"Jeder Mensch ist ein ewiger Gedanke Gottes"

Glaubensgespräch mit Kardinal Marx zum Thema "Auferstehung" in Erding

München, (Erzbistum Muenchen und Freising) | 353 klicks

„Jeder Mensch ist ein einmaliger, ewiger Gedanke Gottes, der zu Ende gedacht werden muss und nicht ins Nichts zerfallen kann“, rief Kardinal Reinhard Marx den rund 100 Gläubigen zu, darunter viele Familien mit Kindern, die zu einem Glaubensgespräch über die Auferstehung am Samstag, 9. November, zusammengekommen waren. „Wenn Gott jeden Menschen von Ewigkeit her gewollt hat und liebt, dann kann mit dem Tod nicht alles vorbei sein“, ergänzte der Erzbischof von München und Freising, der bei dem Gespräch in der Grundschule am Grünen Markt in Erding auch auf die Fragen der Teilnehmer einging. Der Glaube an die Auferstehung hänge also damit zusammen, „dass wir Gott für möglich halten“. Wir könnten unseren Glauben an Jesus Christus festmachen und seinem Wort vertrauen: „Dann ist die Hoffnung berechtigt, dass der Tod uns ein Tor in etwas Unzerstörbares öffnet.“ 

Heute hätten wir ein „verkrampftes Verhältnis“ zum Tod und der Glaube an die Auferstehung sei schwach geworden, so der Kardinal, weil wir naturwissenschaftlich geprägt seien: „Wir müssen alles sehen, alles anfassen können, um es zu verstehen.“ Die Kirche müsse dem „starke Riten und Symbole“ entgegensetzen, wie etwa bei einem Requiem für einen Verstorbenen den Sarg in der Kirche aufzubahren. Auch Kinder dürfe man von der Konfrontation mit dem Tod, zum Beispiel im Anblick eines Verstorbenen, nicht abhalten, sondern müsse ihnen die Begegnung damit ermöglichen und sie dabei begleiten. „Dadurch kann die Kirche und können wir Zeugnis davon ablegen, dass im Tod eine Verwandlung geschieht und wir nicht vor einem kalten Nichts stehen“, sagte Marx. Die Praxis der Kirche müsse die Hoffnung auf die Auferstehung sichtbar machen. 

Zu Beginn des Glaubensgespräches gaben drei Teilnehmer Statements zum Thema ab, darunter der achtjährige Lucas Huber, Schüler der Grundschule am Grünen Markt, der danach fragte, was nach dem Tod passiert. „Ob nach 20, 50 oder 80 Jahren: Wir sterben in einem Moment, in dem wir noch nicht vollendet sind, in dem noch viel Potential da ist, aber auch vieles, was nicht gelungen ist“, erläuterte Kardinal Marx in seiner Katechese. „Gott hat uns als Kunstwerk gedacht und wir liefern ein Fragment ab, an dem es noch einiges zu schnitzen gibt“, so der Kardinal weiter. Er glaube daran, dass er nach dem Tod dem lebendigen Gott begegne und dieser ihm aufzeige, „was ich hätte sein können und was ich tatsächlich gewesen bin“. Dies sei sicherlich ein schmerzhaftes Erlebnis: „Diese Diskrepanz wird uns erschrecken und wir müssen die Verantwortung übernehmen für das, was wir getan haben.“ Doch Gott sage uns zu, dass er uns mit seiner Hilfe verwandeln und in die Vollendung führen werde, „aber ohne erhobenen Zeigefinger und ohne eine Hölle mit Folter, Gefängnis und Siedeofen“. 

Die Kirche habe mit Bildern wie dem des Fegefeuers und der Hölle Angst vor dem Tod gemacht, „und dafür müssen wir Buße tun“. Denn Jesus ginge es nicht darum, Sünden aufzuzählen, sondern jedem Menschen Heil und Rettung zuzusagen. „Die Kirche muss im Miteinander die Angst vertreiben“, unterstrich Kardinal Marx. Um sich vorzustellen, was nach dem Tod komme, brauche der Mensch Bilder, „aber das müssen Bilder der Zuversicht, der Hoffnung sein, Bilder, die uns helfen und voranbringen, auch wenn sie uns keine endgültige Antwort geben können“.            

Das Glaubensgespräch zum Thema „Ich glaube an die Auferstehung“ in Erding hat eine sechsteilige Reihe im „Jahr des Glaubens“ abgeschlossen: Kardinal Marx traf an verschiedenen Orten der Erzdiözese mit Gläubigen zusammen, um mit ihnen anhand der zentralen Aussagen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses ins Gespräch zu kommen. (kbr)

(Quelle: Webseite des Erzbistums München und Freising)