Jüdische Delegation bei Heiligsprechung

Der Dialog dauert an

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 354 klicks

Unter den Religionsgemeinschaften, die an der gestrigen Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. teilnahmen, war auch eine jüdische Delegation von 20 Personen anwesend, die den Feierlichkeiten beiwohnten. Der Vorsitzende der nordamerikanischen Rabbi-Gemeinschaft, Jay Rosenbaum, sagte gegenüber Radio Vatikan, die Heiligsprechung der beiden Päpste sei ein historisches Ereignis, das auch für das Judentum ein wichtiger Moment sei, da Johannes XXIII. und Johannes Paul II. die Beziehung des Christentums zum Judentum maßgeblich verändert haben. Er sagte:

„Es begann mit Johannes XXIII., der die 2000 Jahre alte katholische Doktrin geändert hat, und es möglich gemacht hat, dass Katholiken und Juden als Partner zusammenarbeiten können im Prozess, den wir im Jüdischen ,Tikkun ha-Olam‘ nennen: ,Die Welt reparieren nach dem Bild, das Gott für all seine Kinder bereit hält.‘ Es ging mit Johannes Paul II. weiter, der die Tiefe der Unmenschlichkeit und den Horror der Vergangenheit verstanden hat und das Bedürfnis erkannte, dass sich etwas ändern müsse – nicht nur theologisch, sondern auch allgemein, in der Einstellung. Er war eine Inspiration für mich.“

Rosenbaum sagte, er habe sich nicht mehr wünschen können, als von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. für den Dialog zwischen Juden und Christen getan worden wäre. Der Einsatz für den Dialog spiegele den Stil der beiden Päpste wieder. Sie seien beide sehr mutig und von Größe gekennzeichnet gewesen und haben einen Weg vorgegeben, dem andere hätten folgen können.

Auch für den argentinischen Rabbiner und engen Freund von Papst Franziskus, Abraham Skorka, ist die Heiligsprechung der beiden Päpste von großer Bedeutung. Gegenüber Radio Vatikan erinnerte er an den Einsatz Roncallis für die Juden während seiner Zeit als Nuntius in Athen. Skorka sieht mit ihm den Beginn der guten Beziehungen zwischen Juden und Christen, ein Prozess, den Johannes Paul II. weitergeführt habe. Er sagte, Johannes Paul II. habe den Geist von ‚Nostra Aetate‘ verkörpert.

„In ‚Nostra Aetate‘ ist ein Geist, eine Absicht, eine Erklärung: ,Lasst uns von nun an eine andere Situation, eine andere Beziehung schaffen.‘ Die Geschichte ist Geschichte und wir können die Vergangenheit nicht verändern. Was wir aber ändern können, ist die Zukunft. Und er hat eine Menge getan…“

Am Tag der Heiligsprechung sprach Skorka drei Dinge an, für die er Johannes Paul II. dankbar sei. Zunächst einmal sei er als erster Papst nach Jahrhunderten in eine Snagoge gegangen, um einen Rabbiner und dessen jüdische Gemeinde – in diesem Fall von Rom – zu treffen. Dann dankte er ihm für die diplomatischen Beziehungen, die er zwischen dem Vatikan und dem Staat Israel geschaffen habe. Als dritten Punkt dankte er Johannes Paul II. für Worte, die er auf das Blatt geschrieben habe, das er bei seinem Besuch in Jerusalem in die Klagemauer gelegt habe, Worte der Anerkennung der Fehler, die die katholische Kirche in der Vergangenheit gegenüber den Juden gemacht habe.

Skorka sagte gegenüber Radio Vatikan, im Judentum gebe es keine Heiligenverehrung; wer ein vorbildliches Leben im jüdischen Sinne lebe, werde zu einem „Gerechten“. Für ihn sei eine Heiligsprechung eine besondere Auszeichnung, die Menschen zuteilwerde, „die im Geiste unserer Bibel wirklich Meister in ihrem Einsatz waren“.

„Natürlich, ein Heiliger zu sein, all diese Heiligsprechungen – das ist ein bisschen eigenartig für uns. Was aber nicht eigenartig für uns als Juden ist, ist die Anerkennung der Taten dieser beiden wichtigen Persönlichkeiten, dieser beiden außergewöhnlichen Persönlichkeiten. Deswegen werde ich diesen Moment mit der katholischen Kirche teilen, mit unserem Partner auf der Suche nach Gott und dem Schaffen einer besseren Welt.“

Beide Rabbiner sehen positiv und optimistisch in die Zukunft, mit Papst Franziskus werde der jüdisch-katholische Dialog weitergeführt werden. Rosenbaum sagte:

 „Ich glaube, es ist spektakulär, dass ich zusammen mit anderen Rabbinern und anderen Religionsführern hier nach Rom gekommen bin, mit Millionen von Menschen, und dass wir applaudieren und lachen und sogar weinen über die Größe dieses Augenblicks. Der nächste Schritt wird sein, den Dialog an die Basis zu bringen, diese Botschaft der Liebe, der Hoffnung, der Partnerschaft. Die Menschen müssen es verstehen, sie müssen es fühlen und sie müssen zusammenarbeiten.“

Skorka sagte abschließend im Gespräch mit Radio Vatikan, die gleichzeitige Heiligsprechung der beiden Päpste sei eine klare Botschaft von Papst Franziskus. Für ihn seien Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Vorbilder und ihr Licht und ihr Feuer erfülle auch Papst Franziskus.