Japan: Identitätskontrolle für Ausländer an Kultstätten

Katholische Bischöfe protestieren

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Von Anita Bourdin

ROM, 9. Juli 2012 (ZENIT.org). – Die katholischen Bischöfe Japans verlangen von der Polizei das Ende der Identitätskontrollen für Ausländer an Kultstätten. Die Meldung kommt von „Eglises d’Asie“ (EDA), der Nachrichtenagentur der Pariser ausländischen Missionen, die dadurch auf diesen Fall von Einschränkung der Religionsfreiheit hinweist.

Msgr. Ikenaga Jun, Erzbischof von Osaka und Vorsitzender der Japanischen Bischofskonferenz, habe, so die EDA, von der Regierung in Tokyo verlangt, „keine Ausländer mehr gezielt in oder vor Kirchen der Ausweiskontrolle zu unterziehen“.

Am vergangenen 2. Juli habe Msgr. Jun ein Schreiben eingereicht, worin er von der japanischen Regierung Erklärungen hinsichtlich der den Polizeibeamten gegebenen Anweisungen fordert.

Die Initiative der japanischen Bischöfe, die in ihrer Form völlig neuartig ist, ist eine Reaktion auf den Zwischenfall, der sich am vergangenen Pfingstsonntag, den 27. Mai zugetragen hatte, als Polizisten in eine katholische Pfarrei in Yokohama (auf der Westseite der Bucht von Tokyo) eingedrungen waren, um die Ausweise aller anwesenden Ausländer zu überprüfen. Dabei war ein philippinischer Staatsbürger mit dem Verdacht verhaftet worden, keine Aufenthaltsgenehmigung zu besitzen.

Der Brief des Vorsitzenden der japanischen Bischöfe wurde bei Jin Matsubara, dem Vorsitzenden der Nationalen Kommission für Öffentliche Sicherheit (Kokka kōan iinkai) eingereicht.

Im Namen aller Bischöfe Japans forderte Msgr. Jun die Polizei auf, „die Tätigkeiten der Kirche nicht zu stören und nicht ohne ein Mandat in Gebäude einzudringen, die Eigentum der Kirche sind“.

Ferner verlangte der Erzbischof von Osaka, die Polizei solle es unterlassen, „Ausländern bis in die Kirchen hinein zu folgen und Ausweiskontrollen auf kirchlichem Gelände oder unmittelbar davor durchzuführen“.

Die EDA betont, der Einsatz der japanischen Bischöfe für die Rechte der Einwanderer sei nichts Neues. Schon 1994 hatten sie Gerechtigkeit für ausländische Arbeiter ohne reguläre Genehmigung gefordert.

Trotzdem hatte die Kirche in Japan noch nie eine so direkte Forderung an die höchsten staatlichen Institutionen gestellt.

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]