Jesuiten stehen vor der Wahl ihres neuen Generaloberen

Kardinal Franc Rodé eröffnet 35. Generalkongregation

| 1920 klicks

ROM, 8. Januar 2008 (ZENIT.org).- Mitglieder des Jesuitenorden aus aller Welt haben gestern, Montag, in Rom nach der feierlichen Eröffnung ihrer 35. Generalkongregation ihre Beratungen aufgenommen, um einen neuen Leiter für die mit fast 20.000 Mitgliedern weltweit größte Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche zu wählen.



Der amtierende Generalobere, Pater Peter-Hans Kolvenbach aus den Niederlanden, der am 20. November seinen 80. Geburtstag feiern wird, hatte Papst Benedikt XVI. nach 24 Amtsjahren im Februar 2006 darum gebeten, zurücktreten zu dürfen. Die Ankündigung dieses Schrittes war unerwartet gekommen, da der Generalobere der Gesellschaft Jesu auf Lebzeiten gewählt ist.

225 Vertreter der 89 Provinzen des weltweiten Ordens werden in diesen Tagen alle Themen erörtern, die für das Leben der Gesellschaft entscheidend sind. 64 der Teilnehmer kommen aus Asien und Australien, 40 aus Lateinamerika, 18 aus Afrika, 34 aus den USA und Kanada sowie 69 aus Europa. Die Anteile spiegeln die aktuelle weltweite Verteilung des Ordens wieder. Mit der Wahl eines neuen Ordensgenerals wird für den 19. Januar gerechnet.

Die Deutsche Provinz der Jesuiten ist in Rom mit insgesamt drei Teilnehmern vertreten: Stefan Dartmann SJ (Provinzial), Ulrich Rhode SJ (Frankfurt Sankt Georgen) und Hans Zollner SJ (Gregoriana). Die Österreichische Provinz wird von zwei Delegierten vertreten: Severin Leitner SJ (Provinzial) und Gernot Wisser SJ (Kardinal-König-Akademie, Wien). Die Schweizer Provinz stellt einen Teilnehmer: Albert Longchamp SJ (Provinzial).

Feierlich eröffnet wurde die oberste gesetzgebende Versammlung des Ordens mit der Eucharistiefeier in der Jesuitenkirche Il Gesù im historischen Zentrum Roms. Hauptzelebrant war der Präfekt der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Kardinal Franc Rodé. Der slowenische Würdenträger würdigte in seiner Predigt die wichtigen Aufgaben der Jesuiten in Wissenschaft und Priesterausbildung und lud sie mit Berufung auf das Vorbild des heiligen Ignatius dazu ein, ihrem Ordensgründer, dem Mystiker und Apostel gleich, Männer der Kontemplation und der Aktion zu sein.

Zugleich rief er die Ordensbrüder zu einer Haltung der erneuerten Treue gegenüber dem Papst auf – eine Verpflichtung, die sich die Gesellschaft Jesu auf Bitten des Gründers besonders auferlegt hatte. Die Generalkongregation müsse „das traditionelle Band der Liebe und des Dienstes“ für den Petrus-Nachfolger bekräftigen.

Der Kurienkardinal zeigte sich darüber besorgt, dass selbst unter Ordensleuten die Identifikation mit der Kirche schwächer geworden sei. „Mit Trauer und Beunruhigung“ beobachte er darüber hinaus eine fehlende Abstimmung mit der Hierarchie der römisch-katholischen Kirche. Gerade von den Jesuiten erwarte er, dass sie ihr „sentire cum ecclesiam“, ihren Sensus für die Kirche, verstärkten. Abschließend lud Kardinal Rodé die Versammlung ein, „den Willen Gottes für das Heute des Ordens zu suchen, um so das Morgen zu bauen.“

Zu Beginn der Arbeitssitzungen wurde die Geschäfts- und Tagesordnung der Generalkongregation beschlossen.

Der Wahl des Nachfolgers von P. Kolvenbach gehen vier Tage des so genannten „murmurationes“ voraus, eine Art „Murmelphase“ unter den 218 Stimmberechtigten. Der Vorgang vollzieht sich nach Art eines Konklaves streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Anders als bei der Wahl eines Papstes kommt allerdings ein elektronisches Abstimmungssystem zum Einsatz, das die Prozedur beschleunigen soll. Gewählt ist, wer mindestens 110 Stimmen auf sich vereint.