Jesu Worte und Gesten auf sich wirken lassen: Bischof Gerhard Ludwig Müller zur Fastenzeit

Interview mit dem Diözesanbischof von Regensburg

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REGENSBURG, 23. Februar 2007 (ZENIT.org).- „Umkehr, Buße und sich erneut an Christus auszurichten geschieht mit der Liebe, die Christus uns gezeigt hat“, erklärt Bischof Gerhard Ludwig Müller im vorliegenden ZENIT-Gespräch über die Fastenzeit.



Der Hirte von Regensburg unterstreicht, dass der Glaube einfach sei, weil es darum gehe, Jesus von Nazareth zu folgen, „dem Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist, um uns zu erlösen“. Glauben bedeute also, „das Gespräch mit ihm suchen, seine Worte und Gesten auf sich wirken lassen. Dann erschließt sich auch die Großartigkeit des in ihm angebrochenen Heils, und Jesus Christus wird zur alles bergenden Mitte des eigenen Lebens.“

ZENIT: Was sagt uns die Liturgie in der Fastenzeit?

-- Bischof Müller: Am Anfang steht die Versuchung Jesu in der Wüste, während er 40 Tage lang fastet, um sich auf seine Passion vorzubereiten. Er erkennt den Willen Gottes und gibt sich ganz dem Vater anheim. Es werden uns aber auch die großen Evangelien von der Feindesliebe, vom verlorenen Schaf oder von der Auferweckung des Lazarus verkündet. Sie zeigen Christus als den, der das Heil in die Welt bringt, als den guten Hirten und als den Herrn über Leben und Tod. Darin wird Ostern schon angedeutet. Am Ende der Umkehr steht ein neuer Anfang: das Leben und die Erlösung. Deshalb ist die Liturgie der Begleiter durch die österliche Bußzeit, denn sie führt uns hinein in die große Heilsgeschichte Gottes.

ZENIT: Was zeichnet eine „eucharistische“ Fastenzeit aus, wie sie der Papst im Sinn hat?

-- Bischof Müller: Unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., hat mit dem Hinweis auf das zentrale Geheimnis unseres Glaubens, die Eucharistie, den Weg vorgegeben, auf dem wir in den folgenden Tagen während der Fastenzeit auf Ostern zugehen dürfen.

Die Eucharistie zeigt uns die Liebe, mit der Jesus Christus sich für uns hingegeben hat. Und diese Liebe müssen auch wir leben, damit wir unser Herz öffnen können und um „die Wunden zu erkennen, die der Würde des Menschseins geschlagen werden“, so Papst Benedikt XVI. in seiner (Botschaft für die Fastenzeit.

Jesu Hingabe am Kreuz als Ansporn, um gegen die Vereinsamung und die Verlassenheit der Menschen anzugehen, ist wahre Umkehr aus der Erfahrung der Gegenwart des erhöhten Herrn in der Eucharistie. Bereits in seiner ersten Enzyklika Deus caritas est betont der Papst, dass wir Menschen „in die Dynamik seiner Hingabe hineingenommen“ sind. Umkehr, Buße und sich erneut an Christus auszurichten geschieht mit der Liebe, die Christus uns gezeigt hat.

ZENIT: Oft wird darauf vergessen, dass Christus lebt, dass man ihn und die Kraft seiner Liebe auch heute erfahren kann. Was sagen Sie denen, die sich nach Christus sehnen, ihn aber nicht zu finden vermeinen?

-- Bischof Müller: Papst Benedikt XVI. hat in seiner Predigt bei der Eucharistiefeier in Regensburg gesagt, der Glaube ist einfach.

Man muss sich von so vielen Klischees und Vorurteilen verabschieden, die von den Gegnern des Glaubens und der Kirche konstruiert werden. Der Glaube ist einfach, wenn man sich unvoreingenommen auf die Botschaft Jesu einlässt. Und auch hier ist es nicht irgendeine Lehre, der wir folgen sollen, sondern die Person Jesus von Nazareth, dem Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist, um uns zu erlösen.

Mit einer Person kann ich sprechen, ihr begegnen. Und so sollten diejenigen, die sich Christus nähern wollen, das Gespräch mit ihm suchen, seine Worte und Gesten auf sich wirken lassen. Dann erschließt sich auch die Großartigkeit des in ihm angebrochenen Heils, und Jesus Christus wird zur alles bergenden Mitte des eigenen Lebens.

ZENIT: Könnten Sie einige praktische Tipps nennen, damit die Fastenzeit 2007 tatsächlich zur Gelegenheit wird, die Liebe Gottes neu zu erfahren und sie auch weiterzugeben?

-- Bischof Müller: Im Schauen auf Christus erkennen wir die Hingabe und die Liebe, mit der er uns erlöst hat. Greifen wir die Worte des Heiligen Vaters erneut auf, dann wird sich der Sinn einer echten Umkehr erschließen: Die Liebe, mit der Christus uns zu sich gezogen hat, muss auch die Kraft sein, mit der wir ihm antworten – und das geschieht auch, wenn wir uns um die Würde des Lebens sorgen und die Großartigkeit unserer eigenen Geschöpflichkeit erkennen. „Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Röm 5,5).