Jeder Christ ein Apostel

Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis: Peter und Paul

Bonn, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 488 klicks

Der an Hochfesten so reiche Monat Juni geht zu Ende. Wieder haben wir erlebt, wie reizvoll es ist, wenn bewegliche und unbewegliche Feste und Festgedanken im Kirchenjahr sich begegnen. Der ganze Monat Juni ist dem Heiligsten Herzen Jesu gewidmet. Vor diesem “Hintergrund” entfalten sich dann die schönsten Feste von Heiligen, wie Bonifatius, Antonius von Padua, Aloisius, Thomas Morus. Und dann gegen Monatsende die beiden Hochfeste der Geburt des hl. Johannes und das der beiden Apostel Petrus und Paulus.

Für die Heiligen trifft das Wort zu, das sich auf das Wesen der Heiligkeit bezieht: “Bilde unser Herz nach deinem Herzen!” Bei den Heiligen ist das geschehen.

Die beiden Apostelfürsten erinnern uns daran, dass Christus, der Herr, die Kirche auf das Fundament der Apostel gegründet hat. Das war unzweifelhaft sein Wille. Es wäre daher müßig, sich über andere Möglichkeiten der Struktur der Kirche zu unterhalten. Eine demokratische Gestaltung der Kirche wäre vielleicht für den heutigen Menschen auf den ersten Blick ansprechender, weil er es aus dem politischen Leben gewohnt ist. Aber der Wille Christi ist, immer wenn er ihn klar geäußert hat, allein maßgeblich, und zwar aus dem einfachen Grund, weil er nicht nur ein herausragender menschlicher Religionsstifter gewesen ist, sondern weil er darüber hinaus eben Gott ist.

Wir sagen im Credo: “Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche” und fragen uns gelegentlich, kann diese Kirche heilig sein, wenn viele in ihr alles andere als heilig sind?

Die heilige Hildegard von Bingen sah in einer Vision die Kirche als eine große majestätische Frau in einem prachtvollen Gewand. Als sie aber näher hinschaute, sah sie am unteren Rand des Kleides hässliche Schmutzflecken, die natürlich zu dem Gesamtbild nicht passten. Es wurde ihr bedeutet, dass das die sündigen Glieder der Kirche sind. Aber trotz solcher Verirrrungen einzelner ist die Kirche als Braut Christi immer makellos und heilig.

Christus will jedoch auch nicht, dass wir bei der Apostolizität der Kirche nur den einen Aspekt sehen, dass nämlich die Leitungsgewalt bei den Aposteln bzw. ihren Nachfolgern, den Bischöfen liegt.

Was tatsächlich für jeden Christen, für jedes Glied der Kirche wichtig ist, wird oft übersehen,  nämlich dass alle, Priester, Ordensleute und Laien dazu aufgerufen sind, apostolisch zu handeln. Was heißt das?

Es bedeutet, dass jeder sich am Apostolat der Kirche beteiligen kann und soll. Wobei der Laie die Frohbotschaft in anderer Weise weitergibt als der Priester. Aber die beiden verbindet der gemeinsame Wunsch, die Seelen für Christus zu gewinnen, und auch, wo nötig, für Christus zurück zu gewinnen, oder im Bild der hl. Hildegard: um die Schmutzflecken zu entfernen.

Gerade in unserer Zeit hat das Apostolat der Laien eine besondere Bedeutung erlangt. So hat es der hl. Josefmaria, dessen Fest wir ebenfalls in diesen Tagen feierten, gesehen. Seine für die Lebendigkeit der Kirche so wichtigen Gedanken, die er in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts verbreitete, sind später in die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils eingegangen. Es sind besonders diese drei:

Die allgemeine Berufung zur HeiligkeitDie Heiligung der Arbeit undDas Apostolat der Laien

Ohne ein Amt auszuüben wie die Apostel im engeren Sinne, soll der apostolisch gesinnte Laie dort Christus verkünden, wo er sich befindet, aufgrund seiner Stellung in der Gesellschaft, nicht zuletzt auch aufgrund seiner Arbeit. Das bedeutet, er soll nicht als “longa manus” des Bischofs oder des Pfarrers fungieren, sondern selbständig handeln, wobei der Rechtstitel zu seinem Apostolat die Taufe ist. Seine “Seelsorge” ist ein Apostolat auf der Basis von Freundschaft und Vertrauen. Nicht offiziell, sondern sozusagen privat will er seine Freunde zu Christus führen. Das hat daher einen ganz laikalen Stil. Er braucht sich nicht als Quasi-Priester zu fühlen, sondern tritt – natürlich mit entsprechender Vorbildung – als Laie, der Christus liebt und seine Liebe anderen weitergeben will, selbständig und frei vor die Menschen. Seine Verkündigung, die immer nur im kleinen freundschaftlichen Rahmen geübt wird, ist buchstäblich auf Augenhöhe, von gleich zu gleich, nicht wie bei der geistlichen Autoritätsperson, die notwendigerweise immer ein wenig von oben nach unten reden muss.

Im Umkreis des hl. Apostels Paulus finden wir bei den ersten Christen, die in vieler Hinsicht Vorbild sein können, Beispiele von solchem Apostolat der Laien. Priszilla und Aquila, ein christliches Ehepaar, näherten sich dem soeben in Korinth eingetroffenen Paulus, um ihn – in Unkenntnis seiner Aufgabe – für Christus zu interessieren (vgl. Apg 18,18). Der gemeinsame Nenner ist bezeichnenderweise die Arbeit, sie üben den gleichen Beruf wie Paulus aus, sie sind Zeltmacher. Paulus brauchten sie nicht zu bekehren, das wurde ihnen schnell bewusst. Aber ihr Verhalten zeigt, wie sie in ihrem apostolischen Eifer sicher viele Seelen zu Christus geführt haben mögen. – Und unsere Situation ist nicht so viel anders als die ihre.

Bitten wir auch um die Hilfe der “Königin der Apostel”, Maria, die nicht nur die zwölf Apostel um sich schart, sondern die selber, unübertroffen in ihrem Eifer für die Seelen, uns helfen kann, am Apostolat der ganzen Kirche teilzunehmen und uns darüber zu freuen, dass wir nicht nur passive Zuschauer beim großen Erlösungswerk Christi zu sein brauchen.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).