"Jede Begegnung mit Jesus verändert unser Leben"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 382 klicks

Am heutigen dritten Fastensonntag zeigte sich Papst Franziskus um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den Angelus zu beten.

Zur Einführung in das marianische Gebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das heutige Evangelium handelt von der Begegnung Jesu mit der samaritanischen Frau in Sychar an einem alten Brunnen, aus dem sie täglich Wasser schöpfte. Als sie eines Tages dort ankam, saß Jesus an dem Brunnen, denn er „[…] war müde von der Reise“ (Joh 4,6). Sogleich sagte er zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ (V. 7). Auf diese Weise überwindet er die Barriere der Feindseligkeit zwischen Juden und Samaritern und bricht mit den Mustern des Vorurteils gegenüber den Frauen. Diese einfache Bitte Jesu leitet einen ehrlichen Dialog ein, durch den er mit großer Feinfühligkeit in die innere Welt eines Menschen eintritt,  an den er gemäß den gesellschaftlichen Vorgaben nicht einmal ein Wort hätte richten dürfen. Jesus tut dies jedoch! Er hat keine Angst. Wenn Jesus einen Menschen sieht, lässt ihn seine Liebe an ihn herantreten. Jesus liebt uns alle und hält keinen Menschen aufgrund von Vorurteilen auf Distanz. Jesus führt die Frau vor ihre persönliche Situation und urteilt nicht. Vielmehr lässt er sie verspüren, dass er sie beachtet und anerkennt. Auf diese Weise  erweckt er in ihr das Verlangen, über ihre tägliche Routine hinauszugelangen.

Jesus dürstete nicht so sehr nach Wasser, als nach der Begegnung mit einer vertrockneten Seele, um ihr Herz zu öffnen. Er bittet sie um Flüssigkeit, um den Durst in ihr hervorzuheben. Die Frau ist davon beeindruckt und richtet jene tiefen Fragen an Jesus, die wir alle haben aber oft ignorieren. Auch uns drängen sich viele Fragen auf, doch wir finden nicht den Mut, sie Jesus zu stellen! Die Fastenzeit, liebe Brüder und Schwestern, ist daher eine günstige Zeit, um in unser Inneres zu blicken, die wahrsten geistlichen Bedürfnisse hervortreten zu lassen und den Herrn im Gebet um Hilfe zu bitten. Das Beispiel der Samariterin ruft uns auf, folgendes zu sagen: „Jesus, gib mir dieses Wasser, das meinen Durst in Ewigkeit stillen wird.“

Das Evangelium berichtet von der Verwunderung der Jünger über den Umstand, dass ihr Meister ein Gespräch mit dieser Frau führte. Der Herr ist jedoch größer als alle Vorurteile. Aus diesem Grund hatte er keine Angst vor dem Kontakt mit der Samariterin: Die Barmherzigkeit ist größer als das Vorurteil. Das müssen wir gut lernen! Die Barmherzigkeit ist größer als das Vorurteil und Jesus ist so sehr davon erfüllt! Die Begegnung an dem Brunnen führte zu einer Verwandlung der Frau:  Sie „ließ […] ihren Wasserkrug stehen“ (V. 28) und eilte in die Stadt, um begeistert von ihrer außergewöhnlichen Erfahrung zu berichten: „Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?“ Die Frau hatte sich zum Wasserholen an den Brunnen begeben und dort eine andere Art von Wasser gefunden;  das lebendige Wasser der Barmherzigkeit, das für das ewige Leben sprudelt. Nach diesem Wasser hatte sie immer gesucht! Daraufhin eilte sie in das Dorf, von dem sie verurteilt und abgelehnt worden war und verkündete ihre Begegnung mit dem Messias, der ihr Leben verändert hatte. Jede Begegnung mit Jesus ändert unser Leben für immer und bringt uns einen Schritt nach vorne, einen Schritt näher zu Gott. Das ist immer der Fall, immer.

Dieses Evangelium liefert auch uns den Ansporn, „unsere Wasserkrüge“ stehen zu lassen, die all das symbolisieren, was dem Anschein nach wichtig ist, aber vor der „Liebe Gottes“ seinen Wert verliert. Wir alle besitzen einen oder mehrere Wasserkrüge! Ich möchte euch und mir die folgende Frage stellen: „Welcher ist unser innerer Wasserkrug, der uns beschwert und von Gott fernhält?“ Stellen wir ihn ein wenig beiseite und hören wir auf Jesus, der uns anderes Wasser anbietet, das uns näher zum Herrn führt. Wir sind dazu aufgerufen, die Bedeutung und den Sinn unseres mit der Taufe begonnenen christlichen Lebens wiederzuentdecken und wie die Samariterin die Freude über die Begegnung mit Jesus vor unseren Brüdern zu bezeugen. Wie zuvor erwähnt, führt jede Begegnung mit Jesus zu einer Veränderung unseres Lebens und erfüllt uns mit der aus dem Inneren stammenden Freude. So ist der Herr. Ebenso gilt es, über die vom Herrn in unserem Herzen vollbrachten Wunder zu sprechen, wenn wir den Mut haben, unseren Wasserkrug zurückzulassen.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern,

nun wollen wir uns diese beiden Gedanken einprägen: Jede Begegnung mit Jesus verändert unser Leben und jede Begegnung mit Jesus erfüllt uns mit Freude. Lasst uns sie gemeinsam aussprechen. Jede Begegnung mit Jesus verändert unser Leben, jede Begegnung mit Jesus erfüllt uns mit Freude. So ist es.

Anlässlich des morgen stattfindenden Welttages der Tuberkulose wollen wir für alle Betroffenen sowie all jene, die ihnen auf unterschiedliche Weise Unterstützung zukommen lassen, ein Gebet sprechen.

Am Freitag und Samstag der kommenden Woche wird ein besonderer Moment der Buße unter dem Motto „24 Stunden für den Herrn“ abgehalten. Dieser wird am Freitagnachmittag feierlich im Petersdom eröffnet. Am Abend und in der Nacht werden einige Kirchen im Zentrum Roms für Gebete und Beichten geöffnet sein. Dieses Fest der Vergebung – so können wir es nennen – wird auch in vielen anderen Bistümern und Pfarreien der Welt veranstaltet. Ebenso wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn, der nach der Rückkehr seines Kindes ein Fest veranstaltete, ohne an dessen Sünden zu denken, müssen auch wir die Vergebung des Herrn feiern. Es wird ein Fest der Vergebung sein.

An dieser Stelle heiße ich die Gläubigen aus Rom und die aus vielen Ländern stammenden Pilger herzlich willkommen. Besonders hervorheben möchte ich jene aus Zagreb und Zadara in Kroatien, und aus Bocholt in Deutschland sowie die Schule „Capitanio“ aus Seto-Shi in Japan, die Studenten aus Illinois (Vereinigte Staaten) und Ferrol (Spanien).

Einen besonderen Gruß richte ich an die Teilnehmer am Marathon und die Organisatoren dieser besonderen Sportveranstaltung unserer Stadt.

Ebenso begrüße ich die Gemeinschaft des Päpstlichen Deutsch-Ungarischen Kollegs, die auf nationaler Ebene Verantwortlichen des FUCI (Federazione Universitaria Cattolica Italiana; Verband der italienischen katholischen Universitätsstudenten), die am Kurs „Arte visiva e catechesi“ (Bildende Kunst und Katechese) teilnehmenden Katecheten sowie die Mitwirkenden an der Tagung „Nel concepito il volto di Gesù“ (Das Gesicht Jesu im empfangenen Leben).

Einen Gedanken widme ich den Gruppen von Gläubigen aus Altamura, Matera, Treviglio, Florenz, Salerno, Venedig, Santa Severina und Verdellino, den jungen Menschen aus Cembra, Lavis und Conversani, den Kindern aus Vallemare (Pescara), den Pfadfindern aus Castel San Pietro, den Studenten aus Cagliari und Gioia Tauro und den Vierzehnjährigen aus Mailand.

Abschließend heiße ich die Vertreter des „Centro di Servizio per il Volontariato della Sardegna“ und der christlichen Vereinigung der Arbeiter Italiens (ACLI; Associazioni cristiane dei lavoratori italiani) aus Masate, die „Associazione Famiglia Murialdo“ aus Neapel und die Gemeindepolizei aus Orvieto herzlich willkommen.

Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!

(Aus dem Italienischen übersetzt von Sarah Fleissner)