Jugendarbeit geht über die Familie: Benedikt XVI. empfängt Salesianer

Audienz für die Delegierten des 26. Generalkapitels

| 1054 klicks

ROM, 31. März 2008 (ZENIT.org).- Heute Vormittag empfing Papst Benedikt XVI. die Mitglieder des Generalkapitels der Salesianer Don Boscos in Audienz. „Wagemut“ bei der Verkündigung des Evangeliums, „Geduld“ mit der Jugend, während man ihr die Radikalität des christlichen Lebens vor Augen führt, und „ein offenes Herz“ für ihre Bedürfnisse: In diesen drei Schritten machte der Heilige Vater die Charakterzüge des Salesianers im 21. Jahrhundert aus. Dieser sei dazu aufgerufen, „dem großen Erziehungsnotstand“ entgegenzutreten und sich von einer neuen „apostolischen Leidenschaft“ anstecken zu lassen, wie sie den heiligen Giovanni Bosco ausgezeichnet habe.



Die Jugend von heute blicke auf eine Welt, die schnell ihr soziales, wirtschaftliches und politisches Gesicht ändere, und richte dabei an die Erwachsenen „Grundfragen“ ethischer, kultureller und die Umwelt betreffender Art. Dabei zeige sich, dass die Jugend über Werte verfüge, die von einer tiefen „Sehnsucht nach vollem Leben, wahrer Liebe und konstruktiver Freiheit“ zeugen. Die spezifische Berufung des Salesianerordens besteht für Benedikt XVI. darin, diese Bestrebungen zu erkennen und auf sie zu antworten: mit Antworten, die in der Botschaft Jesu verwurzelt sind. Der Papst ermunterte die Salesianer, auf diesem Weg fortzufahren, in „ganzer Treue“ dem salesianischen Charisma gegenüber. Getreu diesem Charisma erbete man von Gott nur „Seelen“ und sonst nichts.

Das Generalkapitel, an dem 233 Delegierte aus allen Teilen der Welt teilnahmen, stand unter dem Motto: „Da mihi animas, cetera tolle – Gib mir Seelen, alles andere nimm“. Dieses Leitwort hatte Don Bosco zunächst seinem persönlichen pastoralen Wirken und später der gesamten Salesianischen Kongregation vorangestellt.

Auch heute, so Papst Benedikt, könne die Ordensfamilie in der Treue zu ihrem Charisma nur dann wachsen, wenn in ihrem Innern ein starker und vitaler Kern von geweihten Menschen Bestand habe. Aus diesem Grund müsse das vorrangige Engagement der Salesianer darin bestehen, der eigenen Berufung zum geweihten Leben treu zu sein. Dafür sei eine solide Ausbildung unerlässlich, schließlich sei es unabdingbar, dass die Kirche auf Menschen zählen könne, die kulturell gebildet sind sowie ein echtes Gespür und einen ausgeprägten Sinn für die Pastoral vorweisen.

Diese Eigenschaften stünden heute, so der Papst, mit der vorherrschenden Kultur und dem fortschreitenden Prozess der Säkularisierung in Konflikt. Die Säkularisierung spare bedauerlicherweise auch die Gemeinschaften des geweihten Lebens nicht aus. Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, bedürfe es der täglichen Eucharistie, der „lectio divina“, des „einfachen und strengen Lebens“. Dies alles trage zur Stärkung der salesianischen Identität bei.

„Daraus wird sich eine echte Spiritualität der apostolischen Hingabe und der kirchlichen Gemeinschaft ergeben. Die Treue zu einem Leben nach dem Evangelium ‚sine glossa’ und zu eurer Lebensregel, insbesondere ein strenger Lebensstil und die kohärent praktizierte evangelische Armut, die treue Liebe zur Kirche und eure großherzige Selbsthingabe an die jungen Menschen, besonders an die bedürftigsten und benachteiligsten, werden die Blüte eurer Kongregation gewährleisten.“

Dieses den Salesianern eigene „apostolische Modell“ könne eine geeignete Antwort auf den großen Erziehungsnotstand geben . Der Papst erinnerte in diesem Zusammenhang an sein Schreiben an die Diözese Rom über die Herausforderung der Erziehung und bekräftigte erneut, dass Erziehen heute immer schwieriger zu werden scheine: Nicht wenige Eltern und Lehrer liefen Gefahr, nicht einmal mehr zu begreifen, was diesbezüglich ihre Rolle oder besser noch die ihnen anvertraute Sendung sei.

Den Grund hierfür sah Benedikt XVI. in einem „Defizit an Hoffnung“: Aus ihm ergebe sich „die vielleicht tiefste Schwierigkeit für ein wahres Werk der Erziehung: An der Wurzel der Erziehungskrise steht eine Krise des Vertrauens in das Leben.“ Und das fehlende Vertrauen sei im Grunde nichts anderes als „Misstrauen gegenüber Gott, der uns zum Leben gerufen hat“.

Für die Erziehung der Jugend ist es nach Worten des Heiligen Vaters von größter Bedeutung, dass die Familie ein „aktives Subjekt“ sei. „Oft fällt es ihr schwer, der erzieherischen Herausforderung zu begegnen. Oft ist sie unfähig, ihren spezifischen Beitrag zu leisten, und manchmal sie ist überhaupt abwesend.“

In diesem Sinn rief Benedikt XVI. die Salesianer dazu auf, die Familien in ihre Jugendarbeit mit einzubeziehen. „Für die Familien Sorge tragen bedeutet nicht, der Jugendarbeit Kräfte zu entziehen“, unterstrich der Papst: „Im Gegenteil: Diese wird dann nur dauerhafter und wirksamer.“