Josef der Arbeiter

Impuls zum 1. Mai

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 30. April 2012 (ZENIT.org). - Sagen wir es einmal ganz deutlich: Wir Katholiken sind etwas lahm. Immer wieder lassen wir zu, dass andere das tun, was eigentlich unsere ureigenste Sache wäre. Wäre es nicht unsere Aufgabe gewesen, die Bewahrung der Schöpfung auf unser Panier zu schreiben, denn unser Planet, der mehr ist als Umwelt, hat es verdient, umhegt und gepflegt zu werden, da er aus den Händen unseres himmlischen Vaters hervorgegangen ist. Stattdessen wurde und wird er oft von Geschäftmachern ausgeplündert und verunstaltet. Wir haben dazu geschwiegen. Die Grünen haben sich dieses wichtige Anliegen zu eigen gemacht und mit Erfolg dafür gekämpft, dass man die Natur wirklich respektiert.

Etwas Ähnliches geschah schon vor Jahrzehnten mit dem Thema „Arbeit”. Die Christen hätten dazu sehr viel sagen können, ist doch Gott selbst der große Arbeiter, der nach seinem Sechstagewerk selber befand, dass „es gut war” und der daher am siebten Tage ausruhte und damit vom Anfang zwei Aspekte der Arbeit zeigte. Erstens, dass die Arbeit einen Sinn hat, und zweitens, dass sie auch das adäquate Ausruhen mit einschließt.

In der Geschichte dieses in jeder Weise sehr schönen Feiertages haben verschiedene ideologische Kräfte mitgemischt. Anfang 1886 rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai auf – in Anlehnung an die Massendemonstration am 1. Mai 1856 in Australien, welche ebenfalls den Achtstundentag forderte. Das Anliegen war sicher berechtigt, aber ist die Arbeit nicht etwas mehr als Begrenzung der Arbeitszeit?

In Deutschland wurde der 1. Mai staatlicher Feiertag im Jahre 1933 durch die Nationalsozialisten, nach dem 2. Weltkrieg wurde er sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR als Tag der Arbeit gefeiert, in der DDR mit dem Zusatz „Kampf- und Feiertag”. Als Christen können wir es natürlich nur begrüßen, dass den Arbeitnehmern soziale Gerechtigkeit widerfährt. Aber weder linke noch rechte Ideologien machen eine brauchbare Aussage über die Arbeit als solche. Die Marxisten finden, dass die Arbeit den Menschen „entfremdet”, die Nationalsozialisten verstiegen sich in ihrem Zynismus ausgerechnet als Inschrift über einem Konzentrationslager zu der Aussage „Arbeit macht frei”.

Da hat die Kirche sicher mehr zu sagen. Zunächst sagt sie, was die Arbeit nicht ist, sie ist nicht Folge der Erbsünde, als müsste der Mensch nach der Vertreibung aus dem Paradies arbeiten als Strafe für seine Sünde.

Der hl. Josefmaria, der über die Arbeit sehr viel gesagt und geschrieben hat (ich verweise auf seine berühmte Ansprache am 8.10.1967 in Pamplona), weist darauf hin, dass der Mensch von Gott geschaffen wurde, „ut operaretur”, damit er arbeite. Will sagen, dass es zu seiner Bestimmung gehört, Arbeiten auszuführen, Werke zu vollbringen, so wie sein Schöpfer auch. Nicht die Arbeit ist Strafe für die Sünde, sondern nur die Begleitumstände, wie sie nach dem Sündenfall dazu kamen: dass die Arbeit mühsam sein kann, unbefriedigend oder langweilig. Ursprünglich war das Arbeiten die reine Wonne, und, da wir Menschen durch die Sünde auch nicht total verdorben sind, ist das auch heute noch gelegentlich so. Und wenn der Mensch erst einmal alle Läuterung durchgangen hat, wird es auch wieder in beglückendem Maße so sein. Wie aber sollen wir uns in der Zwischenzeit zur Arbeit stellen, die jeder Mensch sowieso zu tun hat? Wir sollen versuchen sie zu heiligen. In ihr nicht ein notwendiges Übel sehen, etwas, das den frommen Menschen womöglich von der Beschäftigung mit Gott abhält, sondern im Gegenteil: wir können sie als ein Mittel der Begegnung mit Gott ansehen und nutzen. Wir können sie ihm schenken, so wie man ihm eine Gabe oder ein Gebet schenkt. Es kommt hinzu, dass wir die Arbeit gut machen werden, weil sie ja für ihn ist. Eine nicht zu unterschätzende Begleiterscheinung.

Um all das, was grundsätzlich nicht neu ist, den Menschen wieder vor Augen zu stellen, hat die Kirche die Gelegenheit genutzt, den 1. Mai als Festtag des Hl. Josefs, des Arbeiters, einzurichten, aus der vielfältigen Erfahrung heraus, dass der Mensch Vorbilder braucht, an denen er sich orientieren kann. Das Fest Josef der Arbeiter existiert seit 1955, und auch in diesem Fall könnte man kritisch fragen, warum denn nicht eher? Warum mussten wir erst warten, dass andere den Gedanken aufgreifen? Josef Schüttfort pflegte zu sagen: „Wir Katholiken sollten die Dinge in der Welt tun. Wenn wir sie nicht tun, machen es die anderen – aber anders."

Dennoch, seien wir nachsichtig, man kann es ja auch so sehen: schließlich verdanken wir es weltlichen Mächten, dass die Kirche um ein schönes Fest reicher ist. Und der hl. Josef, „unser Vater und Herr”, wird uns mit bewährter Hand in den Marienmonat hineinführen. Mit diesen beiden, Maria und Josef, die Jesus buchstäblich am nächsten standen, kann uns die Arbeit zum Gebet und das Gebet zur Arbeit werden.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.