"Jesus nachzufolgen bedeutet nicht, an einem Triumphzug teilzunehmen"

Worte des Papstes beim heutigen Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 457 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den Angelus zu beten.

Im Folgenden veröffentlichen wir in einer eigenen Übersetzung die Worte des Papstes zur Einführung in das Mariengebet.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Im heutigen Evangelium spricht Jesus über die Bedingungen der Jüngerschaft: der Liebe zu ihm nichts voranstellen, sein Kreuz tragen und ihm nachfolgen. Viele Menschen hatten sich Jesus genähert, um in die Reihen seiner Jünger aufgenommen zu werden; dies geschah vor allem nach außergewöhnlichen Zeichen, die ihn als Messias und König Israels gelten ließen. Jesus wollte jedoch niemanden täuschen. Er weiß, was ihn in Jerusalem erwarten wird, welchen Weg ihm der Vater weisen wird: den Weg des Kreuzes, des Opfers seiner selbst für die Vergebung unserer Sünden. Jesus nachzufolgen bedeutet nicht, an einem Triumphzug teilzunehmen. Es heißt, seine barmherzige Liebe zu teilen, in sein großes Werk der Barmherzigkeit für jeden und für alle Menschen einzutreten! Jesus ist von so großer Barmherzigkeit! Diese universale Vergebung, diese Barmherzigkeit, führt über das Kreuz. Jesus möchte dieses Werk nicht alleine vollbringen: er möchte auch uns in die ihm vom Vater anvertraute Mission einbeziehen. Nach der Auferstehung wendet er sich mit den folgenden Worten an seine Jünger: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch … Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“ (Joh 20,21.22). Ein Jünger Jesu verzichtet auf alle Güter, da er in ihm das größte Gut gefunden hat, in dem alle anderen Güter ihren vollen Wert und ihre volle Bedeutung finden: die familiären Bindungen, die anderen Beziehungen, die Arbeit, die kulturellen und wirtschaftlichen Güter und vieles mehr … Ein Christ trennt sich von allem und findet alles in der Logik des Evangeliums, der Logik der Liebe und des Dienstes.

Zur Erläuterung dieses Erfordernisses verwendet Jesus zwei Gleichnisse: das Gleichnis vom Turmbau und jenes vom König, der in den Krieg zieht. Das zweite Gleichnis lautet wie folgt: „Wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden“ (Lk 14,31-32). Hierbei handelt es sich nur um ein Gleichnis, und Jesus geht es an dieser Stelle nicht um das Thema des Krieges, auch wenn uns dieses Wort des Herrn in diesem Moment des Gebetes für den Frieden besonders betroffen macht. Im Grunde sagt uns Jesus Folgendes: Es gibt einen tieferen Krieg, den wir kämpfen müssen, wir alle! Es handelt sich um die starke und mutige Entscheidung, dem Böse und dessen Verführungen zu entsagen und das Gute zu wählen, in der Bereitschaft, persönlich dafür zu bezahlen: Darin besteht die Nachfolge Christ, die Annahme des eigenen Kreuzes! Dieser tiefe Krieg gegen das Böse! Was bringt es, Kriege zu führen, viele Kriege, wenn du selbst nicht fähig bist zu diesem tiefen Krieg gegen das Böse? Es bringt nichts! Es geht nicht … Dieser Krieg gegen das Böse setzt unter anderem eine Absage an den damit verbundenen Bruderhass und die Lügen voraus; ein Nein zur Gewalt in all ihren Formen; ein Nein zur Verbreitung von Waffen und deren illegalem Handel; Es gibt so viel! Es gibt so viel! Und immer bleibt folgender Zweifel: Beruht dieser Krieg hier, dieser Krieg dort – denn überall herrschen Kriege – tatsächlich auf einem Problem, oder handelt es sich um einen wirtschaftlichen Krieg, der dem Verkauf dieser Waffen im illegalen Handel dient? Diese Feinde müssen mit vereinten Kräften und konsequent bekämpft werden, ohne anderen Interessen zu folgen als denen des Friedens und des Gemeinwohls.

Liebe Brüder, heute begehen wir auch den Gedenktag Mariä Geburt. Dieses Fest liegt besonders den Ostkirchen sehr am Herzen. Wir alle wollen an unser Brüdern und Schwestern, Bischöfe, Mönche und Nonnen der Ostkirchen, orthodoxen und katholischen Kirchen nun einen herzlichen Gruß richten. Jesus ist die Sonne und Maria die Morgenröte, die das Aufsteigen derselben erahnen lässt. Im Rahmen der Vigil von gestern Abend vertrauten wir unsere Gebete für den Frieden in der Welt, vor allem in Syrien und im gesamten Nahen Osten, ihrer Fürsprache an. Nun rufen wir sie als Königin des Friedens an. Du Königin des Friedens, bitte für uns. Du Königin des Friedens, bitte für uns.

[Nach dem Angelus erwies der Heilige Vater all jenen, die am Weltgebets- und Fasttag für den Frieden in Syrien und in der Welt teilgenommen hatten, seinen Dank. Die Übersetzung ist vom Presseamt des Heiligen Stuhls:]

Ich möchte allen danken, die sich auf verschiedene Weise der Fasten- und Gebetswache von gestern Abend angeschlossen haben. Ich danke den vielen Menschen, die das Opfer ihrer Leiden eingebracht haben. Ich danke den Vertretern des öffentlichen Lebens wie auch den Mitgliedern anderer christlicher Gemeinschaften oder anderer Religionen, Männern und Frauen guten Willens, die aus diesem Anlass Momente des Gebetes, des Fastens und des Nachdenkens gehalten haben.

Doch der Einsatz geht weiter: Fahren wir fort mit dem Gebet und mit Werken des Friedens! Ich fordere euch auf, weiterhin dafür zu beten, dass die Gewalt und die Zerstörung in Syrien sofort aufhöre und mit neuem Eifer für eine gerechte Lösung des brudermörderischen Konflikts gearbeitet werde. Lasst uns auch für die anderen Länder des Nahen Ostens beten, besonders für den Libanon, dass er zu der ersehnten Stabilität finde und weiterhin ein Vorbild des Zusammenlebens sei; für den Irak, dass die sektiererische Gewalt der Versöhnung Platz mache; und für den Friedensprozess zwischen Israeliten und Palästinensern, dass er entschieden und mutig voranschreite. Und beten wir für Ägypten, dass alle Ägypter – Muslime und Christen – sich bemühen, gemeinsam die Gesellschaft aufzubauen zum Wohl der gesamten Bevölkerung.

Die Suche nach dem Frieden ist langwierig und erfordert Geduld und Ausdauer! Fahren wir fort mit dem Gebet!