Jahrestag der Enzyklika Humanae Vitae

Wir müssen jeden einzelnen von uns Menschen als ewig betrachten

Rom, (ZENIT.org) Dr. José María Simón Castellví | 451 klicks

Mit diesem Sommer bereiten wir uns erneut auf die Feier des Jahrestages der Enzyklika „Humanae Vitae“ vor. Ich werde niemals müde, Papst Paul VI. für seinen Mut zur Veröffentlichung dieses Textes über den Beginn des menschlichen Lebens und die Weitergabe der Liebe der Eheleute zu danken. Die Enzyklika erschien im Jahr der sexuellen Revolution 1968. Sie stand vermutlich im Gegensatz zur Auffassung mancher Experten und begegnete großem medialem Widerstand.

Der Text wird nun als prophetisch betrachtet. Er bildet eine Fortsetzung der Lehre von Pius XII. und liefert einen Ausblick auf jene von Johannes Paul II. Vor allen Dingen aber lag er im entscheidenden Punkt der Weitergabe des menschlichen Lebens genau richtig. Dabei handelt es sich um einen besonderen Augenblick zwischen den Eheleuten und Gott. Gott hält seine Hand über das Ehebett, und bei der Weitergabe des Lebens herrscht die engste Zusammenarbeit zwischen uns und dem Schöpfer. Uns Menschen wird ein großer Handlungsspielraum zugestanden. Naturgemäß haben wir körperliche und moralische Grenzen; dennoch sind unsere Freiheit und unsere Kreativität größer, als wir uns vorstellen können. Es ist Gottes Wunsch, dass bei der Zeugung eines neuen menschlichen Wesens Liebe in Fülle fließt. Die Weitergabe neuen Lebens ist ein Akt der Liebe Gottes und der Eheleute.

Die Gründung einer Familie und die Hingabe seiner selbst, ohne das kreative Schaffen zu verbergen sind unabdingbare Voraussetzungen für eine gute Aufnahme eines neuen Menschen. Wir müssen jeden einzelnen von uns Menschen als ewig betrachten. Nachdem wir erschaffen wurden und die Prüfung dieser Welt bestanden haben, währt unsere Existenz für immer. Es scheint, dass die gesamte Menschheit zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus 15 Milliarden besteht. Gott hätte einer unendlich größeren Zahl von Menschen das Leben schenken können; doch er schuf uns als voneinander verschiedene und zugleich unwiederholbare Brüder und Schwestern. Gott dachte bereits vor der Erschaffung der Welt an uns. Niemand von uns ist überflüssig. Wir alle wurden von Gott gewünscht.

Unsere Leiblichkeit rührt von unserem Ursprung her. Sie ist weder etwas Hinzugefügtes noch etwas Schlechtes. Wir Ärzte wissen um die Schönheit, Komplexität und Faszination des menschlichen Körpers und dessen Physiologie sehr gut Bescheid. Oft sind wir erstaunt über an uns selbst beobachte Eigenschaften. Frauen, schöne Wesen, wo immer man ihnen begegnet, besitzen die Gabe der zyklischen Fruchtbarkeit zur Verkörperung und zur Weitergabe des Glücks.

Gemeinsam mit der Bedeutung der Vermehrung, soweit dies möglich ist, möchte ich den von Paul VI. thematisierten ehelichen Willen zur Hingabe und gegenseitigen Hilfe hinweisen. Hingabe schließt Verhütung aus. Die „gegenseitige Hilfe“ hält jenen, die die Kirche für eine Gegnerin der Sexualität halten, ein überlegenes Lächeln entgegen.

Dr. José María Simón Castellví ist Präsident des Internationalen Verbandes von Vereinigungen Katholischer Ärzte (FIAMC)

(Quelle: http://www.fiamc.org/bioethics/28-de-julio-%C2%A1la-humanae-vitae/)