Jubelnder Dank an Papst Benedikt: Wir erleben ein Wechselbad der Gefühle

Heiliger Vater begegnet den Priestern seiner Diözese

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1396 klicks

Minutenlange stehende Ovationen zu der gregorianischen Melodie des „Tu es Petrus“ gab es heute bei dem traditionell am Donnerstag nach Aschermittwoch stattfindenden Treffen des Papstes mit den Priestern seiner Diözese in der Audienzhalle. Diesmal war es das letzte Treffen des Bischofs von Rom mit „seinen“ Priestern, bei dem auch zahlreiche Bischöfe anwesend waren. Mit der Allerheiligenlitanei hatte man sich auf das Treffen vorbereitet.

„Viva il Papa“-Rufe hier, ernste Gesichter, besonders bei den applaudierenden Bischöfen, dort. Generalvikar Agostino Vallini hatte dem Papst vor Betreten der Halle Pauls VI. gedankt und ihn anschließend beim Eintritt begleitet.

„Wir fühlen uns heute so ähnlich wie die Gemeinde von Ephesus, die Paulus vor seinem Aufbruch als Gefangener nach Rom noch ein letztes Mal zu sich ruft. ‚Alle brachen in Tränen aus‘, berichtet die Apostelgeschichte, ‚fielen dem Apostel um den Hals und küssten ihn.‘ Wir erleben derzeit ein Wechselbad der Gefühle – Trauer und Respekt, Bewunderung und Bedauern, Zuneigung und Stolz“, so Vallini in seinen Dankworten laut Radio Vatikan. „Sie haben uns in den letzten Jahren immer um unseren Beistand im Gebet gebeten, und in diesen schwierigen Tagen – wie Sie formuliert haben – ist Ihre Bitte noch dringender. Ich versichere Ihnen im Namen aller römischen Priester, dass wir Sie wirklich lieben und noch stärker für Sie beten werden!“

„Ich danke euch für eure Zuneigung und für eure Liebe zur Kirche und zum Papst“, eröffnete Papst Benedikt XVI. das Treffen, Worte, die er in den Beifall vor dem „Der Friede sei mit euch“ in den jubelnden Beifall hineinsprach. Er spüre das Gebet fast physisch, versicherte der Heilige Vater, der angesichts „seiner Umstände, seines Alters keine große Rede vorbereiten konnte.“

Er sprach stattdessen über seine Erlebnisse während des Zweiten Vatikanischen Konzils. Radio Vatikan zitiert ihn: „1959 hat man mich zum Professor an der Uni Bonn ernannt, wo die Priesteramtskandidaten aus dem Erzbistum Köln und anderen umliegenden Bistümern studieren. So bin ich in Kontakt gekommen mit Kardinal Frings, und als dieser von Kardinal Siri von Genua 1961 gebeten wurde, einen Vortrag über das Konzil und die moderne Welt zu halten, hat Kardinal Frings mich, den jüngsten unter den Professoren, gebeten, ihm dazu einen Entwurf zu schreiben. Der hat ihm gefallen, und so hat er ihn in Genua genauso vorgetragen.“ Kurz darauf habe Johannes XXIII. Frings zu einer Audienz in den Vatikan bestellt. „Und er war voller Angst, ob er vielleicht etwas Unkorrektes oder Falsches gesagt haben könnte. Er fürchtete, dass man ihm jetzt Vorwürfe machen oder ihm sogar den Kardinalspurpur wieder entziehen könnte.“ (Lachen bei den Zuhörern) „Ja! Als sein Sekretär ihn für die Audienz angekleidet hat, sagte er ihm: Vielleicht tragen Sie das Zeug ja zum letzten Mal.“ (Lachen bei den Zuhörern) „Dann geht er hinein, und Papst Johannes geht ihm entgegen, umarmt ihn und sagt: „Danke, Eminenz, Sie haben genau das gesagt, was ich sagen wollte, aber ich habe nicht die Worte dafür gefunden!“ (Lachen, Beifall)

Weiter sprach der scheidende Pontifex dann über die „unglaubliche Erwartung“ an das Konzil, die alle empfunden hätten, die Hoffnung, dass eine neue Ära heraufziehen werde. Die Kirche sei damals noch ziemlich robust gewesen, aber man habe gespürt, dass die Kirche im Moment nicht voranschreite, sondern eher schrumpfe, sie „schien eher eine Realität der Vergangenheit und nicht die Trägerin der Zukunft.“

Die Beziehung der Kirche zur Welt sei damals konfliktreich gewesen; vom Konzil habe man erwartet, es werde die Kirche zu einer „Kraft des Morgen“ machen und einen „wahren Fortschritt“ auf den Weg bringen.

Er zitierte Kardinal Frings mit den Worten: „Kardinal Frings, der für seine absolute Treue zum Heiligen Vater bekannt war, hat gesagt: ‚Der Papst hat uns als Konzilsväter, als Handelnde zusammengerufen, um die Kirche zu erneuern, und so wollen wir unseren Beitrag dazu leisten.‘“

Diese Haltung habe sich bereits am ersten Tag bei der Wahl der Kommissionen seinen Niederschlag gefunden, als die ersten Abstimmungen verschoben worden seien. Die Konzilsväter hätten nicht nur einfach über vorbereitete Namenslisten abstimmen, sondern wirklich Handelnde sein wollen, erinnerte sich Benedikt XVI., der seit 1962 offiziell als Peritus (Berater) fungierte.

Er habe damals im Priesterkolleg von Santa Maria dell’Anima gewohnt und viele Kardinäle, Kirchenleute und Theologen kennen gelernt: Das Konzil sei aus „vielen kleinen Begegnungen gemacht“ gewesen und für ihn „eine Erfahrung der Universalität der Kirche“ geworden.