Jesus ist die Mitte der Schöpfung

Predigt von Papst Franziskus bei der heutigen Messe zum Abschluss des Jahres des Glaubens

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 351 klicks

Wir veröffentlichen in einer offiziellen Übersetzung die Predigt von Papst Franziskus beim heutigen Gottesdienst auf dem Petersplatz. Die Heilige Messe bildete den feierlichen Abschluss des Jahres des Glaubens

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Das heutige Hochfest Christkönig ist die Krönung des Kirchenjahres und markiert auch den Abschluss des Jahres des Glaubens, das von Papst Benedikt XVI. ausgerufen worden war. Zu ihm gehen in diesem Moment unsere Gedanken in herzlicher Dankbarkeit für das Geschenk, das er uns gegeben hat. Mit seiner gottgewollten Initiative hat er uns die Gelegenheit gegeben, die Schönheit jenes Glaubenswegs wiederzuentdecken, der am Tag unserer Taufe seinen Anfang genommen und uns zu Kindern Gottes wie auch zu Brüdern und Schwestern in der Kirche gemacht hat. Dieser Weg hat als endgültiges Ziel die Fülle der Begegnung mit Gott. Unterwegs reinigt uns der Heilige Geist, er erhebt und heiligt uns, um uns in die Glückseligkeit eintreten zu lassen, nach dem sich unser Herz sehnt.

Einen herzlichen und brüderlichen Gruß möchte ich auch an die Patriarchen und Großerzbischöfe der katholischen Ostkirchen richten, die hier anwesend sind. Den Friedensgruß, den ich mit ihnen austauschen werde, soll zugleich ein Zeichen der Anerkennung seitens des Bischofs von Rom für diese Gemeinschaften sein, die den Namen Christi mit beispielhafter Treue bekannt und dies oft teuer bezahlt haben.

Durch sie möchte ich mit dieser Geste zugleich auch alle Christen erreichen, die im Heiligen Land, in Syrien und im ganzen Orient leben, und dadurch will ich allen die Gabe des Friedens und der Eintracht vermitteln.

Die biblischen Lesungen, die uns zu Gehör gebracht wurden, haben Christus als Mittelpunkt zum Leitmotiv. Christus ist im Mittelpunkt und Christus ist der Mittelpunkt. Christus ist der Mittelpunkt der Schöpfung, des Volkes und der Geschichte.

1. In der zweiten Lesung hörten wir einen Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser. Er bietet uns eine sehr tiefgreifende Vision der Zentralität Jesu. Er zeigt ihn uns als Erstgeborenen der ganzen Schöpfung: in Ihm, durch Ihn und auf Ihn hin wurde alles erschaffen. Er ist die Mitte aller Dinge, Er ist ihr Ursprung: Jesus Christus, der Herr. Gott hat Ihm die Fülle, die Gesamtheit übergeben, um durch Ihn alles zu versöhnen (vgl. 1, 12-20). Herr der Schöpfung und Herr der Versöhnung.

Durch dieses Bild können wir verstehen, dass Jesus die Mitte der Schöpfung ist. Vom Glaubenden, wenn er ein solcher sein will, wird daher eine Haltung erwartet, diese Zentralität Jesu Christi anzuerkennen und in seinem Leben aufzunehmen, in den Gedanken, in Worten und Taten Gestalt werden zu lassen. Und so werden unsere Gedanken christliche Gedanken sein, Gedanken Christi. Unsere Werke werden christliche Werke sein, Werke Christi, unsere Worte werden christliche Worte sein, Worte Christi. Wenn man hingegen diese Mitte verliert, weil man sie durch etwas Anderes ersetzt, werden davon nur Schäden entstehen, sowohl für die Umgebung um uns wie auch für den Menschen selbst.

2. Christus ist nicht nur die Mitte der Schöpfung und Mittelpunkt der Versöhnung, er ist auch die Mitte des Volkes Gottes. Und gerade heute und hier, mitten unter uns. Jetzt ist er hier im Wort, und er wird hier auf dem Altar gegenwärtig sein, lebendig, mitten unter uns, seinem Volk. Das wird uns in der ersten Lesung gezeigt, die von dem Tag erzählt, an dem die Stämme Israels sich auf die Suche nach David begeben und ihn vor dem Herrn zum König über Israel salben (vgl. 2 Sam 5,1-3). Mit der Suche nach der idealen Gestalt des Königs suchten diese Menschen Gott selber: einen Gott, der dem Menschen nahe käme, der hinnähme, zu seinem Weggefährten zu werden, der sein Bruder würde.

Christus, der Nachkomme des Königs David, ist genau der „Bruder“, um den sich das Volk bildet, der sich um sein Volk kümmert, um uns alle, auf Kosten seines Lebens. In Ihm sind wir eins; ein einziges Volk mit Ihm vereint, teilen wir einen einzigen Weg, eine einzige Bestimmung. Nur in Ihm, in Ihm als Mittelpunkt haben wir die Identität als Volk.

3. Schließlich ist Christus die Mitte der Geschichte der Menschheit und auch die Mitte der Geschichte jedes Menschen. Ihm können wir die Freuden und Hoffnungen, die Kümmernisse und Ängste sagen, von denen unser Leben durchwoben ist. Wenn Jesus in der Mitte ist, dann werden auch die dunkelsten Augenblicke unseres Daseins hell, und er gibt uns Hoffnung, wie es beim guten Schächer im heutigen Evangelium der Fall ist.

Während alle anderen Jesus verhöhnen – „Wenn du der Christus, der König und Messias bist, hilf dir selbst und steig herab vom Kreuz“ –, klammert sich jener Mann, der in seinem Leben Fehler begangen hat, aber bereut, schließlich an Jesus und bittet ihn: »Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst« (Lk 23,42). Und Jesus verspricht ihm: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein« (V. 43): sein Reich Jesus spricht nur das Wort der Vergebung, nicht der Verurteilung; und wenn der Mensch den Mut findet, um diese Vergebung zu bitten, dann lässt der Herr eine solche Bitte nie fallen. Heute können wir alle an unsere Geschichte, an unseren Weg denken. Jeder von uns hat seine Geschichte; jeder von uns hat auch seine Fehler, seine Sünden, seine glücklichen Augenblicke und seine dunklen Augenblicke. An diesem Tag wird es uns gut tun, an unsere Geschichte zu denken, auf Jesus zu schauen und mit dem Herzen ihm immer wieder zu sagen – wohlgemerkt mit dem Herzen, im Schweigen, jeder von uns: „Herr, denke an mich, jetzt, wo du in deinem Reich bist! Jesus, denke an mich, denn ich will gut werden, aber ich habe nicht die Kraft, ich kann nicht: ich bin ein Sünder, eine Sünderin. Aber denke an mich, Jesus! Du kannst an mich denken, denn Du bist im Mittelpunkt, du bist wirklich in Deinem Reich!“ Wie schön! Machen wir das alle heute, jeder in seinem Herzen, mehrmals. „Denke an mich, Herr, Du, der Du im Mittelpunkt bist, Du, der Du in Deinem Reich bist!“

Die Verheißung Jesu an den guten Schächer gibt uns eine große Hoffnung, nämlich dass die Gnade Gottes immer viel größer ist als das Gebet dessen, der darum gebeten hat. Der Herr schenkt immer mehr, er ist so großzügig, er schenkt immer mehr, als man von ihm erbittet: Du bittest ihn, an dich zu denken, und er führt dich in sein Reich! Jesus ist wirklich die Mitte unsere Wünsche nach Freude und Erlösung. Gehen wir alle zusammen auf diesem Weg.

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