Jüdische Vertreter begrüßen neues Jesus-Buch des Papstes

"Zurückweisung des Gottesmordvorwurfs zutiefst verinnerlicht"

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Von Michaela Koller

ROM, 3. März 2011 (ZENIT.org).- Jüdische Vertreter in den USA begrüßen schon vorab anhand von Auszügen das neueste Buch Papst Benedikt XVI. „Jesus von Nazareth", dessen zweiter Teil am Donnerstag nächster Woche erscheint. „Der Papst entlastet die Juden für den Tod Jesu" titelt die australische Herald Sun, dabei auf eine Meldung der Agentur Associated Press zurückgreifend. „Papst Benedikt XVI. hat das jüdische Volk vom Tod Jesu Christi reinigend entlastet, indem er einen der umstrittensten Punkte in einem neuen Buch angeht", heißt es darin wörtlich. Ein Vierteljahr nach dem Interviewbuch „Licht der Welt" mit Peter Seewald sorgt das neueste Werk auf diese Weise ebenfalls für Schlagzeilen in den großen Medien.

Anhand von Auszügen, die einigen Medien vorab exklusiv von den Verlagen, die die jeweiligen Sprachausgaben herausgeben, überlassen wurden, urteilt Elan Steinberg von der Amerikanischen Versammlung von Holocaustüberlebenden und ihrer Nachfahren: „Holocaustüberlebende wissen nur zu gut, wie der jahrhundertealte gegenüber den Juden erhobene Vorwurf, „Christusmörder" zu sein, ein vergiftetes Klima des Hasses erzeugte, das zur Grundlage der antisemitischen Verfolgung wurde, die ihren ultimativen Ausdruck im Holocaust fand." Das Buch des Papstes aber bestätige nicht nur die Lehre der Kirche, die den Gottesmordvorwurf widerlegt, sondern besiegele diese auch für eine neue Generation von Katholiken.

„Benedikt erklärt biblisch und theologisch, warum es keine Grundlage in der Heiligen Schrift für die Behauptung gibt, dass das jüdische Volk als Ganzes für Jesu Tod verantwortlich war", schreibt AP. Gegenteilige Auslegungen sind jahrhundertelang dafür missbraucht worden, die Verfolgung der Juden zu rechtfertigen, stellt AP weiter fest. Bereits vor Jahrzehnten habe die katholische Kirche eine mögliche Kollektivschuld der Juden verneint, heißt es darin mit Blick auf das Dokument Nostra Aetate des II. Vatikanischen Konzils weiter.

Das Neue in den Ausführungen des Papstes sei aber der Umstand, dass er sehr gründlich synoptisch die Erkenntnis herleite und dabei keinen Zweifel daran lasse, dass er diese zutiefst persönlich verinnerlicht habe. Der Papst stelle ein für alle Mal klar: Vertreter der Tempel-Aristokratie und Parteigänger des Barabbas, die lauthals dessen Freilassung im Rahmen der Pascha-Amnestie forderten, seien unter den damals lebenden Juden für die Kreuzigung verantwortlich zu machen. Darüber hinaus stelle er fest, dass das Blut, das Jesus vergossen habe, nicht nach Rache und Bestrafung rufe, sondern Versöhnung und Erlösung bedeute. „Es wurde nicht gegen jemanden vergossen, sondern für viele, für alle", heißt es in dem von AP entnommenen Zitat. Der am 10. März erscheinende Band beschäftigt sich mit den Teil des Lebens Jesu, seinem Tod und der Auferstehung.