Jesus befreit uns vom Fatalismus und von falschen Weltuntergangsvisionen

Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 405 klicks

Der Heilige Vater Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das Evangelium des heutigen Sonntags (Lk 21, 5-19) enthält den ersten Teil einer längeren Rede Jesu: die Rede über die Endzeit. Jesus hält sie in Jerusalem, in der Nähe des Tempels, und der Anlass kommt ihm gerade von den Menschen, die über den Tempel und seine Schönheit sprechen. Denn dieser Tempel war wirklich schön. Da sagt Jesus: „Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben“ (Lk 21,6). Selbstverständlich fragen ihn die Umstehenden: Wann wird das geschehen? An welchen Zeichen wird man es erkennen? Jesus jedoch lenkt die Aufmerksamkeit der Menschen sofort von diesen oberflächlichen Dingen – wann, wie – weg und auf das, was wirklich zählt. Und das sind zwei Dinge. Erstens: sich nicht von falschen Propheten irreführen oder von der Angst lähmen lassen. Zweitens: die Zeit bis zum Eintreten dieser Ereignisse als eine Gelegenheit auffassen, um den Glauben zu bezeugen und Beständigkeit zu zeigen. Wir leben in dieser Zeit der Erwartung: die Erwartung des Kommens des Herrn.

Diese Rede Jesu bleibt immer noch aktuell, auch für uns Menschen des 21. Jahrhunderts. Auch zu uns sagt er: „Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten“ (V. 8). Sie ist eine Appell an unser Unterscheidungsvermögen, diese christliche Tugend, die uns hilft zu erkennen, wo der Geist des Herrn ist und wo der Geist des Bösen. Auch heute treten falsche „Retter“ auf, die den Platz Jesu einnehmen möchten: Politiker, Sektenführer, selbst Magier; Menschen, die versuchen, den Geist und die Herzen der anderen, besonders der Jugendlichen, anzulocken. Jesus warnt uns vor ihnen: „Lauft ihnen nicht nach!“. Lauft ihnen nicht nach!

Der Herr hilft uns auch, unsere Angst zu überwinden: Angesichts der Kriege, der Aufstände, aber auch der Naturkatastrophen und Krankheiten befreit Jesus uns vom Fatalismus und von falschen Weltuntergangsvisionen.

Der zweite Aspekt seiner Rede betrifft uns als Christen und als Kirche: Jesus verkündet schmerzliche Prüfungen und Verfolgungen, die seine Jünger um seines Namens willen erdulden werden müssen. Aber er versichert auch: „Doch wird euch kein Haar gekrümmt werden“ (V.18). Er erinnert uns daran, dass wir ganz in den Händen Gottes sind! Die Anfeindungen, die wir aufgrund unseres Glaubens und unserer Treue zum Evangelium erleiden, sind Gelegenheiten, unseren Glauben zu bezeugen; sie dürfen uns nicht vom Herrn entfernen, sondern müssen dazu führen, dass wir uns nur noch vollständiger ihm, der Kraft seines Geistes und seiner Gnade anvertrauen.

In diesem Augenblick kommt mir ein Gedanke. Denken wir doch alle zusammen daran: Denken wir an unsere zahlreichen Brüder und Schwestern im christlichen Glauben, die eben aufgrund ihres Glaubens Verfolgungen erleiden. Es sind viele. Vielleicht sogar mehr als in den ersten Jahrhunderten. Jesus ist mit ihnen. Auch wir sind im Gebet und in der Liebe mit ihnen vereint. Wir bewundern auch ihren Mut und das Zeugnis, dass sie ablegen. Es sind unsere Brüder und Schwestern, die in vielen Teilen der Welt leiden müssen, weil sie Jesus Christus treu sind. Wir grüßen sie von Herzen, in brüderlicher Liebe.

Zuletzt gibt Jesus ein Versprechen, das einer Siegesgarantie gleichkommt: „Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen“ (V. 19). Wie viel Hoffnung liegt in diesen Worten! Sie sind ein Aufruf zur Hoffnung und zur Geduld, eine Aufforderung, die sicheren Früchte des Heils in Ruhe abzuwarten, im Vertrauen auf den tiefen Sinn des Lebens und der Geschichte: Die Prüfungen und Schwierigkeiten sind Teil eines größeren Plans; Gott, der der Herr der Geschichte ist, wird alles zur Vollendung bringen. Trotz aller Unruhen und Katastrophen, die die Welt bedrücken, wird Gottes Plan der Güte und Barmherzigkeit in Erfüllung gehen! Das also ist unsere Hoffnung: Unseren Weg fortsetzen, der zu Gottes Plan gehört, der in Erfüllung gehen wird. Das ist unsere Hoffnung.

Diese Botschaft Jesu lässt uns über unsere Gegenwart nachdenken und gibt uns die Kraft, sie voller Mut und Hoffnung zu betrachten, in Begleitung der Muttergottes, die immer an unserer Seite steht.

[Nach dem Angelus:]

Ich grüße euch alle, Familien, Vereine und Gruppen, die ihr nach Rom gekommen seid, aus Italien und aus vielen anderen Ländern der Welt: Spanien, Frankreich, Finnland, die Niederlande. Besonders grüße ich die Pilger aus Vercelli, Salerno, Lizzanello, den Verein „Motoclub Lucania“ aus Potenza, die Jugendlichen aus Montecassino und Caserta.

Die eritreische Gemeinde in Rom feiert heute das Sankt-Michaels-Fest. Einen herzlichen Gruß auch ihnen!

Heute ist auch der Gedenktag für die Opfer des Straßenverkehrs. Ich sichere mein Gebet zu und ermutige alle dazu, im Einsatz zur Vorbeugung fortzufahren, denn Vorsicht und Beachtung der Regeln sind der wichtigste Schritt zum Schutz des eigenen Lebens und dessen der anderen.

Auch möchte ich euch allen jetzt ein Medikament verschreiben. Ihr werdet denken: „Ist der Papst jetzt Apotheker geworden?“. Es handelt sich um ein besonderes Medikament, das helfen soll, die Früchte des Jahres des Glaubens zu konkretisieren, das nun bald zu Ende geht. Es besteht aus 59 aufgefädelten Pillen. Es ist ein „geistiges Medikament“; sein Name lautet „Barmherzigkeitin“. Eine Schachtel, die 59 aneinandergereihte Pillen enthält. In dieser Schachtel befindet sich das Medikament, und einige Freiwillige werden diese Schachteln nun austeilen, während ihr alle den Platz verlasst. Nehmt sie mit! Sie enthalten einen Rosenkranz; eine geistige Hilfe für unsere Seele, um Liebe, Vergebung und Brüderlichkeit überallhin zu tragen. Vergesst nicht, sie einzunehmen, denn sie tut gut, wisst ihr? Sie tut dem Herzen, der Seele und dem ganzen Leben gut!

Allen wünsche ich von Herzen einen schönen Sonntag. Auf Wiedersehen und gesegnete Mahlzeit!

 (17. November 2013) © Innovative Media Inc.