Jahrbuch 2008 der Diözese Gurk im Zeichen von Glaube und Sport

Hochkarätig besetze Podiumsdiskussion mit Kurienerzbischof Clemens

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VILLACH, 15. November 2007 (ZENIT.org).- Bei der Vorstellung des 384-seitigen Jahrbuchs 2008 der Diözese Gurk, das im Hinblick auf die Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr den Titel „Sport. Spiel. Spiritualität“ trägt, wurde gestern, Mittwoch, die Beziehung von Sport und Glaube in den Blick genommen.



Wie die Diözese Gurk berichtete, kam der deutsche Sport- und Olympiapfarrer Hans-Gerd Schütt auf das „religiöse Grundbedürfnis von Spitzensportlern“ zu sprechen. Er wies darauf hin, dass die Kirche „bei Fragen zur Zukunft des Sports oder ethischen Diskussionen wie dem Doping“ als Gesprächspartner „oft aufgesucht“ werde. Darüber hinaus helfe die Kirche, die Lebensqualität zu sichern. „Sport ist wichtig für die Menschen, es ist eine Auszeit vom Alltag, aber auch ein Anlass für die Fragen nach dem tieferen Sinn des Seins.“

Der frühere Trainer der Österreichischen Skisprungnationalmannschaft, Professor Baldur Preiml, bekundete im Rahmen der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion: „Glaube kann ungeheure Fähigkeiten ausschütten. Es gibt keinen Ernst zu nehmenden erfolgreichen Sportler, der nicht auch aus einer tieferen Dimension lebt.“ Der Glaube stärke das Selbstvertrauen, fügte er hinzu. Mit Blick auf die Erfahrung von Schmerz und Leid, „die jeder Mensch in seinem Leben durchmacht“, erklärte er: „Religion ist eine Grunderfahrung, die im Sport erlebt werden kann.“ Ohne selbst Tiefpunkte kennen gelernt zu haben, könne man nicht aus jener Erfahrung schöpfen, die einen wirklich zum Menschen mache.

„Sowohl im Fußball als auch im Glauben und im Leben müssen Regeln akzeptiert werden, damit das Spiel ermöglicht wird“, betonte der Grazer Weihbischof und Jugendbischof Dr. Franz Lackner. Während die Kirche den „Allianzpartner Sport“ nicht verlieren dürfe, dürfe seinerseits auch der Sport die Kirche nicht als „Gesprächspartnerin und Hüterin des Glaubens“ verlieren.

Der Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien, Erzbischof Dr. Josef Clemens, wies in seinem Beitrag darauf hin, dass es kein menschliches Tun ohne ethische Dimension gibt. Der frühere Sekretär des damaligen Kurienerzbischof Joseph Ratzinger, der jetzt unter anderem für die Abteilung „Sport und Kirche“ im Laienrat zuständig ist, hob hervor, dass die Kirche dem Sport einen großen Dienst erweisen könne, „indem sie Impulse gibt für die Reflexion über das Sportethos und das ethische Handeln“. Papst Benedikt XVI. sei selbst sportinteressiert und habe etwa die Fußball-WM 2006 mit Interesse verfolgt. Kurienbischof Clemens unterstrich die Bedeutung des Sports für die ganzheitliche Bildung des Menschen und äußerte den Wunsch nach einer „gesamtkirchlichen Stellungnahme zur Ethik des Sportes“.

Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz bekräftigte bei der Buchpräsentation: „Die Katholische Kirche in Kärnten ist mit diesem aktuellen Jahrbuchthema mitten im Tages- und Zeitgeschehen der Menschen.“ Nun werde sie stärker zum Gesprächspartner für die Anliegen der Menschen.

Im neuen Jahrbuch der Diözese Gurk, das für € 9,- im Buchhandel erworben oder im Internet bestellt werden kann, gehen 14 Autoren der Frage nach, was Religion und Sport miteinander verbindet.

Neben Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz, der in seinem Beitrag hervorhebt, dass die Kirche den Wert des Sportes schätze, sich für einen humanen Sport einsetze und ihn vor allem in Verbindung mit der Berufung des Menschen zur ewigen Glückseeligkeit sehe, schreiben unter anderem Kurienbischof Josef Clemens („Leitlinien für eine Sportpastoral in den Pfarren“), der Grazer Weihbischof Franz Lackner („Kritische Anmerkungen zum Fußball als säkulare Religion“), der Tübinger Theologe Dietmar Mieth („Bedeutung des Sports aus ethischer Sicht“), der Salzburger Ethik- und Armutsforscher Clemens Sedmak („Sport und christliches Menschenbild“) und der Wiener Germanist Wendelin Schmidt-Dengler („Die heimliche Wahlverwandtschaft von Fußball und Religion“).

Beim Empfang des österreichischen Ski-Alpin-Teams würdigte Benedikt XVI. am 6. Oktober die positiven Werte und Tugenden, die durch die sportliche Betätigung entwickelt werden, und bekräftigte: „Liebe Freunde, seid nicht nur sportliche Wettkämpfer, sondern Athleten, die sich um den Siegespreis eines christlichen Lebens mühen. Euer Vorbild möge andere anspornen, in ihrer Lebenswelt für das Bleibende, für das Gute zu kämpfen und Athleten Christi zu sein, der den Menschen das wahre Leben schenken will“ (vgl. Ansprache).