„Jesus von Nazareth” auf Russisch

Das Jesus-Buch des Papstes in Moskau

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ROM, 5. Dezember 2008 (ZENIT.org).- „Die Reflexion eines Gelehrten über das, was im Leben am Wichtigsten ist: Die Entdeckung der wahren Bedeutung Jesu". Mit diesen Worten präsentierte der Herausgeber die russische Übersetzung des Buches „Jesus von Nazareth" von Papst Benedikt XVI., das zunächst in 20.000 Exemplaren gedruckt wird. Die russische Ausgabe wurde am 2. Dezember in Moskau vorgestellt.

Zu diesem Anlass äußerte sich der Erzbischof der katholischen Kathedrale von Moskau Paolo Pezzi, der den „herausragenden Wert des Buches Benedikts XVI." betonte.

Der erste Grund hierfür bestehe in der Tatsache, dass der Verfasser nicht nur einer der größten lebenden Theologen sei, sondern auch der Bischof von Rom. Dies schaffe Raum für ein „faszinierendes Paradox": Das Buch habe zwar der Papst geschrieben, jedoch nicht in seiner Aufgabe als Papst.

Der Papst schreibe somit nicht „aus der Höhe seiner Kathedra", sondern als einfacher Gläubiger und leidenschaftlicher Wissenschaftler, der sich Zeit seines Lebens angestrengt habe, seine persönliche Kenntnis Jesu Christi und die Gründe für den Glauben an ihn zu vertiefen.

Dadurch werde das Werk zu einem einzigartigen und noch nicht vorgekommenen Zeugnis einer „Laizität", wobei dieser Begriff die Tatsache meine, dass derjenige, der schreibe, sich auf die Ebene des Volkes, des „laos" begeben wolle, an das er sich wendet. Es sei somit keine Zustimmung aufgrund der dem Verfasser innewohnende Autorität gefordert.

Diese Absicht des Papstes bringt für Erzbischof Pezzi zwei Aspekte mit sich, einen demütigen und einen wagemutigen Aspekt. „Demütig" akzeptiere es der Verfasser, sich der Kritik unterziehen zu lassen. „Wagemutig" bringe der Verfasser die Fundament dessen vor, worüber er schreibe, und könne sich so dem Risiko der Kritik aussetzen.

Die Motivation für das Jesus-Buch Benedikts XVI. erkannte Pezzi in der Überzeugung des Papstes, dass heute die Gefahr gegeben sei, dass dem modernen Menschen das Einzige entzogen werde, was das Christentum für die unterschiedlichsten Menschen interessant mache -dies sei „einfach Jesus".

Eine weitere große Botschaft des Buches bestehe für Erzbischof Pezzi darin, dass der Glaube keine Angst vor der Wissenschaft habe.

Die Wissenschaft könne nie aus sich heraus den Glauben hervorbringen - und dies wisse der Papst gut. Nach zwei Jahrhunderten wissenschaftlicher Forschung um die Gestalt Jesu sei es dieser nicht gelungen, den zentralen Kern des Bildes Jesu zu leugnen, das aus den Evangelien hervorgeht. Gerade aber dieses Bild sei laut Benedikt XVI. das überzeugendste und plausibelste.

Im Buch des Papstes erstrahle auf jeder Seite die Liebe des Schreibers, „die Emotion seines Blickes, der von der Schönheit des Antlitzes dessen hingerissen ist, der vor ihm steht".

Der Vertreter des Heiligen Stuhls bei der Russischen Föderation, Erzbischof Antonio Mennini, erklärte seinerseits, dass der ständige Aufruf des Papstes zur „Erweiterung des Horizontes der Vernunft" eine Herausforderung zur Nachforschung darstelle, ob Christus, der in seiner Kirche lebt und anwesend ist, auf den ewigen Durst des Menschen eine Antwort gebe.

Nur unsere Freiheit, die sich an einem Dialog mit Christus bemesse, könne die rechte Antwort finden, von der unser Glück abhänge - „und vielleicht die Zukunft der Welt".

„Jesus von Nazarath" ist für Mennini das Buch eines gebildeten Mannes, eines Europäers unserer Zeit, der als Protagonist die Anstrengung der Begegnung und Konfrontation zwischen Glaube und Vernunft erlebt habe und gestärkt daraus hervorgegangen sei.