Jesus kommt, damit Gott herrsche: Benedikt XVI. über die „gute Nachricht“ vom Reich Gottes

„Die Herrschaft Gottes offenbart sich in der ganzheitlichen Genesung des Menschen“

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ROM, 28. Januar 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, Sonntag, zum Angelus gehalten hat.

Der Bischof von Rom betrachtete das Sonntagsevangelium und erklärte, worin die „gute Nachricht“ Jesu vor allem besteht: Er offenbare das Reich Gottes und somit „das Leben, das sich vor dem Tod behauptet; das Licht der Wahrheit, das die Finsternis der Unwissenheit und der Lüge zerstreut“.
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Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Liturgie legt uns der Evangelist Matthäus, der uns im Lauf dieses liturgischen Jahres begleiten wird, den Beginn der öffentlichen Sendung Christi vor. Sie besteht wesentlich in der Predigt des Reiches Gottes und der Heilung der Kranken. Damit soll gezeigt werden, dass dieses Reich nahe ist; ja, dass es schon mitten unter uns angebrochen ist.

Jesus beginnt seine Predigt in Galiläa, jener Gegend, in der aufgewachsen ist, einer „Peripherie“ hinsichtlich des Zentrums der jüdischen Nation, das Judäa ist, und innerhalb dessen Jerusalem. Der Prophet Jesajas hatte aber angekündigt, dass dieses dem Stamm Sebulon und Naftali zugewiesene Land eine glorreiche Zukunft haben werde: Das Volk, das in der Dunkelheit lebt, würde ein helles Licht sehen (vgl. Jes 8,23-9,1): das Licht Christi und seines Evangeliums (vgl. Mt 4,12-16).

Das Wort „Evangelium“ wurde von den römischen Kaisern zur Zeit Jesu für ihre Bekanntgebungen benutzt. Sie wurden, abgesehen vom Inhalt, als „gute Nachrichten“ bezeichnet, das heißt: Ankündigungen von Heil, da der Kaiser als Herr der Welt galt und jeder seiner Erlasse als Überbringer von Wohl. Diesen Begriff auf die Predigt Jesu anzuwenden, schloss also einen stark kritischen Sinn ein, als würde man sagen: Gott, nicht der Kaiser, ist der Herr der Welt, und das wahre Evangelium ist das Evangelium Jesu Christi.

Die „gute Nachricht“, die Jesus verkündet, wird in diesen Worten zusammengefasst: „Das Reich Gottes – oder das Himmelreich – ist nahe“ (Mt 4,17; Mk 1,15). Was besagt dieser Ausdruck? Sicher meint er nicht ein irdisches Reich, das in Raum und Zeit begrenzt ist, sondern er kündigt an, dass es Gott der Herrscher ist; dass Gott der Herr ist und dass seine Herrschaft gegenwärtig und aktuell ist, dass sie im Begriff ist, sich zu verwirklichen.

Das Neue der Botschaft Christi liegt also darin, dass Gott uns in ihm nahe gekommen ist und nun unter uns herrscht, wie die Wunder und Heilungen beweisen, die er wirkt. Gott herrscht in der Welt durch seinen Mensch gewordenen Sohn und mit der Kraft des Heiligen Geistes, der „Finger Gottes“ genannt wird (vgl. Lk 11,20). Wo Jesus hinkommt, bringt der Schöpfergeist Leben, und die Menschen werden von den Krankheiten des Leibes und des Geistes geheilt.

Die Herrschaft Gottes offenbart sich demnach in der ganzheitlichen Genesung des Menschen. Damit will Jesus das Angesicht des wahren Gottes offenbaren: den Gott, der uns nahe ist und voller Mitleid für jeden Menschen; den Gott, der uns das Leben in Fülle schenkt – sein eigenes Leben. Das Reich Gottes ist demzufolge das Leben, das sich vor dem Tod behauptet; das Licht der Wahrheit, das die Finsternis der Unwissenheit und der Lüge zerstreut.

Bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, dass sie für die Kirche immer dieselbe Leidenschaft für das Reich Gottes erwirken möge, die die Sendung Jesu Christi beseelt hat: Leidenschaft für Gott, für seine Herrschaft der Liebe und des Lebens; Leidenschaft für den Menschen, dem er in Wahrheit mit dem Wunsch begegnet ist, ihm den wertvollsten Schatz zu schenken: die Liebe Gottes, seines Schöpfers und Vaters.

[Nach dem Angelus-Gebet grüßte der Heilige Vater die Pilgergruppen. Auf Deutsch sagte er:]


Einen frohen Gruß richte ich an die Pilger und Besucher deutscher Sprache. Die Liturgie dieses Sonntags kündet uns vom Licht Christi, das in die Dunkelheit der Welt eingetreten ist. Dieses Licht leuchtet auch in unserer Zeit und zeigt uns den Weg zum wahren Leben. Bitten wir den Herrn, daß der Glanz seiner Wahrheit uns und unsere menschliche Gesellschaft immer mehr erfülle. Gottes Gnade stärke euch und eure Familien an diesem Sonntag und begleite euch durch die neue Woche!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]