Jahresgedenken an Chiara Lubich: Unermüdliche Baumeisterin der Einheit

„Wir stehen erst am Anfang“

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ROM 16. März 2009 (ZENIT.org).- Ein Jahr nach dem Tod von Chiara Lubich, der Gründerin der Fokolar-Bewegung, erinnerten Gottesdienste und Veranstaltungen in zahlreichen Ländern an ihr heiligmäßiges Leben und Lebenswerk im Dienst an der Einheit (ZENIT berichtete).

Im Hauptsitz Castel Gandolfo, südlich von Rom, fand zum Todestag Chiara Lubichs am 14. März ein interreligiöses Treffen statt. Zuvor feierte Kardinal Paul Poupard, der emeritierte Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur, eine Messe für die Verstorbene in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore.

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., ein enger Freund Lubichs, hielt in Istanbul eine Gedenkrede.

In Deutschland fanden in München und Hannover ökumenische Veranstaltungen statt, unter anderem mit dem ehemaligen Präsidenten des Lutherischen Weltbundes und emeritierten Landesbischof Christian Krause und den Mitgliedern des Trägerkreises der Initiative „Miteinander für Europa“, dem Leiter des CVJM München, Pfarrer Thomas Römer, und Pater Dr. Michael Johannes Marmann, der viele Jahre Vorsitzender des Generalpräsidiums des Internationalen Schönstattwerkes und Leiter der Patresgemeinschaft gewesen ist.

Renata Simon, Sprecherin der Fokolar-Bewegung für Deutschland und Mitglied des Koordinationsteams Miteinander für Europa, hielt in der vollbesetzten evangelischen Matthäuskirche in München vor Vertretern Geistlicher Gemeinschaften aus dem evangelischen und katholischen Raum ein bewegendes Referat zum Thema „‚Ein Jahr danach’ 14. März 2009 – Was uns bewegt“.

„Die größte Herausforderung, vor der wir jetzt stehen, ist gewiss die Treue zum Charisma von Chiara, dem Charisma der Einheit“, erklärte Simon. „Wir spüren die Verantwortung, vor allem anderen die gegenseitige Liebe lebendig zu halten – mit jenem Maß, das das Evangelium vorgibt.“

Ein wesentlicher Beitrag der Bewegung Chiara Lubichs sei es, „Beziehungen aufzubauen, in denen das ‚Sein’ im Mittelpunkt steht und nicht das ‚Haben’, ein Sein, das auf dem freiwilligen Geben und Teilen gründet, statt die anderen für die eigenen Interessen auszunutzen. Sie kann dazu beitragen, dass eine Kultur der Gegenseitigkeit in allen Beziehungen entsteht.“

Für die Vortragende war Chiara Lubich „ein Kanal Gottes“. „Je näher ich ihr kam, desto intensiver begegnete ich Gott. Treffend charakterisierte Kardinal Bertone Chiara in seiner Ansprache beim Requiem in St. Paul vor den Mauern: ‚Die Gründerin der Fokolar-Bewegung schafft keine sozialen Werke oder Einrichtungen, sondern widmet sich der Aufgabe, in den Herzen der Menschen die Liebe Gottes zu entfachen’.“

Pfarrer Römer erinnerte in seinem Zeugnis an den denkwürdigen Augenblick, als Chiara Lubich am 8. Dezember 2001 an demselben Ort Vertreter der Ökumene anregte, miteinander einen Pakt gegenseitiger Liebe zu schließen. Das Bündnis der Solidarität für die Einheit unter den Gemeinschaften sei für ihn und alle Beteiligten zu einer pfingstlichen Erfahrung geworden, einer Basis für konkrete Initiativen des Miteinanders.

Chiara Lubich hatte die Fokolar-Bewegung 1943 als 23-Jährige gegründet und bis zu ihrem Tod geleitet. Die stark ökumenisch ausgerichtete Gemeinschaft zählt heute nach eigenen Angaben über 140.000 Mitglieder in 182 Ländern. Sie verbindet Menschen aus allen christlichen Konfessionen sowie anderen Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften. Ihren Zweck beschreibt die Fokolar-Bewegung mit dem Eintreten für Geschwisterlichkeit und Dialog in Glaube und Gesellschaft.

Von Angela Reddemann