Johannes Paul II. und die göttliche Barmherzigkeit

Impuls zum Barmherzigkeitssonntag 2014

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 400 klicks

Seit einigen Jahren wird der Sonntag nach Ostern als “Barmherzigkeitssonntag” begangen. Diese liturgische Neuerung verdankt die Kirche dem unvergessenen Papst Johannes Paul II., der ihn im Jahre 2000 im Zusammenhang mit der Heiligsprechung der Sr. Faustina einführte. Die Lebensleistung dieses Papstes, der schon bald nach seinem Tode von vielen als Johannes Paul der Große bezeichnet wurde, ist gewaltig und in so vielen Veröffentlichungen gewürdigt worden, dass sie hier nicht eigens erwähnt zu werden brauchen.

Unter seinen vielen Großtaten ist aber vielleicht die bedeutendste, dass er mehr als das in der Kirche ohnehin schon immer geschehen ist, auf die schier grenzenlose Barmherzigkeit Gottes hingewiesen hat.

Wie sinnvoll in unserer oft so unbarmherzigen Welt!

Es besteht eine eigenartige Parallele zwischen der Einführung dieses Festes und der des Festes Fronleichnam.

Im Hohen Mittelalter, genauer gesagt im Jahre 1209, hatte eine Ordensfrau, Juliane von Lüttich, Visionen, in denen sie sah, dass im Kirchenjahr ein Fest zu Ehren der Eucharistie fehlte. Sie teilte ihre Schauungen ihrem Beichtvater mit; dieser wurde, viele Jahre später, Bischof, Kardinal und bestieg schließlich als Urban IV. den päpstlichen Thron. Er sorgte dafür, dass im Jahre 1264 das neue Fest Fronleichnam für die ganze abendländische Kirche vorgeschrieben wurde.

Im Jahre 1931 hatte die polnische Ordensschwester mit bürgerlichem Namen Helena Kowalska, Schauungen unseres Herrn Jesus Christus, aus denen sie verstand, dass der Herr die besondere Verehrung der Göttlichen Barmherzigkeit wünschte. Christus veranlasste sie auch, ein Bild malen zu lassen, auf dem zu erkennen ist, wie aus dem geöffneten Herzen Jesu zwei Strahlen auf die Menschen herabkommen: eine weiße und eine rote Lichtgarbe, die - Blut und Wasser aus dem am Kreuz geöffneten Herzen - die Liebe und die Barmherzigkeit Gottes darstellen sollten. Auch verlangte der Herr die Einführung eines neuen Festes, nämlich das der Göttlichen Barmherzigkeit am Sonntag nach Ostern. Sr. Faustina, so der Ordensname der Nonne, starb am 5. Oktober 1938 in Krakau. Der zuständige Bischof, der den Informativprozess zur Seligsprechung im Jahre 1967 abschloss, hieß Karol Woityla. Er schickte die Akten nach Rom und konnte selbst, als Papst Johannes Paul II. am 18. April 1993 die Ordensschwester selig- und später heiligsprechen.

Wie sich die Bilder gleichen!

Johannes Paul II. hat in seinem langen Pontifikat die Höhen und Tiefen der Kirche des 20. Jahrhunderts am eigenen Leibe zu spüren bekommen, einschließlich des Martyriums, das die Kirche im vergangenen Jahrhundert ausgiebig zu spüren bekam. Auch er wäre um ein Haar als Märtyrer gestorben, als ihn am 13. Mai 1981 die Kugel eines gedungenen Mörders traf. Er hatte später die Sicherheit, dass nur die Fürsprache der Muttergottes von Fatima, an deren Tag das Attentat geschah, ihm das Leben gerettet hatte.

Ein Jahr danach, am 13. Mai 1982 begab er sich als Pilger nach Fatima, um der Gottesmutter zu danken. In einem eindrucksvollen Weihegebet lenkte er erneut die Aufmerksamkeit der Menschen auf das Phänomen der göttlichen Barmherzigkeit, die uns durch die Fürsprache Mariens geschenkt wird. Er betete:

„Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unendliche Macht der erbarmenden Liebe. Dass sie dem Bösen Einhalt gebiete! Dass sie die Gewissen wandle! In Deinem unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung!“

Als wollte der Herr diese seine große Predigt über das göttliche Erbarmen als den Höhepunkt seines Lebenswerks herausstellen, geschah es, dass der Papst, als er nicht mehr davon sprechen konnte, durch seinen Tod von der Barmherzigkeit Gottes Zeugnis geben sollte. Johannes Paul II. starb nach langem Leiden genau am Vorabend des Sonntags der Göttlichen Barmherzigkeit des Jahres 2005. Sein Sekretär, Msgr. Djivic, zelebrierte an seinem Sterbelager abends um 20.00 Uhr die Hl. Messe vom Barmherzigkeitssonntag.

Heute wird Papst Franziskus ihn auf dem Petersplatz heilig sprechen. Es ist wiederum der Barmherzigkeitssonntag.

„Jesus, der Herr, knüpft an dieses Fest große Verheißungen. Insbesondere für Jene, die an diesem Tag das Sakrament der Beichte und der heiligen Kommunion empfangen. Er verspricht den ‚vollkommene Nachlass der Sünden und Sündenstrafen’, eine Gnade die wir ansonsten lediglich im heiligen Sakrament der Taufe empfangen können“ (Sr. Faustina).

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).