Jedes Kind möge eine Mutter und einen Vater haben: P. Raniero Cantalamessa zum Fest der Heiligen Familie

Kommentar des Predigers des Päpstlichen Hauses

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ROM, 25. Dezember 2006 (ZENIT.org).- In seinem Kommentar zum Festtag der Heiligen Familie geht P. Raniero Cantalamessa OFM Cap., Prediger des Päpstlichen Hauses, auf das aktuelle Problem des rechtlichen Gleichstellung der Ehe mit anderen Formen des Zusammenlebens ein und bekräftigt, dass das Kind Vater und Mutter braucht.



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Über die Familie

„Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht“ (Lk 2,48). In diesen Worten Mariens werden die drei wesentlichen Kennzeichen einer Familie aufgezählt: Vater, Mutter, Kind. Wir können in diesem Jahr nicht von der Familie sprechen, ohne das Problem zu berühren, das die Gesellschaft im Augenblick am meisten in Atem hält und um das sich die Kirche sorgt: die parlamentarischen Debatten über die Anerkennung der Ehe ohne Trauschein.

Man kann nicht verhindern, dass der Staat auf neue gesellschaftliche Situationen zu antworten versucht und Personen desselben Geschlechtes, die sich entschieden haben zusammenzuleben, bürgerliche Rechte zugesteht. Was der Kirche wichtig ist, und was allen Menschen wichtig sein sollte, die am zukünftigen Wohl der Gesellschaft interessiert sind, ist, dass dies nicht zu einer Schwächung der Institution Familie wird, die ja in der modernen Kultur bereits sehr bedroht ist.

Man weiß nur zu gut, dass die wirkungsvollste Form, den Sinn einer Wirklichkeit oder eines Wortes zu entleeren, in der Banalisierung und der Erweiterung besteht, so dass plötzlich ganz unterschiedliche, ja sogar miteinander völlig unvereinbare Dinge ausgesagt werden. Dies geschieht, wenn ein homosexuelles Paar mit der Ehe von Mann und Frau gleichgestellt wird. Der ureigene Sinn des Wortes „Ehe“ beschreibt (nach dem lateinischen Ursprungswort „matrimonium“) die Funktion der Mutter (matris) und deckt die Unsinnigkeit eines solchen Vorgehens auf.

Man sieht vor allem nicht den Grund für eine solche Gleichstellung, da entsprechende Rechte ja auch auf andere Weise sichergestellt werden könnten. Und ich sehe nicht ein, warum dies unbedingt nach einer Eingrenzung und Verletzung der Würde von homosexuellen Personen klingen muss, denen gegenüber wir doch alle die Verpflichtung zu Respekt und Liebe spüren; in einigen Fällen weiß ich auch um die Rechtgläubigkeit und das Leiden der Betroffenen.

Was wir hier sagen, trifft noch stärker auf das Problem der Kinderadoption von Seiten homosexueller Paare zu. Die Adoption ist in einem solchen Fall unannehmbar, weil es eine Adoption ist, die ausschließlich zum Nutzen der adoptierenden Personen ist, aber nicht im Sinne des Kindes, das ja auch von einem normalen Paar, also Vater und Mutter, adoptiert werden könnte. Viele warten ja schon seit Jahren darauf.

Homosexuelle Frauen verfügen, wie man weiß, ebenfalls über den Instinkt zur Mutterschaft und den Wunsch, sich ihn durch die Adoption von Kindern zu erfüllen; und auch homosexuelle Männer erleben die Notwendigkeit, um sich herum junges Leben aufblühen zu sehen, und sie trachten danach, sich diesen Wunsch durch die Adoption eines Kindes zu erfüllen. Aber welche Beachtung wird in solchen Fällen den Bedürfnissen und Gefühlen des Kindes geschenkt? Das hat anstatt eines Vaters und einer Mutter plötzlich zwei Mütter oder zwei Väter – und das mit allen psychologischen Komplikationen und Identitätsproblemen, die das mit sich bringt – daheim und auswärts. Wie erlebt ein Kind in der Schule eine derartige Situation, die es so verschieden von seinen Mitschülern macht?

Die Adoption wird hier in ihrer tieferen Bedeutung einfach verdreht: Es geht nicht mehr darum, etwas zu geben, sondern etwas zu suchen. Die wahre Liebe, sagt Paulus, „sucht nicht das Ihre“. Es ist wahr, dass auch bei „normalen“ Adoptionen die Adoptiveltern manchmal ihr eigenes Wohl suchen: jemanden zu haben, dem sie ihre gegenseitige Liebe weiterschenken können, oder einen Erben für ihr Lebenswerk. Aber in diesem Fall fällt das Wohl des Adoptivkindes mit dem der Adoptiveltern zusammen, es gibt keinen Widerspruch. Aber ein Kind einem homosexuellen Paar zur Adoption freizugeben, wenn es möglich wäre, es einem normalen Elternpaar anzuvertrauen, ist objektiv betrachtet nicht zu seinem Besten, sondern zu seinem Schaden.

Die Perikope des Evangeliums zum Fest der Heiligen Familie endet mit einer Szene aus dem Familienleben, die einen Einblick in das Leben Jesu vom zwölften bis zum 30. Lebensjahr gewährt: „Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen“ (Lk 2,51-52). Möge die Jungfrau Maria allen Kindern auf der Welt die Gnade schenken, in der Lage zu sein, umhegt von der Liebe eines Vaters und einer Mutter heranwachsen zu können.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals]