Jesuiten feiern sechzig Jahre ihrer Präsenz in Nepal

Politisches Klima angespannt

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ROM, 15. Mai 2012 (ZENIT.org). - Während das Land in einer angespannten Atmosphäre gezeichnet von vielen Protestkundgebungen die auf den 27. Mai festgelegte Inkraftsetzung der Konstitution erwartet und die Unruhen weiterhin zunehmen, feiern die Jesuiten den sechzigsten Jahrestag der Gründung des Hl. Xaver-Kollegs in Katmandu.

Ein Generalstreik lähmt das Land; in jenen Gebieten, in denen ethnische Minderheiten nach mehr Autonomie verlangen, schwelen im Verborgenen Aufstände vor sich hin. Nach Informationen der Agentur „Eglises d’Asie“ scheint Nepal wie nie zuvor vor dem Abgrund eines Chaos’ zu stehen.

Den verschiedenen Parteien ist es in der Nationalversammlung nie gelungen, einen Konsens über die grundlegenden Prinzipien der Konstitution zu erreichen. Zum sechsten Mal haben sie deren Abgabetermin bekannt gegeben und dabei auf beunruhigende Weise Raum für Zweifel offen gelassen, insofern als niemand weiß, welcher Platz der Religionsfreiheit zukommen und wie man die Laizität des Staates auslegen wird.

In der Hoffnung, den politischen Unruhen ein Ende zu setzen, hat der maoistische Premierminister Baburam Bhattarai am vergangenen 5. Mai eine wichtige Modifizierung bei der Verteilung der Ministerien vorgenommen, indem er versuchte, die Repräsentanten der vier größten im Parlament vertretenen Parteien in einer Koalitionsregierung zu vereinigen (Maoistische Partei, Kongress von Nepal, Vereinte Demokratische Front von Madhesh, Kommunistische Partei Nepals).

Inmitten dieser turbulenten Atmosphäre hat am vergangenen 6. Mai die „Nepal Jesuit Society“ (NJS) in der Schule vom hl. Xaver in Jawalakhel, Katmandu, den sechzigsten Jahrestag ihrer Präsenz in Nepal gefeiert. Mit der Geschichte dieses Zentrums ist die Geschichte der Jesuiten in Nepal eng verbunden; dank der Gründung dieses Kollegs, konnte die Gesellschaft Jesu ihre ersten Schritte ins Innere des „verbotenen Landes“ tun und der Bitte von König Tribhuvan Shah nachkommen, den Grundstein für ein Erziehungssystem zu legen, das damals vor Ort eine Seltenheit war.

„Die frische Saat, die 1951 von der NJS gepflanzt worden war, ist heute so weit gewachsen, dass sie zu einem herrlichen Baum mit Zweigen geworden ist, die sich über ganz Nepal ausbreiten“, erklärte P. Amrit Rai, der Rektor der Schule vom hl. Xaver bei der Eröffnung der Feierlichkeiten in Jawalakhel.

Das erste Kolleg vom hl. Xaver, das in Godavari, in der Nähe von Katmandu, gegründet worden war, hatte zum Zeitpunkt seiner Eröffnung, am 5. Juli 1951, unter der Leitung von P. Marshall D. Moran lediglich 65 Schüler. Mit Stolz erklärt der Rektor, dass die Schule heute eine der renommiertesten im ganzen Land ist und in den verschiedenen Jahrgängen vom Kindergarten bis hin zur Sekundarstufe Hunderte von Schülern aufnimmt.

Im Laufe der Jahre hat die NJS dann weitere Schulen gegründet, vor allem während der Herrschaft von König Birendra Shah, als das Land demokratisiert wurde. Später baute sie unter Beachtung des Verbots, Proselytismus zu betreiben, Fürsorge und Sozialhilfezentren auf, Strukturen, die damals in Nepal noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung standen.

Zurzeit leiten die Jesuiten außer den beiden Kollegen von Godavari und Jawalakhel weitere zwei Zentren in der östlichen Region von Jhapa und das Kolleg vom hl. Xaver von Maitighar in Katmandu, wo mehr als 3.500 Alumnen ihr Universitätsstudium absolvieren. Ebenso verwalten sie das Entwicklungszentrum für menschliche Ressourcen in Katmandu, ein Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige.

Desweiteren gibt es ein „Freedom Centre“ in Lalitpur, Zentren für Kinder mit Anpassungsschwierigkeiten in Pokara und Jawalakhel sowie verschiedene medizinische Versorgungszentren. Darüber hinaus befinden sich Schulprojekte für benachteiligte Kinder im Planungsprozess.

Trotz der politisch angespannten Lage entschloss sich der Präsident von Nepal, Ram Baran Yadav, am vergangenen 6. Mai den Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums des Hl. Xaver-Kollegs persönlich beizuwohnen. Während des Ereignisses erklärte er, dass die Jesuiten „das Erziehungssystem des Landes von Grund auf revolutioniert“ hätten.

Indem er hinzufügte, dass „die Zukunft der Nation von der Qualität der Erziehung, die den Kindern vermittelt wird, abhängt“, erinnerte der Präsident von Nepal daran, dass am Hl. Xaver-Kolleg „die Elite des Landes ausgebildet wurde“. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang, dass nach Informationen der „Kathmandu Post” der Sohn des maoistischen Finanzministers Barshaman Pun und die Söhne der Mitglieder der Kommunistischen Partei im Kolleg der Jesuiten in Jawalakhel zur Schule gehen.

P. Boniface Tigga, Provinzial der Jesuiten in Nepal, meinte hierzu: „Dank dieser sechzigjährigen Erfahrung im Bereich der Erziehung müssen wir heute umso offener für Neuerungen sein, damit die Erziehung in Nepal ein noch höheres Niveau erreicht“. „Dennoch waren diese vergangenen Jahre nicht leicht gewesen“ führte er weiter aus und erinnerte an die Tatsache, dass „das Land vom Schweiß der Patres getränkt worden ist [gemeint sind die Gründer des Hl. Xaver-Kollegs], und auch vom Blut P. Gafneys“ – es handelt sich um einen aus den Vereinigten Staaten stammenden Jesuiten, der im Dezember 1997 in seiner Wohnung in Katmandu ermordet worden war.

[Übersetzung des spanischen Originals von P. Thomas Fox LC]