrlich! Aber vor allem ist dem Christentum die Achtung des Lebens und die Achtung vor dem Leben grundlegend. Unser Herr Jesus Christus ist selbst Mensch geworden. Die Gottesmutter hat ihn empfangen, unter ihrem Herzen getragen. Beim Besuch ihrer Cousine Elisabeth erkennt deren Kind, Johannes, mit dem diese schwanger ist, den winzig-kleinen Jesus im Mutterleib Mariens und fängt an zu hüpfen. Allein diese Berichte aus der Heiligen Schrift zeigen uns, wie wesentlich das Ja zum Leben auch zu unserem Glauben gehört.

Kurzbiografie:

Manfred Libner, 1958 geboren, Studium der Politikwissenschaft, neueren Geschichte und Wirtschaftsgeographie in München und Bochum; Abschluß Magister Artium (M.A.) an der Universität München; verheiratet, drei Kinder. Von 1996 bis 2005 Bundesgeschäftsführer der Christdemokraten für das Leben (CDL). Von 2000 bis 2005 Mitglied des Stiftungsvorstandes, seit 2005 Geschäftsführer der Stiftung Ja zum Leben. Seit 2005 Landesvorsitzender der CDL-Bayern. Seit 2007 stellv. Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL).

Stiftung Ja zum Leben
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