Jesus ist der einzige und ewige Priester

Katechese von Papst Franziskus während der Generalaudienz am 17. April 2013

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1904 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag fand um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz statt, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner in italienischer Sprache gehaltenen Rede setzte der Papst die dem „Jahr des Glaubens“ gewidmete Katechesenreihe fort. Im Zentrum seiner Betrachtungen stand folgendes Thema: „Er ist in den Himmel aufgefahren und sitzt zur Rechten des Vaters“.

Nach einer Zusammenfassung in verschiedenen Sprachen richtete Papst Franziskus einen besonderen Gruß an die anwesenden Gruppen von Gläubigen. Anschließend richtete er einen Appell zugunsten der von einem schweren Erbeben betroffenen Bevölkerungen des Irans und Pakistans.

Die Generalaudienz endete mit dem „Vaterunser“ und dem apostolischen Segen.

Wir veröffentlichen die Worte von Papst Franziskus in einer eigenen Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Im Glaubensbekenntnis begegnen wir dem Satz, dass Jesus „in den Himmel aufgefahren ist und zu Rechten des Vaters sitzt.“ Das irdische Leben Jesu erreicht mit der Himmelfahrt, mit der er von dieser Welt zum Vater heimkehrt und den Platz zu seiner Rechten einnimmt, seinen Höhepunkt. Was ist der Sinn dieses Ereignisses? Welche Folgen ergeben sich daraus für unser Leben? Welche Bedeutung hat die Betrachtung des „zur Rechten des Vaters“? Bei der Beantwortung dieser Fragen wollen wir uns vom Evangelisten Lukas leiten lassen.

Den Ausgangspunkt bildet Jesu Entschluss, seine letzte Pilgerreise nach Jerusalem zu unternehmen. Dazu lesen wir folgende Aufzeichnung des hl. Lukas: „Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen“ (Lk 9,51). Bereits während seines „Auffahrens“ in die Heilige Stadt, in der sich sein „Exodus“ aus dieser Welt vollenden wird, sieht Jesus das Ziel, doch ihm ist bewusst, dass sein Leben vor der Rückkehr in die Herrlichkeit des Vaters über das Kreuz führt, über den Gehorsam gegenüber dem göttlichen Plan der Liebe zur Menschheit. Im „Katechismus der Katholischen Kirche“ steht folgender Satz geschrieben: „Das Erhöhtwerden am Kreuz bedeutet das Erhöhtwerden bei der Himmelfahrt und kündigt es an.“ (Nr. 662). Auch wir müssen in unserem christlichen Leben von der Gewissheit getragen sein, dass der Eintritt in die Herrlichkeit Gottes unsere tägliche Treue seinem Willen gegenüber erfordert, auch wenn dies manchmal eine Änderung unserer Pläne nach sich zieht. Konkret vollzog sich die Himmelfahrt Jesu auf dem Ölberg, in der Nähe jenes Ortes, an dem Jesus sich vor dem Beginn seines Leidensweges zum Gebet zurückzog, um in tiefer Einheit mit dem Vater zu bleiben. Daraus erkennen wir einmal mehr, dass uns das Gebet die Gnade für ein dem Plan Gottes getreues Leben schenkt.

Der Schlussteil des Lukasevangeliums schildert das Ereignis der Himmelfahrt in sehr synthetischer Form. Jesus führte die Jünger „hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.“ Ich möchte nun zwei Elemente der Erzählung beleuchten. Zunächst vollzieht Jesus während der Himmelfahrt die priesterliche Geste der Weihe. Das Zeichen des Glaubens der Apostel ist sicherlich der Kniefall; sie beugen gesenkten Hauptes ihre Knie. Dabei handelt es sich um den ersten wichtigen Punkt: Jesus ist der einzige und ewige Priester, dessen Leidensweg durch den Tod, über das Grab, und die Auferstehung führte, bis zu seiner Auffahrt in den Himmel und zu Gott Vater, bei dem er stets für uns Fürsprache einlegt (vgl. Heb 9,24). Wie der hl. Johannes in seinem ersten Brief festhielt, ist er unser Anwalt: Es ist schön, dies zu hören! Wenn jemand vom Richter bestellt wird oder an einem Prozess eintritt, sucht er sich zunächst einen Verteidiger. Wir haben einen, der uns stets vor den Tücken des Teufels, vor uns selbst und vor unseren Sünden verteidigt. Liebe Brüder und Schwestern, wir haben diesen Anwalt: Lasst uns keine Angst davor haben, zu ihm zu gehen und um Verzeihung, um Segen zu bitten, um Barmherzigkeit zu bitten! Er verzeiht immer, er ist unser Anwalt: Er verteidigt uns immer! Lasst uns dies nicht vergessen! Die Himmelfahrt Jesu lässt uns diese für unseren Weg so tröstende Realität erkennen: in Christus, wahrer Gott und Mensch, wurde unsere Menschlichkeit vor Gott gebracht; er hat uns den Durchgang geöffnet. Er ist wie der Führer einer Gruppe von Bergsteigern, der am Gipfel angekommen ist und uns zu sich und zu Gott hinaufzieht. Wenn wir ihm unser Leben anvertrauen, uns von ihm führen lassen, sind wir gewiss in festen Händen, in den Händen unseres Retters, unseres Anwaltes.

Wenden wir uns nun einem zweiten Aspekt zu: Dem Bericht des hl. Lukas zufolge kehren die Apostel, nachdem Jesus vor ihren Augen in den Himmel emporgestiegen ist, „mit großer Freude“ nach Jerusalem zurück. Dieser Umstand erscheint uns etwas merkwürdig. Im Allgemeinen geht die durch einen endgültigen Abschied und vor allem durch den Tod verursachte Trennung von unseren Familienmitgliedern und unseren engsten Freunden mit einer natürlichen Traurigkeit in uns einher, denn wir werden ihr Gesicht nicht mehr sehen, ihre Stimme nicht mehr hören, ihre Zuneigung und ihre Nähe nicht mehr erfahren. Der Evangelist weist jedoch auf die tiefe Freude der Apostel hin. Was ist der Grund dafür? Über den Blick des Glaubens gelangen die Apostel zur Erkenntnis, dass Jesus zwar ihrem Blick entschwunden ist, aber dennoch immer unter ihnen weilen und sie niemals verlassen wird und ihnen in der Herrlichkeit des Vaters Halt gibt, Führung angedeihen lässt und für sie eintritt.

Auch zu Beginn der „Apostelgeschichte“ erzählt der hl. Lukas von der Himmelfahrt. Dabei vergleicht er die Begebenheit mit einem Ring, der das irdische Leben Jesu mit jenem der Kirche verhakt und verbindet. In diesem Teil erwähnt der hl. Lukas auch die Wolke, die Jesus den Blicken der Apostel entzieht, die dennoch in der Betrachtung des zu Gott emporsteigenden Christus verharren (vgl. Apg 1,9-10). Daraufhin erscheinen zwei Männer in weißen Gewändern und fordern die Apostel dazu auf, nicht dazustehen und die Augen auf den Himmel geheftet zu halten, sondern ihr Leben und ihr Zeugnis mit der Gewissheit zu nähren, dass Jesus ebenso, wie sie ihn zum Himmel emporsteigen sahen, zurückkehren wird (vgl. Apg 1,10-11). Dies ist eine Einladung an uns, durch die Betrachtung der Herrschaft Jesu von ihm jene Kraft zu empfangen, das Evangeliums zu bezeugen und in das tägliche Leben zu tragen: Sowohl die Betrachtung als auch das Handeln, „ora et labora“, sind nach der Lehre des hl. Benedikts zwei notwendige Bestandteile unseres christlichen Lebens.

Liebe Brüder und Schwestern, die Himmelfahrt deutet nicht auf die Abwesenheit Jesu hin. Vielmehr spricht sie für seine lebendige und neue Gegenwart unter uns; anders als vor seiner Auferstehung ist er nun an keinen bestimmten Ort der Welt mehr gebunden; nun ist er Teil der an allen Orten und zu allen Zeiten waltenden Herrschaft Gottes und erweist jedem von uns seine Nähe. Wir sind in unserem Leben niemals alleine: Wir haben diesen Anwalt, der uns erwartet und uns verteidigt. Wir sind niemals alleine: Der gekreuzigte und auferstandene Herr führt uns; gemeinsam mit uns leben viele Brüder und Schwestern ihren Glauben tagtäglich in Stille, im Verborgenen, in ihrer Familie, bei ihrer Arbeit, inmitten der Schwierigkeiten und Probleme des Lebens, in ihren Freuden und Hoffnungen. Gemeinsam mit uns tragen sie im auferstandenen, in den Himmel aufgefahrenen Christus, der unser Anwalt ist, die Herrschaft der Liebe Gottes in die Welt. Danke.