Jean Vanier: Innere Verwandlung, die sich auf den Körper überträgt

Die große Frage heute ist, ob man es schafft, Orte zu finden, in denen wir unsere Menschlichkeit feiern können

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TROSLY/ROM, 17. März 2010 (ZENIT.org).- Jean Vanier weihte sein ganzes Leben den geistig Behinderten. Jean Vanier ist Gründer der Gemeinschaft Die Arche, die sich um Personen mit geistigen Behinderungen kümmert. Der 80 jährige Katholik, der Laie ist, wurde zum motor für die Gründung von 130 Zentren. Die Arche ist jetzt in 34 Ländern präsent, Jean Vanier ist darüber hinaus Mitbegründer der Gemeinschaft Glaube und Licht.

In der Kapelle der Arche in Trosly in Frankreich verglich Jean Vanier jetzt den Evangeliumstext von der Verklärung mit der Verwandlung von geistig Behinderten.

Petrus und seine Begleiter sind erschöpft und voll Müdigkeit, wenden sich aber zu Jesus, um ihn und die zwei Männer zu seiner Seite in all ihrer Herrlichkeit zu sehen. Dies ist eine Verklärung, wie sie auch hier in der Arche geschieht, denn hierher kommen viele zerstörte und leidende Menschen, die sich nach einiger Zeit durch die neuen Beziehungen wandeln, sie leuchten", erklärte Jean Varnier gegenüber einem französischen Fernsehsender.

„Ich möchte von einem Jugendlichen sprechen, der mir besonders am Herzen liegt. Er ist ein Junge, der blind, stumm und geistig behindert ist. Er konnte nicht laufen und ich glaube, ich habe noch nie jemanden gesehen, der ängstlicher war. Was also braucht so ein Junge wie er, Eric, schließlich am meisten?", fragte Vanier in der von H2O-News veröffentlichten Sendung.  Er braucht jemanden, der zu ihm sagt: ‚Ich liebe dich, so wie du bist.'  Er kam von Zeit zu Zeit hier in die Kapelle, schließlich kam er sogar oft hierher und langsam beruhigte sich sein Körper.

Er hatte dann ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht. Seine innere Verwandlung übertrug sich auf seinen Körper und auch sein Gesicht wurde immer ruhiger. Hier entdecken wir, wie Gott sich in ihm zeigt. Unsere Freude in der Arche ist eine Freude, die auf die Verwandlung folgt, die man erlebt, wenn man den anderen als eine behinderte Person antrifft, aber als eine Person, die die gleiche Würde hat wie alle anderen! Dann kann man scherzen und das Leben feiern. Die große Frage heute ist, ob man es schafft, Orte zu finden, in denen wir unsere Menschlichkeit feiern können. Denn das ist es, was man in kleinen Gemeinschaften wie der unseren macht, unsere Menschlichkeit feiern."

Auf die Frage: „Sie wurden vor Kurzem 80, wie erleben Sie diese Etappe Ihres Lebens?" antwortete Jean Vanier gegenüber OCH (Office chrétien des personnes handicapées), dem christlichen Büro für Behinderte: „Ich hoffe und bete dafür, dass, wenn die Zeit des Schwächerwerdens für mich kommt, ich dies akzeptieren kann, und mich über das freuen, was ich erhalte."

Weiter führte er aus: „Das menschliche Leben beginnt in der Zerbrechlichkeit und endet in Zerbrechlichkeit. Unser ganzes Leben lang bedürfen wir der Sicherheit und Zärtlichkeit. Dies ist unsere grundsätzliche Schwachstelle. Sie begleitet uns in der Gegenwart und unserer nahen oder ferner Zukunft. Wie können wir in der Liebe wachsen, ohne Opfer unserer Ängste zu werden? Lieben bedeutet, verletzlich zu sein."

Jean Vanier ist der Gründer der Arche, einer internationalen ökumenischen Organisation, die weltweit aus mehr als 134 Gemeinschaften besteht, in denen Menschen mit und ohne geistige Behinderung in christlicher Weise zusammenleben, sowie Mitbegründer der Bewegung Glaube und Licht, die mehr als 1.500 Gruppen in 78 Ländern zusammenfasst, unter anderem auch in Deutschland, Österreich, und der Schweiz.