Jesuit schreibt Musikgeschichte in Lateinamerika

Konzert für den missionarischen Musiker Domenico Zipoli

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Von Stefano Aviani Barbacci

ROM, 10. Januar 2012 (ZENIT.org). - Das traditionelle Orgelkonzert „Hymnus an das Leben“ wird dem Musiker Domenico Zipoli gewidmet sein und am Sonntag, dem 5. Februar 2012, in der Kirche „S. Maria della Verità“ (Hl. Maria der Wahrheit) in Viterbo stattfinden.

Das Konzert ist Teil einer Initiative, die zum Anlass des XXXIV. Tags für das Leben von der Bewegung für das Leben der Stadt gefördert wird und den eindrucksvollen Titel: „Das Abenteuer des Domenico Zipoli, vom römischen Barock nach Lateinamerika“ trägt. Zum ersten Mal steht das Werk eines einzelnen Komponisten im Zentrum.

Sicher nicht allgemein bekannt ist, dass Zipoli im Alter von 28 Jahren eine vielversprechende Karriere als Organist in Rom aufgegeben hat, um gemeinsam mit anderen Missionaren der Gesellschaft Jesu nach Lateinamerika auszuwandern.

Er nahm gemeinsam mit ihnen an dem außergewöhnlichen Abenteuer der „República Guarani“ teil, einer faszinierenden und zukunftsgläubigen Erfahrung der politischen Gemeinschaft, die inspiriert ist von den Werten des Evangeliums. Er starb im Alter von nur 38 Jahren in Córdoba in Argentinien am 2. Januar 1726, auch wenn der genaue Ort seiner Grabstätte niemals identifiziert werden konnte.

Tatsächlich verschwand mit der Zerstörung der katholischen Missionen durch die portugiesischen Sklavenhändlermilizen auch jede Spur des Werkes des Komponisten in der Neuen Welt.

Die zufällige Entdeckung einer beeindruckenden Vielzahl von bis dato unbekannten Partituren im Jahre 1972 in Chiquitos in Bolivien ließ das Interesse für diesen Musiker wieder aufflammen, der heute nicht nur als außergewöhnlicher Organist des italienischen Barock, sondern nunmehr als zentrale Gestalt der musikgeschichtlichen Entwicklung Lateinamerikas des 17. Jahrhunderts bekannt ist.

Sein kühnes und auserlesenes Schaffen in Übersee lenkt die Aufmerksamkeit der Forscher auf den bemerkenswerten Einfluss des europäischen Barock auf die ausgeprägte musikalische Sensibilität der Eingeborenen.

Das Konzert hat sich einerseits zum Ziel gesetzt, die historische Bedeutung dieses großen Musikers wiederaufleben zulassen und andererseits die Aufmerksamkeit der Bewunderer auf die verschiedenen Etappen (in Italien und in Amerika) seiner Musikkompositionen zu lenken.

Zusätzlich zu den bekanntesten und am meisten gespielten Werken werden auch einige Kompositionen und Transkriptionen für Orgel aus seiner Zeit in Bolivien in der Interpretation von Maestro Ferdinando Bastianini aufgeführt. Diese Partituren werden in Viterbo zum ersten Mal vorgestellt.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Jan Bentz]