José Luis Sánchez, 14 Jahre und Märtyrer

Zwei Augenzeugen erinnern sich an seine Hinrichtung

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GUADALAJARA, 5. September 2005 (ZENIT.org).- Mit 12 anderen mexikanischen Glaubenszeugen wird am 20. November dieses Jahres auch José Luis Sánchez del Río (1913-1928), ein 14-jähriger Märtyrer, von Kardinal José Saraiva Martins, dem Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, in der mexikanischen Erzdiözese Guadalajara selig gesprochen. Die Hinrichtung des Jungen am 10. Februar 1928 blieb zwei Augenzeugen und Gründergestalten der Kirche in lebhafter Erinnerung.



Pater Marcial Maciel, Gründer der Legionäre Christi, und Pater Enrique Amezcua Medina, Gründer der Priesterbruderschaft der "Arbeiter für das Reich Christi" ("Operarios del Reino de Cristo"), waren kleine Kinder, als sie den jungen mexikanischen Märtyrer José Luis Sánchez kennen lernten. Noch heute sind sie vom Heroismus, den er am letzten Tag seines Lebens auf Erden bezeugte, tief beeindruckt.

José Luis stammte aus der Stadt Sahuayo im mexikanischen Bundesstaat Michoacan und schloss sich mit 13 Jahren den "Cristeros" an, einer Gruppe mexikanischer Katholiken, die der religiösen Verfolgung durch die damalige mexikanische Regierung unter Plutarco Elías Calles zähen Widerstand leistete. Ein Jahr später, am 10. Februar 1929, fand José Luis den Tod. Seine Hinrichtung musste der damals 7-jährige Marcial Maciel mit eigenen Augen miterleben.

José Luis "wurde von Regierungstruppen gefangen genommen. Sie wollten der Bevölkerung, die den Cristeros Unterstützung gewährte, eine Lehre erteilen", mit diesen Worten beschreibt Pater Maciel die Ermordung des zukünftigen Seligen in dem Buch "Christus ist mein Leben".

"Es lebe Christus, unser König"

"Unter Todesstrafe forderten sie von ihm, seinem Glauben abzuschwören, doch José Luis weigerte sich, Christus zu verleugnen. Seine Mutter war von Kummer und Pein überwältigt, hörte aber nicht auf, ihrem Sohn Mut zu machen. Dann wurde ihm die Haut der Fußsohlen abgezogen, und man zwang ihn, durch das ganze Dorf bis zum Friedhof zu gehen. Er heulte und jammerte vor Schmerz, aber er gab nicht nach." Immer wieder habe man ihn angehalten und ihm gesagt: "Wenn du rufst: 'Tod Christus, dem König!', dann wird dir das Leben geschenkt werden. Sag es, sag: 'Tod Christus, dem König!'" José Luis aber habe den Ruf der "Cristeros" angestimmt: "Es lebe Christus, unser König!"

Beim Friedhof angekommen, habe man ihn noch einmal aufgefordert, Christus zu verleugnen. "Er weigerte sich und wurde auf der Stelle erschossen. Während er starb, rief er wie zahlreiche andere Mexikaner: 'Es lebe Christus, unser König!' Das sind Bilder, die sich unauslöschlich in mein Gedächtnis und in das Gedächtnis des mexikanischen Volkes eingeprägt haben, auch wenn man in der offiziellen Geschichtsschreibung nicht viel davon hört."

"Du wirst Dinge tun, die mir versagt bleiben"

Pater Medina war neun Jahre alt, als er der Hinrichtung seines älteren Freundes beiwohnte. In seinem Buch über die Priesterbruderschaft, die er gründete, schreibt er, dass seine Begegnung mit José Luis von der Vorsehung Gottes herbeigeführt worden sei. Er habe ihn nämlich eines Tages gefragt, ob er nicht mit ihm losziehen könne. Und auf Rücksicht seines zarten Alters habe ihm der zukünftige Selige diesen Wunsch nicht gewährt, sondern geantwortet: "Du wirst Dinge tun, die mir versagt bleiben " – Worte, die Enrique Medina nach eigener Aussage den Weg des Priestertums erschlossen.

Das Seminar seiner Priestergemeinschaft in Salvatierra im Bundesstaat Guanajuato (Mexiko) trägt heute den Namen "Christkönig"-Seminar, und das Internat heißt "José Luis", zu Ehren des zukünftigen Seligen, dessen Reliquien in der Kirche vom heiligsten Herzen Jesu in Sahuayo aufbewahrt werden.