Jesus Christus ist das fleischgewordene und mächtigste Wort Gottes

Predigt von Reinhard Kardinal Marx anlässlich der Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz

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ROM, 28. Februar 2012 (ZENIT.org). – Anlässlich der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die gestern in Regensburg eröffnet worden war, hielt Reinhard Kardinal Marx eine Predigt bei einer Heiligen Messe in Regensburg.

Dabei diente dem Kardinal die vor kurzen verstorbene Gestalt des ehemaligen tschechischen Staatspräsidenten Václav Havel als Rahmen, einem großen Intellektuellen, Politiker und Gottsucher, wie Marx erklärte. Der Erzbischof von München und Freising bezog sich auf eine Rede von 1989, die der Staatsmann „Ein Wort über das Wort“ betitelt hatte.

Havel habe mit Bezug auf das Johannesevangelium, „Im Anfang war das Wort“, die Kraft des Wortes betont. Auf menschlicher Ebene habe es die Fähigkeit, Regime zu stürzen, Menschen zu bewegen, Gewalt, aber auch Frieden zu produzieren. Das Wort sei eine mächtige Waffe, müsse aber auch sorgsam verwendet werden und ständig einem Reinigungsprozess unterliegen.

Kardinal Marx verband diese Aussagen über das Wort mit der Rolle des Wortes in der Tageslesung des Propheten Jesaja. Die Wirkmächtigkeit des menschlichen Wortes lasse die Mächtigkeit des Wortes Gottes erahnen. „Das Wort Gottes, das in Jesus Christus Mensch geworden ist, hat die Welt zutiefst verändert und geprägt“, betonte er. Es sei das wirkmächtigste Wort, das jemals ausgesprochen worden sei.

„Wenn menschliche Worte Revolutionen bewirken können, dann ist das Wort Gottes in gewisser Weise von noch größerer explosiver Kraft, wenn wir nur glauben“, so der Kardinal.

Der Mensch sei also durch das Wort Gottes zur Entscheidung aufgefordert.  Die beste Antwort, die der Mensch auf das Wort Gottes geben könne, sei der Glaube. Der Glaube wiederum drücke sich zunächst und vor allem im Gebet aus.

Das Gebet sei einerseits ein Dialog, die Antwort des Menschen auf Gott, andererseits Grundlage der ganzen Evangelisierung und Neuevangelisierung. Der Glaube bestehe darin, zu erkennen, dass Gott mit uns sprechen wolle, dass er eine Person sei, die auf eine Antwort warte, die Person Jesu Christi selbst.

Das Vaterunser sei als Gebet die Zusammenfassung des ganzen Evangeliums, wie es bereits die Kirchenväter erklärt hätten.

„Da ist eigentlich ein Missbrauch des Wortes ausgeschlossen, denn dieses Gebet führt in die Mitte des Denkens und Handelns und Betens Jesu selbst“. Es sei das Gebet aller Gebete, ein größeres, schöneres, wichtigeres Gebet gebe es nicht. Keine Sakramentenkatechese dürfte eigentlich auf eine intensive Hinführung zum Gebet des Herrn verzichten, forderte der Kardinal.

Jeder müsse aber darauf achten, dieses wie jedes andere Gebet nicht vor sich „hinzuplappern“, sondern mit dem ganzen Herzen ehrfürchtig zu vollziehen, erst dann könne das Gebet selbst unser Herz und unser Denken reinigen. Durch das Nachvollziehen des Satzes „Dein Wille geschehe“ willige der Mensch ein, Gottes Willen wirken zu lassen, und somit schaffe er eine neue Realität.

„Unser Dienst als Kirche ist, dieses Wort hörbar zu machen, es zu bezeugen und besonders im Gebet des Vaterunser die Kraft dieses Wortes zu bekennen.“

„Das Vaterunser gehört somit zu den wirkmächtigsten Worten der Menschheitsgeschichte“, schloss Erzbischof Marx. [jb]

Die vollständige Predigt finden Sie hier.