Jacopo Robusti genannt Tintoretto

Ausstellung des venezianischen Malers in Rom

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Von Britta Dörre

ROM, 22. April 2012 (ZENIT.org). - Die sich auf zwei Etagen erstreckende Ausstellung „Tintoretto“ in den Scuderie del Quirinale [ZENIT berichtete] ist chronologisch und nach Themen geordnet aufgebaut. Der Rundgang startet mit Werken aus den  Anfangsjahren des Künstlers, es folgen die Aufträge der bedeutenden „Scuole“ wie die „Scuola di San Rocco“, Auftragsarbeiten für Dogen und private Sammler, das Thema der weiblichen Schönheit, Tintoretto und der Manierismus, ein Überblick über die Werkstatt des Meisters und schließlich Arbeiten aus der Spätphase.

In der Ausstellung werden das künstlerische Umfeld und Vorbilder Tintorettos näher beleuchtet. Exponate von Künstlern wie Tizian, Jacopo Sansovino, Giulio Romano, Giovanni De Mio, Giorgio Vasari, Jacopo Bassano, Andrea Palladio oder auch Paolo Veronese sind deshalb teilweise in der Ausstellung vertreten.

Jacopo Robusti oder Tintoretto wurde 1518 in Venedig geboren. Die Lagunenstadt war im 16. Jahrhundert eine blühende Metropole mit einem Hafen, florierendem Handel und Industrie. Der venezianische Staat war zwar klein, aber äußerst wohlhabend. Die hervorragende wirtschaftliche  Lage kam den Künsten zugute, in Venedig hatten sich deshalb zahlreiche Künstler niedergelassen, um Werke für die Kirchen, Paläste und private Häuser zu schaffen.

Tintoretto beginnt seine künstlerische Laufbahn mit 18 Jahren, als er sich in die „Fraglia dei Pittori“ einschreibt und Meister wird. Der Name seines Lehrers, bei dem er die Malkunst erlernte, ist unbekannt. Offensichtlich ist aber, dass er zunächst die ältere Generation der venezianischen Meister studierte und sich dann Künstlern wie Parmigianino, Michelangelo, Raffael oder auch  Giulio Romano zuwandte.

In Tintorettos Oeuvre überwiegen sakrale Darstellungen, insbesondere die „Sacre Conversazioni“, sowie  Ausmalungen der Paläste. Da in Venedig die Konkurrenz sehr groß und hart war, ließ Tintoretto sich nur die Leinwand und Farben bezahlen, was ihm den Unmut seiner Kollegen zuzog.

Die Ausstellung beginnt mit seiner ersten wichtigen Auftragsarbeit, einer großformatigen Tafel mit Darstellung des „Wunders des heiligen Markus, der einen Sklaven befreit“ (Venedig, Gallerie dell'Accademia) aus dem Jahr 1547-48. Tintoretto malte das Bild für die „Scuola di San Marco“, die bereits eine namhafte Gemäldesammlung besaß.

Tintoretto legt eine theaterartige Inszenierung um den in Mitte liegenden Sklaven an, der von seinen Peinigern umgeben ist. In Untersicht dargestellt sieht man den Heiligen, der rettend zu Hilfe kommt. Einige im Gemälde dargestellten Personen waren den Zeitgenossen durchaus bekannt. Tintorettos Werk erntete jedoch nicht nur Lob, sondern erregte durchaus heftige Kritik, weil der Künstler in seiner Arbeit nur bedingt den ästhetischen Normen in Bezug auf die Zeichnung, das Kolorit und die Invention gerecht geworden war.

Erst einige Jahre später erhielt Tintoretto deshalb wieder Aufträge für die Kirchen und Konvente in Venedig.

Wichtig für die weitere Karriere des Künstlers waren die Aufträge der „Scuole Grandi“, wie z.B. 1566-67 die „Madonna dei Tesorieri“ (Venedig, Gallerie dell'Accademia). Die „Scuole“ leisteten in erster Linie Wohltätigkeitsarbeit, verfügten aber auch über politischen Einfluss.

Im Jahr 1564 schrieb die „Scuola Grande di San Rocco“ einen Wettbewerb für ein Deckengemälde aus. Tintorettos Konkurenten waren so namhafte Künstler wie Veronese, Zuccari oder auch  Giuseppe Salviati. Teilnahmebedingung war das Einreichen eines Bozzetto. Tintoretto aber, der sich der harten Konkurrenz bewusst war, lieferte ein vollendetes Gemälde als Geschenk ab, um den Auftrag für eine weitere geplante Dekoration zu erhalten. Der Künstler fertigte zwischen 1565 und 1567 eine zusätzliche Ausmalung an, 1575 bis 1588 folgten weitere Aufträge für die „Fraternità“, deren Mitbruder er in der Zwischenzeit geworden war.

Zu Tintorettos Kunden zählten auch Privatleute, die ihre Sammlung um ein Werk des Künstlers bereichern wollten. Das Gemälde mit der Darstellung des „heiligen Georg“ (1553-55, London, National Gallery) fertigte der Meister für einen Patrizier an. In einer malerischen Landschaft ist im Vordergrund die gerettete und entsetzt fliehende Prinzessin dargestellt. Tintoretto hat sie in kostbare Kleider und Schmuck gewandet, die bei der Flucht verrutscht sind. Ihr zartes Antlitz und ihre leicht manierierte Gestik kontrastieren mit dem tapfer beherzten Eingreifen des heiligen Georg, der mit dem Drachen kämpfend im Hintergrund wiedergegeben ist.

Einer der Konkurrenten Tintorettos war Paolo Veronese. Gegen diesen verlor er 1582 mit seiner Eingabe den Wettbewerb für das „Paradies“ im Palazzo Ducale. Der Künstler hatte einen Entwurf aus dem Jahr 1564 überarbeitet. Nach dem Tod Veroneses 1588 stellte Tintorettos Sohn das unvollendet gebliebene Werk fertig.

Neben seinem Sohn Domenico arbeitete auch Tintorettos Tochter Marietta seit den 80er Jahren in der Werkstatt Vaters. Wegen der Fülle an Aufträgen und seines fortgeschrittenen Alters ließ sich der Künstler von flämischen Meistern, die zur Familien zählten, helfen.

In diesen Jahren entstand das heute im Louvre, Paris aufbewahrte Selbstportrait (1588-89). Es zeigt den Meister in Frontalansicht vor einem dunklen Hintergrund. Er verzichtet auf ausschmückende Details und zieht dadurch die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Gesicht. Man sieht dem Künstler sein Alter und die Mühen seiner Arbeit an, sein Blick ist müde dem Betrachter zugewandt.

Nur zwei Jahre vor seinem Tod wird Tintoretto nochmals für eine „Scuola“, nämlich die „Scuola di San Rocco“ tätig. „Das letzte Abendmahl“ aus dem Jahr 1592 zählt zu den insgesamt zehn Abendmahlszenen, die er im Zeitraum von 1547 an geschaffen hat. Die Abendmahlszenen der Hauptphase waren im Auftrag der „Scuole Piccole“ e des „Santissimo Sacramento“ enstanden und für alle Gläubigen, Reiche, Arme, des Lesens kundige und Analphabeten gedacht. Deshalb musste der Künstler sehr anschaulich die Begebenheit aus der Bibel erzählen. Deutlich spürbar in dem Werk wird  Tintorettos große Erzählfreude und seine Fähigkeit, Stimmungen wiederzugeben.

Neben den sakralen Darstellungen machen die Portraits einen wichtigen Teil seines Oeuvres aus. Schon zu Beginn seiner Karriere, ab den 40er Jahren beginnt Tintoretto mit den Portrais seiner Zeitgenossen, für deren Erstellung er nur einer flüchtig hingeworfenen Zeichnung bedarf. So entstand unter anderem das Portrait des von Tintoretto so verehrten Jacopo Sansovino aus dem Jahr 1566 (Florenz, Gallerie degli Uffizi). Wie auch  in seiner Darstellung einer „Edeldame“ aus dem Jahr 1550 (Wien, Kunsthistorisches Museum) konzentriert sich Tintoretto vor allem auf das Gesicht und die Elemente, die über den sozialen Status und die Position der wiedergegebenen Person Aufschluss geben. Vor dem neutralen Hintergrund wird der Blick des Betrachters unwillkürlich auf den Protagonisten gelenkt.

Besonders eindrucksvoll ist das „Selbstbildnis“ des Künstlers aus dem Jahr 1546-47 in Dreiviertelansicht. Die Lichtführung lenkt den Blick auf die Augenpartie des Künstlers. Die Augen sind von den dem Künstler zu Verfügung stehenden Sinnen das wichtigste. Der Künstler stellt sich in einem schwarzen Gewand vor einem dunklen Hintergrund dar, was die Betonung auf das Gesicht noch umso mehr unterstreicht. Bestechend ist der wache, klare und ernste Blick des jungen Künstlers.

Tintorettos profane Bilder waren in der Regel Auftragsarbeiten für private Sammler, die jedoch nur einen kleinen Teil im Gesamtwerk ausmachen. Häufig handelt es sich dabei um erotische Darstellungen. Unangefochtener Meister für Venusdarstellunegn war Tizian. Tintorettos „Vulkan und Mars“ (1550-55, München, Bayerische Staatsgemäldesamlungen) ist eine ironische Wiedergabe der Liebesgeschichte zwischen Mars und Venus, die von Vulkan nicht unentdeckt bleibt.

Die Ironie des Künstlers wird auch in einem anderen Gemälde adeutlich: „Susanna im Bade“ 1555-56, Wien, Kunsthistorisches Museum). Während Susanna sich nichts ahnend ihrer Toilette widmet, haben sich beiden lüsternen Alten der zum Schutz vor zudringlichen Blicken errichteten Rosenhecke genähert. Während der eine hinter der Hecke hervorlugt, hat der andere sich gar auf die Erde gelegt, um einen Blick auf die Schöne zu erhaschen, die von dem kommenden Unheil noch nichts zu ahnen scheint.

Ein sehr schönes Beispiel für die Darstellung der weiblichen Schönheit und Grazie ist das „Portrait einer jungen Dame, die ihren Busen entblößt“ (1585-90, Museo Nacional del Prado, Madrid). Tintoretto fängt das junge Mädchen in zarten Farben ein und verleiht der Darstellung eine sehr subtile Erotik.

In seinem letzten Lebensjahr hatte Tintoretto den Auftrag für eine „Grablegung Christi“ vom Monastero di San Giorgio Maggiore erhalten. Die für den „Altare dei Morti“ bestimmte Tafel entstand teilweise in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Domenico. Nur kurz nach der Übergabe der „Grablegung“ starb Tintoretto, am 31. Mai 1794. 1657 verschied der letzte Nachkomme des Künstlers

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Die von Vittorio Sgarbi kuratierte Ausstellung „Tintoretto“ in den Scuderie del Quirinale läuft noch bis zum 10. Juni 2012. Nähere Informationen finden Sie hier.