Johannes Paul II. an die Priester: vermeidet "Rigorismus" und "Laxismus" bei der Beichte

Appell zur Wiederentdeckung des göttlichen Verzeihens durch das Sakrament

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VATIKAN, 22. März, 2002 (ZENIT.org).- Der Heilige Vater hat in seinem traditionellen Gründonnerstagsschreiben an die Priester appelliert, das Sakrament der Versöhnung wiederzuentdecken und bei der Beichte "Rigorismus" und "Laxismus" zu vermeiden.



Nach Jahren der Krise sei das Sakrament wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückgekehrt wie der Weltjugendtag von Rom 2000 bewiesen habe. Den 405.000 katholischen Priestern auf der Welt legte der Papst pastorales Gleichgewicht ans Herz, denn "dieser Dienst leidet seit jeher unter den gegensätzlichen Einflüssen zweier übertreibender Positionen: dem Rigorismus und dem Laxismus".

"Der Rigorismus trägt dem ersten Teil der Zachäus-Geschichte nicht Rechnung: der zuvorkommenden Barmherzigkeit, die zur Umkehr bewegt und auch die geringsten Fortschritte in der Liebe gelten lässt, weil der Vater das Unmögliche tun will, um den verlorenen Sohn zu retten".

"Die zweite Übertreibung, der Laxismus, berücksichtigt nicht, dass das volle Heil, also nicht nur das angebotene, sondern das empfangene, das den Menschen tatsächlich heilt und erhebt, eine echte Umkehr zu den Forderungen der Liebe Gottes einschließt".

"Wenn Zachäus den Herrn in seinem Haus angehört hätte, ohne zu einer Haltung zu gelangen, die ihn sich der Liebe öffnen, das angerichtete Böse wiedergutmachen und einen festen Vorsatz zu einem neuen Leben fassen ließ, hätte er in seinem Inneren nicht die Vergebung empfangen, die ihm der Herr mit so großer Zuvorkommenheit angeboten hatte".

Der Papst betont, "man muß immer achtgeben, das richtige Gleichgewicht zu halten, um in keines dieser beiden Extreme zu verfallen".

"Der Rigorismus erdrückt und stößt ab. Der Laxismus verzieht und täuscht.

Der Diener der Vergebung, der für den Pönitenten das Angesicht des Guten Hirten verkörpert, muss in gleichem Maße die zuvorkommende Barmherzigkeit und die heilende und versöhnende Vergebung zum Ausdruck bringen", erklärt er.

"Auf Grund dieser Prinzipien ist der Priester beauftragt, im Gespräch mit dem Pönitenten zu erkennen, ob dieser für die sakramentale Absolution bereit ist."

"Wenn sich kein gegenteiliger Eindruck ergibt, darf der Priester davon ausgehen, dass der Pönitent beim Beichten der Sünden echten Schmerz über sie empfindet und den entsprechenden Vorsatz zur Besserung hat". Diese Annahme wird um so mehr begründet sein, "wenn es der Beichtpastoral gelingt, für geeignete Hilfen zu sorgen, indem sie Zeiten zur Vorbereitung auf das Sakrament sicherstellt, die den Pönitenten helfen sollen, ein ausreichendes Bewusstsein für das reifen zu lassen, worum sie bitten. Es ist jedoch klar, dass der Beichtvater dort, wo offensichtlich das Gegenteil zutage tritt, die Pflicht hat, dem Pönitenten zu sagen, dass er für die Absolution noch nicht bereit ist".

"Wäre diese jemandem gewährt worden, der ausdrücklich erklärt, sich nicht bessern zu wollen, würde der Ritus zu reiner Illusion verkommen, ja er hätte den Beigeschmack eines fast magischen Aktes, der vielleicht einen Anschein von Frieden wecken, aber sicher nicht den von der Umarmung Gottes garantierten tiefen Frieden des Gewissens bewirken könnte".

"Im Lichte des Gesagten erscheint es auch besser, dass die persönliche Begegnung zwischen dem Beichtvater und dem Pönitenten der ordentliche Weg der sakramentalen Versöhnung ist, während die Form der Generalabsolution Ausnahmecharakter haben soll. Nachdem jahrhundertelang die Form der öffentlichen Buße vorherrschte, hat sich bekanntlich die kirchliche Praxis schrittweise auf die private Bußfeier hin entwickelt".

Auch forderte der Papst die Priester zum Schluss noch auf: "Entdecken wir aufs neue voll Freude und Zuversicht dieses Sakrament! Leben wir es vor allem für uns selbst als ein tiefes Bedürfnis und eine stets neu ersehnte Gnade, um unserem Weg der Heiligkeit und unserem Amt wieder Kraft und Schwung zu verleihen".