Johannes der Täufer - klare Aussagen

Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 766 klicks

Nicht selten sehen wir, dass das Evangelium wichtige Fragen beantwortet, aber auch manchmal neue Fragen aufwirft.

Heute erleben wir im Sonntagsevangelium, wie Jesus in der Einsamkeit gebetet hat und anschließend seine Jünger fragt: “Für wen halten mich die Leute?” Die Antwort der Jünger ist typisch menschlich. Die Leute verwechseln Fakten mit Meinungen. Die einen halten Jesus für Johannes den Täufer, andere für Elija. Wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Wir kennen das ja auch heute, mangels genauer Information oder aufgrund menschlicher Schwäche meint jeder etwas anderes zu wissen.

Jesus ist sich dessen bewusst, aber er möchte wenigstens den Jüngern eine genaue Information geben. Er möchte ihnen sagen, dass er der lang ersehnte Messias ist. Aber – und das ist das wunderbar Menschliche an Jesus – er scheut sich, es rundheraus zu sagen, da ihm das wenig demütig erscheint.

Und kaum hat er es ihnen gesagt, verbietet er ihnen, es weiterzusagen. Warum? Wahrscheinlich ist einer der Gründe dafür, dass der Herr den Menschen nicht nur Informationen, sondern ein tieferes Verständnis vermitteln will. Nach seiner (göttlichen) Pädagogik sollen die Menschen von selbst darauf kommen, auch die wichtigen Dinge sollen sie sich nicht in den Schoß legen lassen, sondern sie sollen sie sich selbst erarbeiten.

Aber wir Menschen sind oft so schwerfällig, dass diese Methode nicht immer zieht. Deswegen muss Jesus meistens etwas nachhelfen.

Eigentlich müssten ja die Zeichen, die er wirkt, genügen, damit die Leute erkennen, dass er tatsächlich der Messias ist. Als Johannes aus dem Kerker fragen lässt: “Bist du es (nämlich der Messias) oder sollen wir auf einen anderen warten?” (Lk 7,19) gibt er einen indirekten Hinweis: “Blinde sehen, Lahme gehen und Aussätzige werden rein” (Lk 7,22). Für Johannes ist das eine klare Antwort: Jesus ist der Messias.

Johannes selbst ist ein Mann der klaren Aussagen. Bei ihm geht es immer ums Ganze, um die Erfüllung des Willens Gottes. Dabei ist er manchmal ausgesprochen kompromisslos. Würde er heute leben, würde er sich mit Sicherheit die Ungnade der Medien zuziehen. Wenn er schon mit großer Schärfe das ehebrecherische Verhältnis des Herodes mit der Frau seines Bruders tadelt, was hätte er wohl zu den Kapriolen gesagt, die heute in der öffentlichen Diskussion als eheähnliche und durchaus akzeptable Verbindungen angesehen werden (neuerdings sogar von der Evangelischen Kirche in Deutschland)? Jesus hat eine andere Art zu sprechen als der Täufer, aber für ihn ist immerhin Johannes “der größte der von einer Frau Geborenen” (Mt 11,11), also der größte aller Menschen.

Es wird behauptet, die Verhältnisse hätten sich geändert. Hier werden wieder – typisch menschlich – Äpfel mit Birnen verwechselt. Geändert haben sich viele materielle Gegebenheiten. Naturwissenschaft und Technik bestimmen in ganz anderer Weise als früher das Leben der Menschen. Aber das ist nur das Äußere. Im “Inneren” hat sich interessanterweise nichts geändert: die Phänomene Leben und Tod, Mann und Frau, Treue, Liebe und Freundschaft, Wahrheit und Lüge, Hass und Menschenfreundlichkeit. Nichts von alledem ist heute anders als im alten Ägypten oder zur Zeit Jesu oder im Mittelalter. Aus diesem Grunde kann man auch die alte Lehre von den Tugenden (Aristoteles, Thomas von Aquin) eins zu eins auf unsere heutigen Verhältnisse übertragen. Die Tugend beispielsweise der Klugheit oder der Mäßigkeit hält für den heutigen Menschen die gleichen Herausforderungen bereit wie bei einem Seneca oder Augustinus.

Im Evangelium des Festes vom 24. Juni wird eine sehr menschliche Szene im Leben des Heiligen geschildert. Die Verwandtschaft debattiert über die in jeder Familie in dieser Situation auftauchende Frage: welchen Namen soll das Kind bekommen? Die rein menschliche Sicht der Onkel und Tanten argumentiert: “Johannes? So heißt doch keiner in der Verwandtschaft.” Sein zwischenzeitlich verstummter Vater aber setzt den übernatürlichen Standpunkt durch: “Sein Name ist Johannes!” (Lk 1,60). Das war der Wille Gottes, und so sollte es geschehen.

Vorschlag: Halten wir es eher mit Zacharias als mit den Onkeln und Tanten!

Zacharias wurde für seine klare Aussage belohnt: er war nicht länger sprachlos.

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Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).