Jesus selbst gibt eine Orientierung zu aktuellen Fragen

Impuls zum 6. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 497 klicks

Im Anschluss an die wunderbaren Seligpreisungen, die Jesus vor den Jüngern und vielem Volk auf dem Berg verkündet hat, spricht er einige konkrete Fragen des christlichen Lebens an, die uns im Evangelium des heutigen 6. Sonntag im Jahreskreis vorgestellt werden. Fast möchte es uns scheinen, als seien seine Worte speziell auf unsere aktuelle Situation gemünzt.

Zunächst wird festgestellt, dass Jesus mit göttlicher Autorität spricht:

„Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen“ (Mt 5,17). Man könnte etwa so ergänzen: Ich könnte es, weil ich der Herr bin, aber ich will es nicht.

Uns ist es nicht erlaubt, die Gebote aufzuheben, egal ob wichtig oder weniger wichtig:
„Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein“ (Mt 5,19)

Jesus erläutert einige Gebote. Das 5. Gebot z.B. bedeutet nicht nur, dass man nicht töten darf, sondern dass man auf den Bruder nicht einmal wütend sein, geschweige denn ihn beschimpfen darf:

„Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein“ (Mt 5,22). Was sicher auch bedeutet: man kann in der Sache streiten (manchmal muss man es auch), aber man darf nicht die Liebe verletzen. Ja, bevor man den Dienst am Altar versieht, muss man mit dem Gegner Frieden schließen, solange es noch Zeit ist.

Zum 6. Gebot sagt Jesus:

„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen“ (Mt 5,28). Und im Hinblick auf etwa ein Drittel der Internet-Seiten:

„Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus!“ (Mt 5,29)

Die Einstellung Jesu zur Ehescheidung ist bekannt, aber immer wieder erschreckt uns die Klarheit seiner Worte. Die Scheidungsurkunde des alten Bundes lehnt er ab:

„Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch“ (Mt 5,32).

Ganz sicher ist dem Herrn die Fülle von Ehe-Tragödien bekannt. Und er sagt auch: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ (Joh 8,7). In einer allgemeinen Aussage kann man nicht differenzieren. Das muss dann im einzelnen Fall geschehen. Aber ausgerechnet im Anschluss an diese Thematik verlangt der Herr klare Worte:

„Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen“ (Mt 5,37).

Mit Recht wird auf die Barmherzigkeit Gottes hingewiesen, und gerade unsere Zeit hat großartige Zeugnisse davon erlebt. Denken wir nur an das Wirken des seligen, bald heiligen Papstes Johannes Pauls II. Aber die Barmherzigkeit Gottes, die wir  alle brauchen, geht Hand in Hand mit einer unsentimentalen Klarheit der Begriffe. Jesus sagt zu der Sünderin nicht: Es war nicht so schlimm, was du getan hast, sondern: „Auch ich verurteile dich nicht“, aber unmittelbar darauf: „Gehe hin und sündige nicht mehr!“ (Joh 8,11) Eine wunderbare Beichte!

Vielleicht ist ein Hauptgrund dafür, dass die Problematik der wieder verheirateten Geschiedenen oft eine solche Härte hat, darin begründet, dass man die Beichte und damit die am Wort Gottes orientierte geistliche Beratung in vielen Pfarreien praktisch abgeschafft hat. Und dass viele Betroffene nicht wissen, was es für sie an Möglichkeiten gibt, doch am Leben der Kirche teilzunehmen.

Natürlich ist Christus nicht jemand, der kraft seiner Autorität die Menschen einschränken will. Im Gegenteil! Es hat Verbote nicht gern, aber er weiß, dass die Menschen Klarheit darüber haben wollen, was nach dem Willen Gottes geht und was nicht geht. Was er aber in erster Linie möchte, ist, dass möglichst alle heilig werden, in der Sprache des Alten Bundes „gerecht“:
„Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 5,20). Und Heiligkeit hat oft auch mit dem Kreuz zu tun.

Nicht die Schriftgelehrten (Theologen) noch die Pharisäer (Geistlichen) können uns die letzte Orientierung geben, sondern die Heiligen, die das Ziel schon erreicht haben, besonders die heiligste Jungfrau und Gottesmutter Maria.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).