Jeder Mensch kann für einen anderen Menschen zum Engel werden

Gedanken zur Engelsskulptur, die bis zum 29. Juni im Wiener Stephansdom bewundert werden kann

| 602 klicks

WIEN, 3. Juni 2008 (ZENIT.org).- Die Engelsskulptur des deutschen Licht- und Installationskünstlers Stefan W. Knor, die bis zum 29. Juni im Wiener Stephansdom zu sehen ist, will darauf aufmerksam machen, „dass gerade auch wir selbst für andere Menschen zu Boten Gottes und damit zu Engeln werden können“, erklärt Dompfarrer Toni Faber.



Die zehn Engelsschwingen im Kirchenraum, auf die zeitweilig überdimensionale Portraitfotos projiziert werden, sind an Psalm 91 inspiriert: „Denn Gott hat seine Engel ausgesandt, damit sie dich schützen, wohin du auch gehst. Sie werden dich auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an einem Stein verletzen!“ (Ps 91,11-12).

Bei den Besuchern der vierten „Langen Nacht der Kirchen“ – am vergangenen Freitag strömten bis Mitternacht rund 50.000 Gläubige in den „Steffl“ (im Raum der Erzdiözese wurden 120.000 Beter und Neugierige registriert, in ganz Österreich 275.000) – wollte die Installation zudem „den heiligen, unantastbaren Kern der eigenen Person ins Bewusstsein rufen und die daraus resultierende Unantastbarkeit der Menschenwürde jedes einzelnen verdeutlichen“, heißt es in einer entsprechenden Broschüre.

Wir veröffentlichen das Gedicht, den Rudolf Otto Wiemer zur Installation der Engelsskulptur verfasst hat.

* * *

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.
Sie gehen leise und müssen nicht schreien,
Oft sind die alt und hässlich und klein, die Engel.
Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
Oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.
Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
Er hört, wenn du ihn rufst in der Nacht, der Engel.
Er steht im Weg und er sagt: Nein, der Engel,
Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein,
Es müssen nicht Männer mit Flügel sein, die Engel.

Rudolf Otto Wiemer