Jerusalem: Apostolische Nuntiatur ersucht israelisches Außenministerium, viel kritisierte Kundgebung abzusagen

Religiöse Gefühle dürfen nicht verletzt werden

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JERUSALEM, 9. November 2006 (ZENIT.org).- In einem Schreiben an das israelische Außenministerium hat die Apostolische Nuntiatur in Israel darum gebeten, die für morgen geplante Massenkundgebung von „World Pride“ in Jerusalem abzusagen.



Bereits im Sommer hatten die beiden Oberrabbiner Yona Metzger und Schlomo Amar gefordert, die Kundgebung der Homosexuellen und damit eine „Beleidigung Jerusalems“ zu unterlassen. Es gebe schon genügend Spannungen in Jerusalem, hatten sie bekräftigt.

Die israelischen Behörden wurden auch von islamischer und jüdischer Seite kritisiert. Der aus Nazareth stammende Lateinische Patriarch, Erzbischof Michel Sabbah, hatte seinerseits gebeten, „das nächste Mal zusammenzukommen, um über den Frieden und nicht über eine Manifestation zu reden, die gegen die Heiligkeit Jerusalems gerichtet ist".

Wir veröffentlichen eine eigene Übersetzung des gestern veröffentlichten Schreibens der von Erzbischof Antonio Franco geleiteten Apostolischen Nuntiatur in Israel.

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An das Außenministerium des Staates Israel

Die Apostolische Nuntiatur in Israel grüßt das Außenministerium des Staates Israel und bekundet das Bedauern des Heiligen Stuhls angesichts der Nachrichten, dass für diese Woche in Jerusalem eine Homosexuellen-Parade geplant ist.

Der Heilige Stuhl hat bei zahlreichen Anlässen bekräftigt, dass das von der Allgemeinen Menschenrechtserklärung sanktionierte Recht auf freie Meinungsäußerung gerechtfertigten Grenzen unterworfen ist, insbesondere, wenn die Ausübung dieses Rechts die religiösen Gefühle von Gläubigen verletzt. Es ist klar, dass sich die Homosexuellen-Parade, die in Jerusalem stattfinden soll, für die große Mehrheit der Juden, Muslime und Christen gerade aufgrund des sakralen Charakters der Stadt Jerusalem als anstößig erweist.

Die Apostolische Nuntiatur möchte in diesem Zusammenhang an die Gemeinsame Erklärung des Treffens des bilateralen Komitees der Kommission für Religiöse Angelegenheiten des Heiligen Stuhls mit den Juden und dem Oberrabbinat von Israel erinnern, das vom 17. bis zum 19. Oktober 2004 in Grottaferrata (Rom) stattfand. In dem Dokument heißt es: Jerusalem ist für alle Kinder Abrahams heilig. Wir rufen alle wichtigen Autoritäten dazu auf, diesen Charakter zu respektieren sowie anstößige Paraden und alle Handlungen zu verhindern, die die Gefühle der religiösen Gemeinschaften offenkundigen verletzen, die in Jerusalem wohnen und diese Stadt schätzen.“

Die Apostolische Nuntiatur ist deshalb zuversichtlich, dass das Außenministerium seinen ganzen Einfluss geltend machen wird, damit die Entscheidung zur Autorisierung der Parade in Jerusalem überdacht wird, als Zeichen des Respekts vor den religiösen Gefühle all derer, die die Heilige Stadt verehren.

Die Apostolische Nuntiatur in Israel dankt dem Außenministerium für die Aufmerksamkeit, die sie dieser Angelegenheit schenken wird, und möchte die Gelegenheit benützen, um erneut ihre höchste Wertschätzung zu bekunden.

Tel Aviv-Jaffa, dem 8. November 2006

[ZENIT-Übersetzung des englischen vom Heiligen Stuhl veröffentlichten Originals]