"Jesus ist gekommen, um uns den Heiligen Geist als 'lebendiges Wasser' zu geben"

Katechese von Papst Franziskus während der Generalaudienz am 8. Mai

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 668 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner in italienischer Sprache gehaltenen Rede setzte der Papst die dem „Jahr des Glaubens“ gewidmete Katechesen-Reihe fort. Im Zentrum seiner Betrachtungen stand der Heilige Geist.

Nach einer Zusammenfassung in verschiedenen Sprachen richtete Papst Franziskus einen besonderen Gruß an die anwesenden Gruppen von Gläubigen.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunser und dem apostolischen Segen.

Wir veröffentlichen die Worte von Papst Franziskus in einer eigenen Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Die Osterzeit, die wir nun mit Freude und unter der Führung der Liturgie der Kirche erleben, ist par excellence die Zeit des „unbegrenzt“ vom gekreuzigten und auferstandenen Jesus gegebenen Heiligen Geistes (vgl. Joh 3,34). Diese Zeit der Gnade kommt mit dem Pfingstfest zum Abschluss, bei dem die Kirche die Ausgießung des Geistes auf die Maria und die im Abendmahlssaal zum Gebet versammelten Apostel erneut erlebt.

Doch wer ist der Heilige Geist? Im „Credo“ bekennen wir uns dazu, an Folgendes zu glauben: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht“. Als die erste Wahrheit im „Credo“ erkennen wir die Existenz des Heiligen Geistes als „Kyrios“, Herr, an. Das bedeutet, dass er wahrhaft Gott wie der Vater und der Sohn ist und ihm unsere Anbetung und Verherrlichung gleichermaßen zukommt wie dem Vater und dem Sohn. Der Heilige Geist ist die dritte Person der Heiligen Dreifaltigkeit, das große Geschenk des auferstandenen Christus, der unseren Geist und unser Herz für den Glauben an Jesus als den von Gott gesandten Sohn öffnet, der uns zur Freundschaft und zur Gemeinschaft mit Gott führt.

Ich möchte vor allem bei folgendem Gedanken verweilen: „Der Heilige Geist ist die unerschöpfliche Quelle göttlichen Lebens in uns.“ Zu allen Zeiten und an allen Orten hegt der Mensch den Wunsch nach einem rechten und guten Leben in Schönheit und Fülle, das nicht der Bedrohung des Todes ausgesetzt ist, sondern bis zur Vollkommenheit reift und wächst. Der Mensch ist wie ein Wanderer, der die Wüsten des Lebens durchquert und nach lebendigem und frischem Wasser dürstet, das sein tiefes Verlangen nach Licht, Liebe, Schönheit und Frieden zu stillen vermag. Wir alle spüren diesen Durst! Jesus schenkt uns dieses lebendige Wasser: Es ist der vom Vater stammende Heilige Geist, den Jesus in unsere Herzen ausgießt. Im Evangelium nach Johannes sagt uns Jesus: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10).

Jesus verspricht der samaritanischen Frau, jenen, die ihn als den vom Vater zu unserer Rettung gesandten Sohn anerkennen, für immer und im Übermaß „lebendiges Wasser“ zu geben (vgl. Joh 4,5-26; 3,17). Jesus ist gekommen, um uns den Heiligen Geist als „lebendiges Wasser“ zu geben, damit unser Leben von Gott Führung, Belebung und Nahrung erhält. Wenn wir sagen, dass der Christ ein geistlicher Mensch ist, meinen wir damit genau dies: Der Christ ist ein Mensch, der Gott, dem Heiligen Geist gemäß denkt und handelt. In diesem Zusammenhang möchte ich jedoch folgende Frage stellen: Wie verhält es sich mit uns? Sind unser Denken und unser Handeln Gott entsprechend? Oder lassen wir uns von vielen anderen Dingen leiten, die in Wahrheit nicht von Gott sind? Jeder von uns muss die Antwort darauf im Inneren seines Herzens suchen.

An dieser Stelle können wir uns fragen: Warum kann dieses Wasser unseren Durst in aller Tiefe stillen? Wir wissen, dass das Wasser eine unentbehrliche Voraussetzung des Lebens ist; ohne Wasser tritt der Tod ein; Wasser stillt den Durst, wäscht und macht die Erde fruchtbar. Im „Brief an die Römer“ begegnen wir folgender Textstelle: „die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (5,5). Das „lebendige Wasser“, der Heilige Geist, das Geschenk des Auferstandenen, der in uns Wohnung bezieht, uns reinigt, erleuchtet, erneuert und verwandelt und uns dadurch teilhaben lässt am Leben Gottes, der die Liebe ist. Aus diesem Grund behauptet der Apostel Paulus, dass das christliche Leben vom Geist und seinen Früchten belebt ist. Diese sind „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22-23). Der Heilige Geist führt uns „als Kinder im eingeborenen Sohn“ in das göttliche Leben ein. In einem weiteren Abschnitt aus dem „Brief an die Römer“, den wir bereits mehrmals betrachtet haben, fasst der hl. Paulus diesen Aspekt mit folgenden Worten zusammen: „Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden“ (8,14-17). Dieses kostbare Geschenk lässt der Heilige Geist in unsere Herzen einströmen: das Leben von Gott selbst, das Leben wahrer Söhne, eine Beziehung der Zuversicht, der Freiheit, des Vertrauens auf die Liebe und auf die Barmherzigkeit Gottes, die uns auch die anderen, die uns nah oder fern sind, aus einem neuen Blick betrachten lässt und sie zu stets zu achtenden und liebenden Brüdern und Schwestern in Jesus macht. Der Heilige Geist lehrt uns, dass wir Gott als seine Kinder der lieben können und mit seiner Gnade gleich Jesus wie Kinder Gottes leben können. Doch wie ist es mit uns? Vernehmen wir den Heiligen Geist? Was sagt uns der Heilige Geist? Er sagt uns: Gott liebt dich. Genau das sagt er. Gott liebt dich und mag dich. Doch lieben wir Gott und die anderen tatsächlich so wie Jesus? Lassen wir uns vom Heiligen Geist lenken, lassen wir zu, dass er zu unseren Herzen spricht und uns sagt, dass Gott die Liebe ist, auf uns wartet, der Vater ist und uns wie ein wahrer Vater liebt. Er liebt uns wahrhaft, und allein der Heilige Geist sagt dies zu unserem Herzen. Spüren wir den Heiligen Geist, hören wir ihm zu, und gehen wir diesen Weg der Liebe, der Barmherzigkeit und der Vergebung. Danke.