Juden, Christen und Muslime diskutierten über die Vorlesung Benedikts XVI. in Regensburg

Begegnung auf dem Rimini-Meeting 2007

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RIMINI, 24. August 2007 (ZENIT.org).- „Gott rette die Vernunft“: Unter diesem Titel diskutierten Exponenten der drei großen monotheistischen Weltreligionen auf dem Meeting von „Comunione e Liberazione“ in Rimini (Italien) über die „lectio magistralis“ Benedikts XVI. an der Universität Regensburg am 12. September 2006.



Als Vortragende waren geladen: Wael Farouq, Dozent für Islamwissenschaften an der Koptisch-katholischen Fakultät Sakaini in Kairo, Sari Nusseibeh, Präsident der al-Quds-Universität in Jerusalem und Joseph H. H. Weiler, Professor für Internationales Recht und Europarecht an der New Yorker University Law School und am Europakolleg in Brügge sowie Leiter des Jean Monnet Center for International and Regional Economic Law and Justice.

Während der Begegnung bekräftigte Farouq in Übereinstimmung mit Papst Benedikt XVI., dass „der Nihilismus und der Fundamentalismus durch die gemeinsame Verachtung Gottes und des Menschen miteinander verbunden seien. Während der Nihilismus die Wahrheit verleugne, wolle der Fundamentalismus seine Wahrheit aufzwingen. Daraus entstehe dann Gewalt – „eine Gewalt, die mit dem Liebesgebot besiegt werden kann“. Die Vernunft ist nach Worten des islamischen Gelehrten eine „Beziehung, die auf der Liebe fußt“. Glaube ohne Vernunft könne sich nicht entfalten. Farouq erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die Worte Mohammeds, der unter anderem gesagt hatte: „Ihr werdet keine Brüder sein, solange ihr euch nicht gegenseitig liebt.“

Die Regensburger Vorlesung ist in den Augen Farouqs ein möglicher Weg zur Bekanntmachung und Vertiefung der Beziehung von Glaube und Vernunft in der arabischen Welt.

Sari Nusseibeh legte dar, dass „die islamische Tradition von rationalem Geist ebenso durchdrungen ist wie das Christentum“. Aus diesem Grund „sind Islam, Christentum und Judentum eine einzige Strömung, die in verschiedenen Formen zum Ausdruck kommt“. Für den Präsidenten der Al-Quds-Universität „hat das von Benedikt XVI. berührte Problem nichts mit der Vernunft als solcher zu tun, sondern mit der Vernünftigkeit, was bedeutet, dass man das eigene Bekenntnis mit Mäßigung leben soll. Es gibt keine fanatischen Religionen, es gibt nur fanatische Menschen.“

Nusseibeh hob hervor: „Ich bin ein Mensch des Glaubens, weil ich ein vernünftiger Mensch bin. Und darin besteht die glückliche Übereinstimmung der Botschaften Benedikts XVI. und Don Giussanis.“

Joseph Weiler zeigte sich über die Regensburger Rede des Papstes sehr zufrieden. Es sei eine „mutige Vorlesung“ gewesen, in der deutlich geworden sei, dass Achtung und Respekt nicht dadurch erwiesen oder erreicht werden können, indem man hinsichtlich des Wesenskerns des eigenen Glaubens Kompromisse eingeht.

Weiler forderte die Christen dazu auf, Religion nicht nur in der Privatsphäre zu leben, und er bekräftigte, dass Europa und Christentum untrennbar zusammengehörten. Niemand würde vom Bruch dieser Verbindung Nutzen ziehen, ganz gleich, ob es sich nun um einen Christen oder einen Nichtchristen, um einen Europäer oder einen Nichteuropäer handle. „Es gibt kein Europa ohne Christentum, und es gibt kein Christentum ohne Europa“, so Weiler. Die Kirche werde nicht dieselbe bleiben, verlöre sie ihre europäischen Wurzeln.