Jugendjahre in Polen: Spielfilm "Karol - Ein Mann, der Papst wurde" jetzt auf DVD

José García über den beliebtesten Film des Jahres 2005 in Polen

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WÜRZBURG, 4. April 2006 (ZENIT.org).- Anlässlich des ersten Todestags von Johannes Paul II. am 2. April suchten mehrere Fernsehsender mit unterschiedlichen Ansätzen eine filmische Annäherung an den großen Papst. Wählte das Zweite Deutsche Fernsehen für seine Filmbiografie Johannes Pauls II. das Format des "Dokudramas" – das ZDF strahlte Gero von Boehms "Karol Wojtyla - Geheimnisse eines Papstes" am Donnerstag aus – , so hat RTL II am Sonntagmorgen auf einen zweiteiligen Fernsehfilm zurückgegriffen, der bereits in Italien und Polen großen Erfolg zeitigen konnte: "Karol – Ein Mann, der Papst wurde" ("Karol – Un uomo diventato Papa").



Die nach dem Buch "Storia di Karol" von Gianfranco Svidercoschi von Regisseur Giacomo Battiato inszenierte internationale Großproduktion entwickelte sich im April 2005 in Italien zum "Straßenfeger", als er in zwei Teilen im Fernsehen lief. In Polen war "Karol – Ein Mann, der Papst wurde" gar der zuschauerstärkste Film des Jahres 2005. In Deutschland ist der Spielfilm seit Herbst 2005 als DVD erhältlich. Konzentriert sich etwa das ZDF-Dokudrama auf das Jahrzehnt zwischen der Papstwahl und dem Niedergang des Kommunismus, so zeichnet Battiatos Spielfilm die Biografie Karol Wojtylas in den Jahren 1939 - 1978, vom Überfall der deutschen Truppen in Polen bis zur Wahl des Krakauer Erzbischofs zum Papst am 16. Oktober 1978. Sowohl im polnischen Kino als auch in der deutschen DVD (Universal Verleih, 17,95 Euro) wurde "Karol – Ein Mann, der Papst wurde" zwar als ein einziger Film behandelt, eigentlich handelt es sich jedoch um zwei verschiedene Filme.

So spielen neben Piotr Adamczyk als Karol Wojtyla lediglich Malgosia oder (je nach Schreibweise) Malgorzata Bela als dessen Jugendfreundin Hania Tuszynska und Ennio Fantastichini als Arbeiter Nowak in beiden Teilen. Alle sonstigen Darsteller sind in den beiden Filmteilen gänzlich verschieden, was sicher größtenteils in der Natur der Sache liegt. Denn der erste Teil konzentriert sich auf die Jahre des Zweiten Weltkriegs: Der deutsche Angriff wird aufwändig in Szene gesetzt. Karol versucht mit seinem bereits kranken Vater zu fliehen, muss aber aufgeben und in Wadowice untertauchen. Dank der Papiere, die ihm der mit ihm befreundete Priester Tomasz Zaleski (Raoul Bova) besorgt, findet er Arbeit in einem Steinbruch, wo er mit dem Arbeiter Maciej Nowak Freundschaft schließt. Nebenher spielt Karol Theater im Untergrund, was er als Widerstand der polnischen Kultur gegen den Nationalsozialismus verstanden haben will, wollen die Nationalsozialisten doch die gesamte intellektuelle Sicht Polens zerstören. Obwohl sich die reale Jugendfreundin Karols, Halina Krolikiewicz, stets gegen eine erotische Komponente ihrer Freundschaft gewehrt hat, gestaltet die Filmdramaturgie diese Beziehung zweideutiger, offenbar damit Karols Entscheidung, Priester zu werden, dramatischer ausfällt.

Nach der Befreiung Polens seitens der Roten Armee betritt die Szene der große Widersacher der Kirche Julian Kordek (Hristo Shopov, bezeichnenderweise Pilatus-Darsteller in Mel Gibsons "Die Passion Christi"), der all die Jahre nicht nur Kardinal Wyszynski, sondern auch Karol Wojtyla ins Visier seiner Ermittlungen nimmt. Kordek schickt den jungen Adam Zielinski (Ken Duken) zum jungen Professor Wojtyla nach Lublin. Adam soll sich unter Karols Studenten mischen und ihm aufrührerische Absichten nachweisen.

Battiatos Film zeichnet Wojtyla als gütigen Menschen, der schon als junger Mann ein Herz für Kinder hat, und der als junger Priester von Jugendlichen und jungen Erwachsenen umgeben ist, als patriotischen Polen und vor allem als einen Mann des gewaltlosen Widerstands, der im Bau einer Kirche in Nowa Huta gipfelt. Die Konfrontation zwischen dem Volk und seinem Erzbischof und der Staatsmacht wird als Kardinals Wojtylas Eintreten für die freie Religionsausübung gedeutet. Darüber hinaus lässt die Inszenierung erahnen, dass in Nowa Huta und nicht erst in der Danziger Lenin-Werft das kommunistische Kartenhaus einzustürzen begann. Wiederholt der erste Teil teilweise aus einschlägigen Spielfilmen, etwa aus Roman Polanskis "Der Pianist", bekannte Bilder, so gewinnt der zweite Teil an dramatischer Dichte durch die gelungene Charakterzeichnung, so dass "Karol – Ein Mann, der Papst wurde" als geglückte Filmbiografie des großen Papstes Johannes Paul II. bezeichnet werden kann, der darüber hinaus ein von der standhaften Haltung Kardinal Wyszynskis und des Priesters Tomasz Zaleski charakterisiertes Bild der Kirche in Polen skizziert.

[© Die Tagespost vom 04.04.2006]